Ukraine-Konflikt Krieg in der Ukraine: Proteste und Mahnwachen in mehreren Thüringer Städten

In vielen Orten Thüringens haben Menschen am Donnerstag gegen den russischen Angriff auf die Ukraine demonstriert. In Weimar kamen mehrere Hundert Menschen zu einer Mahnwache zusammen.

Zahlreiche Menschen haben sich auf dem Theaterplatz in Weimar versammelt, um gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu protestieren.
Auf dem Theaterplatz in Weimar wurde am Abend gegen den Krieg protestiert. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Der Krieg in der Ukraine hat in Thüringen für Bestürzung und Fassungslosigkeit gesorgt. Am Donnerstagabend kamen vielerorts Menschen zusammen, um gegen den russischen Einmarsch zu protestieren. In Erfurt und Saalfeld riefen Ukrainerinnen und Ukrainer zu Mahnwachen auf. In vielen Städten gab es Friedensgebete.

Ramelow sagt Flüchtlingen Unterstützung zu

Rund 500 Menschen hatten sich am Abend zu einer Antikriegs-Kundgebung auf dem Weimarer Theaterplatz versammelt. "Wir stehen an eurer Seite" war die Botschaft des Abends. Viele Redner haben sie geteilt: Verantwortliche aus der Kultur, Politik und Vertreter der Kirche. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sicherte Flüchtlingen aus der Ukraine unbürokratische und schnelle Hilfe zu, wenn sie in Thüringen Schutz suchten. Die Landesregierung sei bereits auf der Suche nach passenden Unterkünften. Die Vorbereitungen liefen.

Zahlreiche Menschen haben sich auf dem Theaterplatz in Weimar versammelt, um gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu protestieren.
Ministerpräsident Bodo Ramelow (links) am Donnerstag bei einer Kundgebung in Weimar. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Schweigeminute für Kriegsopfer

Auch Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) zeigte sich erschüttert. Der Superintendent des Kirchenkreises Weimar, Henrich Herbst, rief zur Schweigeminute auf. So wurde in Stille der ersten Opfer dieses Krieges gedacht. Emotional trat auch eine Ukrainerin ans Mikrofon und forderte die Weltgemeinschaft auf, ihr Heimatland zu schützen. Immer wieder wurde die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner zitiert - ihre letzten Worte: "Die Waffen nieder."

Proteste in Jena und Erfurt

Auch in Jena und Erfurt versammelten sich rund 50 Menschen, um gegen den Krieg in der Ukraine zu demonstrieren. Sie forderten Solidarität und hielten Transparente und Schilder hoch, auf denen unter anderem "Stoppt Putin" und "Sage Nein zum Krieg" geschrieben stand. Auch ukrainische Flaggen hatten sie dabei.

Bei einer Demonstration auf dem Anger in Erfurt halten Frauen Plakate, auf denen steht "Stoppt Putin" oder "Sage nein zum Krieg".
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine versammelten sich am Donnerstagnachmittag in Erfurt die ersten Demonstranten, um Solidarität mit dem angegriffenen Land zu zeigen. Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Anastasiia Vitenko kämpfte mit den Tränen, als sie davon berichtete, dass sie schon den ganzen Tag zittere und dass sie sich Sorgen um ihre Familie in der Ukraine mache. "Wir brauchen Hilfe von Amerika und von Europa", sagte sie bei der Kundgebung des Vereins "Ukrainischer Landsleute in Thüringen". Dann sangen sie die ukrainische Nationalhymne.

Demonstration 3 min
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3 min

MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 24.02.2022 19:00Uhr 02:30 min

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Politik verurteilt Angriff

Quer durch die Thüringer Parteienlandschaft verurteilten Politikerinnen und Politiker den russischen Angriff. "Dieser Krieg geht von Russland aus und bricht das Völkerrecht", erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) via Twitter. Vor der Thüringer Staatskanzlei und dem Landtag wehten die Flaggen der Ukraine. "Krieg ist niemals die Lösung - unendliches Leid ist die Folge", erklärte Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Keller.

Zugleich wurden Rufe nach Konsequenzen laut. "Sämtliche Sanktionen, die wir jetzt geltend machen können, müssen sofort genutzt werden", sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Mario Voigt. Grünen-Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich forderte "entschiedene europäische Antworten und eine klare Absage an Putins Großmachtfantasien".

Kirchen organisieren Friedensgebete

Der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr und der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer riefen die Menschen im Freistaat zu Gebeten für die Ukraine auf. "Macht die Kirchen auf, damit Menschen hier einen Ort für ihr Gebet finden können", sagte Kramer. An etlichen Orten seien für das Wochenende Friedensgebete geplant.

Etwa in der Nikolaikirche in Mühlhausen beteten knapp 50 Menschen für Frieden in der Ukraine. Pfarrer Tobias Krüger sagte zu Beginn des Gebets, er sei wütend, verzweifelt, ärgerlich und trostlos. Sein Friedenswille, seine Friedenssucht sei enttäuscht worden, so Krüger. Er habe gedacht, dass es keinen Krieg mehr gibt. "Was ist die Wahrheit, wem kann man glauben? Geht es um Menschen oder müssen Interessen geschützt werden", fragte ein Mann in seiner Fürbitte. Die Friedensgebete sollen am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden.

Friedensgebet in einer Kirche
Friedensgebete gab es in vielen Orten Thüringen, wie etwa hier in der Nikolaikirche in Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

2.600 Ukrainer in Thüringen

In Thüringen haben Ende 2020 mehrere Tausend Russen und Ukrainer gelebt. Wie das Landesamt für Statistik MDR THÜRINGEN mitteile, hatten etwa 4.400 Russen und 2.600 Ukrainer ihren Wohnort in Thüringen. Zwei Drittel davon waren Frauen. Die meisten Angehörigen der beiden Volksgruppen lebten in Erfurt und Jena. Das Durchschnittsalter der ukrainischen Staatsangehörigen in Thüringen lag bei 41 Jahren, das der russischen Staatsbürger bei 37,5 Jahren.

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MDR(cfr),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Februar 2022 | 19:00 Uhr

61 Kommentare

martin vor 12 Wochen

@knarf2: Schon das "Kernland" von Russland hat Landgrenzen zu Norwegen, Estland und Lettland. Dazu kommt noch die Landgrenze der Exklave Kaliningrad zu Polen und Litauen. Bei den Seegrenzen bin ich aktuell überfragt - aber mindestens im Schwarzen Meer gibt es eine zur Türkei.

Und wenn er jetzt die Ukraine besetzt, dann rückt er näher an die Nato heran.

Wo ist Ihrer Meinung nach mein Irrtum?

martin vor 12 Wochen

Also führt Putin Ihrer Meinung nach einen altmodischen Krieg? Das sehen seine Trolle und Cyberkrieger vermutlich anders. Und Panzerschlacht scheint ja ein echtes Revival zu haben. Nun ja, es ist nicht alles gut, was von früher wieder modern zu werden scheint ....

Frau K. vor 12 Wochen

@knarf
ES gibt Karten auf denen kann man sehen, wo Russland an Nato-STaaten stösst.
Und er ist in Belorus einmarschiert und ist somit freiwillig an die Natogrenze rangerückt.

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