IHK Beschäftigte eingezogen: Was kostet der Ukraine-Krieg die Thüringer Wirtschaft?

Der Krieg Russlands in der Ukraine führt auch in der Thüringer Wirtschaft zu Verunsicherung. Unterbrochene Lieferketten, fehlender Zugang zu Märkten und vom Militär eingezogene Beschäftigte - die IHK spricht vom "Worst-Case-Szenario".

Ukrainische Soldaten fahren in einem Militärfahrzeug am 24. Februar 2022.
Soldaten auf einem Militärfahrzeug in der Ukraine: Laut IHK werden ukrainische Beschäftigte aus Thüringen auch zum Militär einberufen. Bildrechte: ddp

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt befürchtet wegen des Ukraine-Kriegs schwerwiegende Auswirkungen auf die Thüringer Wirtschaft. Nach Ansicht von Hauptgeschäftsführerin Cornelia Haase-Lerch werden die Zugänge der Unternehmen nach Russland und in die Ukraine völlig zusammenbrechen. Hinzu komme die Befürchtung, dass perspektivisch auch andere Länder im direkten Umfeld betroffen sein könnten.

Zusätzlich zur Verunsicherung kämen absehbar steigende Preise, Lieferkettenstörungen und massive Auswirkungen der Sanktionen auch auf deutscher Seite. Haase-Lerch sprach von einem "Worst-Case-Szenario" für die Unternehmen.

Ukrainisches Militär zieht Thüringer Beschäftigte ein

Erste Unternehmen bekommen die Folgen des Ukraine-Konflikts bereits personell zu spüren. Nach Angagen der IHK Erfurt haben Ukrainer, die in Thüringer Firmen beschäftigt sind, ihre Einberufungsbefehle zum Militär erhalten.

Russland und Ukraine mit nachgeordneter Rolle im Export

Zwischen 2014 und 2021 kamen rund 150 junge Menschen aus der Ukraine, um in Thüringen eine Berufsausbildung zu beginnen. 2020 exportierten etwa 200 Thüringer Firmen Waren im Wert von rund 280 Millionen Euro nach Russland. Darunter etwa pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeugteile und elektrische Ausrüstungen.

Laut Verband der Wirtschaft ist aber auch zu beachten, dass die Märkte in Russland und der Ukraine für die Thüringer Wirtschaft insgesamt eine eher nachgeordnete Rolle spielen. 2020 gingen rund zwei Prozent der Ausfuhren nach Russland, der Anteil des ukrainischen Marktes lag bei 0,4 Prozent.

2.600 Ukrainer in Thüringen

In Thüringen haben Ende 2020 mehrere Tausend Russen und Ukrainer gelebt. Wie das Landesamt für Statistik MDR THÜRINGEN mitteile, hatten etwa 4.400 Russen und 2.600 Ukrainer ihren Wohnort in Thüringen. Zwei Drittel davon waren Frauen. Die meisten Angehörigen der beiden Volksgruppen lebten in Erfurt und Jena. Das Durchschnittsalter der ukrainischen Staatsangehörigen in Thüringen lag bei 41 Jahren, das der russischen Staatsbürger bei 37,5 Jahren.

Thüringen und der Krieg in der Ukraine

MDR (maf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 25. Februar 2022 | 18:10 Uhr

3 Kommentare

Uborner vor 12 Wochen

Verbrecherischer Angriffskrieg, völkerrechtswidrig hin oder her, wer sich einberufen lässt riskiert sein Leben oder seine Gesundheit. Russland ist militärisch der Ukraine weit überlegen und jeder Ukrainer mit einer Knarre in der Hand ist ein Feind und wird erschossen. Was soll das? Patriotismus tötet auch. Und was dann? Mir tun die jungen Kerle die sich sinnlos opfern leid, ändern werden sie nichts, ihre Mütter werden weinen. Wäre es nicht besser die weiße Fahne zu heben und gemeinsam mit der Mutter zu weinen und dann sein Leben leben?

part vor 12 Wochen

Inoffiziell von Wirtschaftsforen sind es geschätzte 6 Millionen Ukrainer, die ihre Heimat aus existenziellen Gründen schon vor Jahren verlassen haben, um im Ausland eine Erwerbstätigkeit auszuüben, sich ein besseres Leben zu schaffen und ihre Angehörigen in der Heimat zu unterstützen. Ich denke dabei nicht, dass sehr viele in Europa beschäftigte Männer dem Einberufungsbefehl aus Kiew folgen werden. Die Freiwilligen dürften schon vorher ausgereist sein...

wer auch immer vor 12 Wochen

Wird jetzt Geld mit Menschenleben verglichen?

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