Quarantäne oder nicht? Urlaub in Corona-Risikogebieten: Was Reisende beachten müssen

Seit Mitte Mai gelten in Deutschland einheitliche Reiseregeln. Unter gewissen Voraussetzungen müssen Reisende nicht mehr in Quarantäne. In der Praxis kam es in Thüringen aber noch zu Problemen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Bestimmungen gelten für Reisen?

Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen hat die Bundesregierung den Weg für Auslandsreisen im Sommer freigemacht. Seit 12. Mai gilt eine neue Verordnung, nach der die generelle Quarantänepflicht in vielen Ländern aufgehoben wurde. Wer von dort nach Deutschland reist, kann sich durch einen negativen Corona-Test von der Quarantäne befreien. Gleiches gilt für Geimpfte und Genesene. Wichtig: Bei Flugreisen ist ein Test vor der Einreise ohnehin weiter verpflichtend.

Die Regelung betrifft die meisten Nachbarländer Deutschlands wie Dänemark, Polen, Frankreich, Österreich oder Schweiz, die gegenwärtig als Risikogebiete eingestuft sind. Die Einstufungen können sich je nach Infektionslage aber auch täglich ändern. Eine aktuelle Übersicht gibt es beim Robert Koch-Institut.

Wie war es zuvor geregelt?

Vor der neuen Bundesverordnung regelten die Länder die Ein- und Rückreise mit eigenen Quarantäneverordnungen. Mit der neuen Bundesverordnung traten diese außer Kraft. So galt in Thüringen bei der Einreise aus Risikogebieten bisher eine zehntägige Quarantänepflicht. Vor oder unmittelbar nach der Einreise nach Deutschland musste ein negatives Testergebnis vorgezeigt werden. Die Quarantäne konnte frühestens nach fünf Tagen aufgehoben werden, wenn erneut ein negatives Testergebnis vorgelegt wurde.

Welche Probleme gab es mit Einführung der neuen Reiseverordnung?

Auch eine Woche nach Einführung der Reise-Lockerungen gab es offenbar noch Unklarheiten. So versendete beispielsweise das Gesundheitsamt Erfurt an Einreisende aus Risikogebieten noch veraltete Mitteilungen und wendete die Thüringer Quarantäneverordnung an. Demnach könne man sich frühestens fünf Tage nach Einreise von der Quarantäne freitesten, hieß es, obwohl dies mit neuem Gesetz bereits unmittelbar mit der Einreise möglich war. Das Bundesgesundheitsministerium wies daraufhin, dass die Anwendung der neuen Reisebeschränkung verpflichtend ist.

Auch auf den offiziellen Internetseiten der Landratsämter und kreisfreien Städte Thüringens waren eine Woche nach Inkrafttreten noch veraltete Informationen nachzulesen. Auf Nachfrage beim Saale-Holzland-Kreis und Unstrut-Hainich-Kreis teilten diese mit, dies zeitnah aktualisieren zu wollen. Das Thüringer Gesundheitsministerium wies die Gesundheitsämter in der vergangenen Woche nochmals darauf hin, die neuen Regeln anzuwenden.

Auch interessant

Menschen am Strand 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

FAKT Di 25.05.2021 21:45Uhr 06:28 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Wie werden die Reisegebiete in Coronazeiten eingestuft?

Bei der Aus- und Einreise muss zwischen vier Gebieten unterschieden werden: risikofreie Gebiete, Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete.

  • Risikofreie Gebiete: Diese Länder oder Regionen werden aufgrund niedriger Fallzahlen nicht als Risikogebiete eingestuft. Das betrifft gegenwärtig aber nur wenige Regionen. Touristische Reisen beziehungsweise Einreisen sind von dort also grundsätzlich möglich, ohne in Quarantäne gehen zu müssen. Allerdings sollten sich Reisende über die Regeln vor Ort informieren. Unter Umständen gelten dort gesonderte Beschränkungen oder Quarantänevorschriften. Außerdem gilt auf Flügen auch für diese Länder eine Testpflicht.
  • Risikogebiete: Generell werden so Länder eingestuft, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz über 50 liegt. Wer aus einem dieser Länder kommt, muss nur noch in Quarantäne, wenn er oder sie weder geimpft, noch genesen ist und sich auch nicht auf Corona testen lassen will.
  • Hochinzidenzgebiete: So werden Länder eingestuft, in denen sich die Zahl der Neuinfektionen bei über 200 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen beläuft. Hier gilt noch eine Quarantänepflicht von zehn Tagen, von der man sich frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test befreien kann.
  • Virusvariantengebiete: So werden Länder eingestuft, in denen Virus-Varianten grassieren. Hier gelten die strengsten Regeln: Wer aus einem Virusvariantengebiet nach Deutschland einreist, muss für 14 Tage in Quarantäne. Hier gibt es weiterhin keine Ausnahme: Selbst Geimpfte und Genesene müssen sich selbst isolieren.

Muss ich mich vor der Einreise weiter anmelden?

Ja. Bevor Sie aus einem Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet nach Deutschland einreisen, müssen Sie die digitale Einreiseanmeldung durchführen. Dort geben Sie Daten zu ihrem Aufenthalt in den vorangegangenen zehn Tagen vor Einreise an. Danach bekommen Sie ein PDF-Dokument zugesendet, das Sie auf Verlangen vorzeigen können.

Wann genau endet die Quarantäne bei Risikogebieten?

Die häusliche Quarantäne kann vorzeitig beendet werden, wenn ein Genesenennachweis, Testnachweis oder Impfnachweis an das Einreiseportal übermittelt wird. Laut Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums kann die Quarantäne ab dem Zeitpunkt der Übermittlung sofort beendet werden. Wird der Nachweis bereits vor Einreise übermittelt, so ist keine Quarantäne erforderlich. Ein Bescheid des Gesundheitsamts ist also nicht erforderlich.

Welche Tests werden anerkannt?

Sowohl PCR-Tests als auch Antigen-Schnelltests sind möglich. Der PCR-Test darf vor der Einreise nicht älter als 72 Stunden sein. Der Antigen-Test darf in Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten höchstens 48 Stunden alt sein, in Virusvariantengebieten darf der Test höchstens 24 Stunden vor der Einreise erfolgen. Generell nicht anerkannt werden Selbsttests.

Was muss ich bei der Ausreise aus Deutschland beachten?

Die Reiseverordnung regelt in erster Linie die Einreise nach Deutschland. Bevor Sie in ein anderes Land reisen, sollten Sie sich konkret über die dortigen Corona-Regeln informieren. Unter Umständen müssen Sie ebenfalls eine Einreiseanmeldung ausfüllen oder sich negativ testen lassen. Genaue Informationen erhalten Sie auf der Seite des Auswärtigen Amts.

Am Beispiel Österreich: Wie funktionieren Einreise und Ausreise?

Österreich gilt momentan als Risikogebiet: Das Auswärtige Amt warnt deshalb weiterhin vor nicht notwendigen Reisen in das Alpenland. Dennoch sind Reisen grundsätzlich ohne Quarantäne möglich.

Am 19. Mai traten in Österreich Lockerungen in Kraft. Deutschland gilt seitdem als "Staat mit geringem Infektionsgeschehen". In Österreich ist damit keine Quarantänepflicht für Getestete, Geimpfte oder Genesene mehr nötig.

Einreise Deutschland nach Österreich:

  • Alle Reisenden müssen sich weiterhin vor der Einreise nach Österreich elektronisch registrieren.
  • Außerdem muss ein negatives Testergebnis (PCR- oder Schnelltest) unmittelbar vor oder nach der Einreise gemacht werden.
  • Auch eine Bescheinigung über eine Impfung oder eine durchgemachte Infektion sind möglich.

Rückkehr Österreich nach Deutschland:

  • Vor der Einreise ist eine Anmeldung beim Einreiseportal des Bundes erforderlich.
  • Außerdem ist ein Nachweis über ein negatives Testergebnis, eine Impfung oder Genesung erforderlich.
  • Wird dieser Nachweis vor Einreise beim Einreiseportal hochgeladen, ist die Quarantäne automatisch aufgehoben.
  • Wird der Nachweis nach Einreise hochgeladen, endet die Quarantäne in diesem Augenblick. Reisende erhalten bei der Einreise per E-Mail einen Pin, den sie beim nachträglichen Hochladen angeben müssen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 25. Mai 2021 | 21:45 Uhr

Mehr aus Thüringen