Bürgermeisterwahl Gräfenthal: Ein Schlossherr wird Bürgermeister

Am vergangenen Sonntag war nicht nur Landratswahl in Thüringen, sondern auch Bürgermeisterwahl. 120 Chefposten galt es neu zu besetzen. Und für diese Bürgermeisterposten in Städten und Gemeinden gab es thüringenweit 302 Bewerber. In 40, vor allem kleinen Gemeinden hatte sich nur ein Bewerber zur Abstimmung gestellt - in vier stand überhaupt kein Name auf dem Wahlzettel, so auch in Gräfenthal. Einen neuen Bürgermeister gibt es jetzt trotzdem.

Vor 16 Jahren hatte Wolfgang Wehr das Schloss Wespenstein in Gräfenthal gekauft. Um es Kraftakt auf Kraftakt wieder herzurichten. Erst vor kurzem hatte er eine neue Stützmauer an dem Denkmal hochgezogen. Unter der Woche pendelt der 53-jährige Professor für Geotechnik zwischen der Fachhochschule in Erfurt und dem Landkreis Saalfeld Rudolstadt. Und nun ist er auch noch der frischgebackene parteilose Bürgermeister seines 2.000 Seelen zählenden Heimatortes.

Bei der Kommunalwahl am Sonntag wollte er eigentlich gar nicht angetreten. Aber nachdem Wehr gesehen hat, das sich nur ein Rentner mit einem sehr dürftigen Programm beworben hat, sagte er sich, "So, jetzt mach' halt ich mal was!" Die Tücke aber lag im Detail. Der Ostthüringer hatte sich nicht rechtzeitig angemeldet. Schlupfwinkel der Wahlordnung ist aber, sagt Stadtrat Henry Bechtholdt: "wenn die Anmeldung durch ist zur Wahl, dann kann man sich quasi auf dem Wahlzettel auch eintragen lassen von den Wählern."

Sieg auch ohne Spitzname

Für den Sieg von Wolfgang Wehr mussten 530 Gräfenthaler dessen Namen auf den Stimmzettel schreiben. "Eigentlich hätte ich ja noch ein paar mehr Stimmen gehabt", so Wehr. Aber, er habe auch noch den Spitznamen Jimmy. Und da hätten einige auf den Stimmzettel Jimmy Wehr geschrieben. "Der Name steht jedoch nicht im Pass. Und da hat das Wahlkomitee gesagt, 'nein, die Stimmen sind ungültig'".

Ab 1. Juli gehts richtig zur Sache!

Der Wissenschaftler, Fachhochschul-Lehrer und Schlossbesitzer tritt am 01.07. sein Amt als Bürgermeister in der Stadt Gräfenthal an. Zunächst will er die Wirtschaft ankurbeln und den Tourismus beleben helfen. In der letzten Zeit seien viele Unternehmer weggezogen, die Kommune habe dadurch 1.000 Einwohner verloren. Und es sei ein Unding, dass es z.B. keine Parkplätze vor der neuen Arztpraxis gebe.

"Der Tourismus liegt im argen, seit es keine Anlaufstelle mehr dafür im Rathaus gibt", so Wehr. "Das muss sich ändern. Der Tag hat 24 Stunden. Und wenn man die Mittagspause durcharbeitet, sogar 25", sagt er augenzwinkernd. "Hier gibt es eine unglaublich schöne Landschaft. Und von hier aus fährt eine Motordraisine, wie es sich im Umkreis von 200 Kilometern keine zweite gibt. Damit muss man doch pfrunden", so Wolfgang Wehr. Die Gräfenthaler haben das ehrenamtliche Engagement des Neuen bei dem Kommunalwahl am 15. April mit 67 Prozent Stimmenanteil quittiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 17. April 2018 | 07:10 Uhr

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