Festivals Thüringer beim Wacken Open Air auf und vor der Bühne

Zehntausende Metalfans feiern dieser Tage ausgelassen in Wacken - nach dreijähriger Pause. Auch diverse Thüringer haben den Weg in die norddeutsche Provinz auf sich genommen.

Metal-Fans vor einem Wohnmobil.
Metalfans unter sich: Vanessa aus Eisenach campt gemeinsam mit Familie und Freunden aus dem Kreis Sömmerda, aus Nordhausen und aus Cuxhaven. Übernachtet wird in Wohnwagen, Transportern und Zelten. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Während der erste Gitarrendonner des Tages über Wacken wummert, lassen sich Vanessa und ihr Vater Andre die mitgebrachten Brätel und Bratwürste schmecken. Stärkung ist wichtig beim größten Metalfestival des Landes, das nach dreijähriger Pandemiepause wieder gut 80.000 Freundinnen und Freunde harter Klänge in den hohen Norden gelockt hat - darunter zahlreiche aus Thüringen.

Liebe zum Metal in die Wiege gelegt

Vanessa aus Eisenach - 21 Jahre alt und im normalen Leben Arzthelferin - ist bereits seit sieben Jahren mit dem Wacken-Virus infiziert. Ihre Eltern nahmen sie als Jugendliche mit auf "den Acker" auf halber Strecke zwischen Hamburg und Nordsee: "Ich war schwer beeindruckt - so ein riesiges Gelände, die verschiedenen Bühnen, überall war so viel los", erinnert sie sich. "Und die Liebe zum Metal war mir eh in die Wiege gelegt worden."

Gut 150 Bands spielen dieses Mal in Wacken. Und auch wenn der Auftritt der kölschen Höhner im Vorfeld wohl am meisten diskutiert wurde, bestimmen weiterhin die verschiedenen Genres des Hardrock- und Metal-Universums das Geschehen. "Judas Priest gehören zu meinen Highlights", sagt Vanessa. Dass Sänger Rob Halford mit seinen 70 Lenzen zur Generation ihrer Großeltern gehört, spielt keine Rolle.

Ein Musiker spielt auf einer Bühne.
Kadavar beim Wacken Open Air 2022. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Schließlich wird aus Fans und Musikern, die ebenfalls Fans sind, eh eine große Familie - so zumindest berichten es viele Besucher - trotz der Nebenwirkung eines Festivals dieser Größenordnung: weite Wege, bisweilen äußerst lange Wartezeiten am Einlass und vor WC-Wagen, Personalmangel im Gastrobereich. Auch in Wacken muss sich drei Jahre nach der vergangenen Auflage manches wieder einspielen. "Für mich ist und bleibt es einfach ein tolles und tolerantes Festival", sagt Vanessa, "hier kann jeder rumlaufen, wie er will, die Leute helfen sich gegenseitig, man lernt neue Freunde kennen. Das ist nicht bei jedem Konzert oder Festival so."

Im Carl-Zeiss-Jena-Trikot in Wacken

Während beim Thüringer Gaumenschmaus auf dem Campingplatz gemeinsam mit Freunden aus Cuxhaven die Pläne für den Tag geschmiedet werden - angesichts von sieben Bühnen kein leichtes Unterfangen -, schlendern andere schon übers eigentliche Festivalgelände. Darunter zwei in Carl-Zeiss-Jena-Fußballtrikots, geziert mit dem Schriftzug des einstigen Sponsors "Wacken Foundation", eine Stiftung, die sich unter anderem der metallischen Nachwuchsförderung verschrieben hat.

Zwei Männer auf einem Festival.
Metal- und Fußballfans: Anton und Uwe aus Jena. Bildrechte: MDR/Martin Moll

"Gut erkannt“, sagt Anton, "wir kommen aus Thüringen." Auch er ist mit seinen Eltern angereist. Der 26-Jährige, der als Jugendlicher bei einem Computerspiel über die Thrash-Metal-Legende Slayer stolperte und so auf den Geschmack kam, ist zum fünften Mal dabei - vor allem wegen der Musik. Schließlich gibt es nicht nur ergraute Bühnenrecken zu bewundern, sondern auch eine ganze Menge zu entdecken.

So spielen in diesem Jahr unter anderem Bands aus Chile, Island, Rumänien und Japan, aus der Ukraine und aus Norwegen, aus Aserbaidschan und Florida. Auch wenn der Sound bisweilen aggressiv daherkommt: Antons Vater Uwe betont die freundliche Atmosphäre beim Wacken Open Air: "Die Leute hier sind total entspannt, es gibt keinen Stress, es ist wirklich sehr angenehm hier."

Impressionen vom Wacken Open Air 2022

Ein Schlagzeuger auf einer Bühne.
Nach dreijähriger Corona-Pause reisten im August 2022 wieder 80.000 Musikfans und mehr als 150 Bands nach Wacken. Darunter die Berliner Gruppe Kadavar. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Schlagzeuger auf einer Bühne.
Nach dreijähriger Corona-Pause reisten im August 2022 wieder 80.000 Musikfans und mehr als 150 Bands nach Wacken. Darunter die Berliner Gruppe Kadavar. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Musikfans beim Wacken Open Air in der ersten Reihe.
Das Festival ist beliebt bei Metalfans aus aller Welt. Viele nehmen lange Wege in Kauf, um dabei zu sein. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Eine Bassistin hält ihr Instrument hoch.
Auch viele Musikerinnen traten auf den insgesamt sieben Bühnen auf - das war wenige Jahre zuvor noch anders. Im Bild: Mona Lindgren, Bassistin der schwedischen Band Thundermother. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Sänger bei einem Konzert.
Kölle Alaaf in Wacken: Der kuriose Auftritt der Höhner wurde heiß diskutiert, doch die Band um Sänger Henning Krautmacher begeisterte Tausende Besucher. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Besucher sitzen beim Wacken Open Air auf einer großen Bank.
Zur Ruhe kommen ist schwer auf einem der weltweit größten Metalfestivals. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Festivalbesucher spazieren durch die Gemeinde Wacken.
Ein Spaziergang durchs angrenzende Dorf Wacken gehört für viele Festivalbesucher mit dazu. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Sänger und ein Schlagzeuger bei einem Konzert.
Seit Jahrzehnten beliebt: Judas Priest um Sänger Rob Halford. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Schlagzeuger bei einem Konzert.
Radau bis nach Mitternacht: Mantar aus Bremen und Florida stehen bei vielen Punk- und Metalfans hoch im Kurs. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Sänger und ein Gitarrist bei einem Konzert.
Aus Japan nach Wacken: Sable Hills entschieden den diesjährigen "Metal Battle" für sich. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Musikfans beim Wacken Open Air.
Der Vorverkauf für 2023 begann einen Tag nach dem Festival. Wenige Stunden später hieß es: "ausverkauft". Bildrechte: MDR/Martin Moll
Alle (10) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Brisant | 05. Juli 2022 | 17:15 Uhr

Metalfans aus aller Welt beim Festival

Auch aus Hildburghausen, Erfurt, Suhl und Sömmerda sind Metalfans angereist. Auf den Bühnen hingegen hält sich die mitteldeutsche Präsenz in diesem Jahr in Grenzen. Immerhin: Bei In Extremo und Kadavar stehen gebürtige Thüringer in der ersten Reihe, und auch die Sachsen von der Letzten Instanz entfachen bei prächtigem Festivalwetter Stürme der Begeisterung über dem staubigen Ackerboden.

Eine Musikerin mit Gitarre auf einer Bühne.
The Iron Maidens aus Kalifornien spielen Songs ihrer großen englischen Idole. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Und wer weiß, vielleicht gesellen sich ja im kommenden Jahr wieder Heaven Shall Burn aus Saalfeld, Die apokalyptischen Reiter aus Weimar oder Deserted Fear aus Eisenberg dazu. Dass alle vorm riesigen Wacken-Publikum überzeugen können, haben sie in der Vergangenheit bewiesen. Fest steht: Im August 2023 wollen wieder Zehntausende Metalfans aus aller Welt in die norddeutsche Provinz reisen - gewiss auch Vanessa mit ihrer sympathischen "Becherlinge"-Bande.

Metal-Fans
Metalfans aus dem In- und Ausland reisen Jahr für Jahr zum großen bunten Szenetreffen. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Mehr zum Thema Festivals

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Brisant | 05. Juli 2022 | 17:15 Uhr

4 Kommentare

martin vor 1 Wochen

Behandlungskosten und Lohnersatz zahlt ja auch die Gemeinschaft bzw. der Betrieb. Also völlig richtig gemacht.

*Sicherheitshinweis* Wer Ironie, Sarkasmus oder ähnliches findet, der es behalten. Finderlohn gibt es nicht.

martin vor 1 Wochen

z.B. Bier aus der Pipeline

astrodon vor 1 Wochen

@kleiner: Die machen es halt richtig - sie sch... auf Omikron !

Mehr aus Thüringen

Polizisten stehen auf einer Autobahn neben einem Motorrad. 1 min
Polizisten stehen auf einer Autobahn neben einem Motorrad. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min 16.08.2022 | 14:14 Uhr

Auf der A71 im Ilm-Kreis ist ein Motorradfahrer bei einem Unfall schwer verletzt worden. Er war aus bisher unbekannter Ursache kurz hinter dem Erfurter Kreuz in Richtung Schweinfurt mit seinem Motorrad gestürzt.

Di 16.08.2022 13:47Uhr 00:30 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/arnstadt-ilmkreis/unfall-motorrad-autobahn-verletzt-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video