Thüringentrend MDR-Umfrage sieht AfD in Thüringen erstmals vor Linke

Die AfD ist in Thüringen erstmals die stärkste landespolitische Kraft. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest-dimap im Auftrag des MDR ergeben. Die Zufriedenheit der Menschen mit der Arbeit der Landesregierung fällt auf den schlechtesten Wert seit 2019. Erhoben wurden auch die Einstellungen zu Neuwahlen, Impfpflicht und Corona-Lockerungen.

Sonntagsfrage: AfD in Thüringen erstmals auf Platz eins

Laut einer aktuellen MDR-Umfrage liegt die AfD in Thüringen erstmals auf Platz eins in der Wählergunst. Im aktuellen Thüringentrend des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap kommt die AfD auf 24 Prozent. Sie liegt damit knapp vor der Linken, die auf 23 Prozent der Stimmen käme, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre. Damit hat die "Alternative für Deutschland" erstmals die Linke hinter sich gelassen.

Die CDU käme bei einer Wahl auf 19 Prozent. Die SPD liegt bei 15 Prozent. Im Parlament vertreten wären auch wieder Grüne und FDP - die Grünen mit fünf Prozent denkbar knapp, die FDP mit sieben Prozent etwas komfortabler. Die rot-rot-grüne Regierungskoalition hätte auch nach dieser Umfrage keine Mehrheit. Auch für eine Vierer-Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen würde es nicht reichen.

Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung

43 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden oder sehr zufrieden - der schlechteste Wert seit der Landtagswahl 2019. Zuspruch erhält die rot-rot-grüne Minderheitsregierung vor allem aus den eigenen Reihen. So gaben Anhänger der Linken zu 78 Prozent, SPD-Anhänger zu 68 Prozent und Anhänger der Grünen zu 64 Prozent an, mit der Regierungsarbeit zufrieden zu sein.

Bei befragten CDU-Anhängern gaben 63 Prozent an, unzufrieden mit der Arbeit der Regierung zu sein. Kritik üben 70 Prozent der FDP-Anhänger und 87 Prozent der AfD-Anhänger.

Wie ist die Meinung zu Neuwahlen?

Auch das Fehlen einer Mehrheitskoalition bleibt für die meisten Menschen im Freistaat unbefriedigend. Sechs von zehn (62 Prozent) der Thüringer plädieren für zeitnahe Neuwahlen. Für eine Fortsetzung der Arbeit der rot-rot-grünen Minderheitsregierung sprachen sich hingegen 30 Prozent aus.

Zuspruch erhält die Minderheitsregierung allein von 70 Prozent der Anhänger der Linken. Bei den Koalitionspartnern SPD und Grüne sind 54 Prozent und 60 Prozent für Neuwahlen. Auch bei den Anhängern der Oppositionsparteien CDU (70 Prozent), FDP (71 Prozent) und AfD (88 Prozent) werden Neuwahlen mehrheitlich vorgezogen.

Was halten Thüringer von einer Impfpflicht?

Gut die Hälfte der Thüringer befürwortet eine allgemeine Corona-Impfpflicht. Nach der Umfrage von infratest-dimap im Auftrag des MDR sind 51 Prozent der Befragten der Meinung, dass alle Erwachsenen verpflichtet werden sollen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

46 Prozent lehnen das ab. Vor allem Anhänger der AfD, aber auch der FDP sprechen sich gegen eine Impfpflicht aus. In allen anderen Lagern überwiegen die Befürworter - die meisten von ihnen gibt es unter den SPD-Anhängern, bei denen 77 Prozent für eine Impfpflicht sind.

Wie angemessen sind Lockerungen der Corona-Regeln?

Zwei Drittel (66 Prozent) der Thüringer haben wenig oder gar kein Verständnis für die Demonstrationen gegen die Corona-Politik. Eine Minderheit von insgesamt 32 Prozent hat großes oder sehr großes Verständnis für die Proteste.

69 Prozent der Befragten halten es für angemessen, dass die Corona-Regeln ab März bundesweit gelockert werden. 27 Prozent finden das nicht angemessen. Die meisten Fürsprecher gibt es bei den Anhängern von FDP (80 Prozent) und AfD (84 Prozent). Ältere Thüringer über 65 Jahren äußern sich etwas verhaltener, aber auch sie sind mit 62 Prozent mehrheitlich für Lockerungen der Corona-Regeln.

Daten zur Umfrage Für den Thüringentrend befragte infratest-dimap im Auftrag des MDR vom 17. bis 22. Februar 2022 insgesamt 1.158 repräsentativ ausgewählte Thüringerinnen und Thüringer.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Februar 2022 | 06:00 Uhr

74 Kommentare

hansfriederleistner vor 18 Wochen

Der Stern hat auch einmal Hitlertagebücher veröffentlicht. Also eine sehr solide Quelle.
Fast jeder zehnte AfD Abgeordnete ist noch nicht alle.
Klar können auch Akademiker krude Ansichten haben. Nur warum sollen die alle bei dieser Partei sein? Ich erinnere an eine regierende Bürgermeisterin, der die Promotion aberkannt wurde. Kavaliersdelikt. Ein ehemaliger Oberbürgermeister einer Hansestadt kann sich nicht mehr an finanzielle Probleme erinnern. Also hat jede Partei ihre Leichen im Keller. Mir ist ein Hilfsarbeiter genausoviel wert wie jeder andere Mensch.

Freies Moria vor 18 Wochen

Ich bin ja gespannt, wie die nächste Umfrage dann aussehen wird.
Denn mit dem Einmarsch der Russen vollzieht sich erstaunliches in der Bundesregierung.
Vorher so:
@NancyFaeser: „Die größte Gefahr für unsere Demokratie ist der Rechtsextremismus. Deshalb hat die Bekämpfung des Rechtsextremismus für mich besondere Priorität.“ (tweet SPD Parteivorstand)
Und jetzt dieses:
Staatsministerin Claudia #Roth erklärt zur Situation in der #Ukraine: „Es
ist ein aggressiver Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine sowie auf
die Idee der #Demokratie. (tweet BKM)
Und Robert Habeck lamentiert über die Gas-Abhängigkeit von Russland, nachdem seine Partei und deren Ausleger für die Abschaltung von Kohle und Kernkraft gesorgt haben.
Auf die Idee die Abhängigkeit von Gas durch Einschalten von Kohle und Kernkraft zumindest zeitweise zu reduzieren ist noch keiner der tollen Ampel-Helden gekommen.
Ich schließe daraus: Es dauert noch bis die Regierung aus ihrer privaten Echokammer kommt.

emlo vor 18 Wochen

@hilflos: Nicht DIE Leute. Hauptsächlich sind das die genannten 24%, die immer noch von der "Machtübernahme" träumen, dabei aber übersehen, dass 24% keine Mehrheit sind und CDU und FDP nicht den politischen Selbstmord begehen, mit der (mindestens in Teilen) rechtsextremen Thüringer AfD gemeinsame Sache zu machen.

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