Dem Namen nach... Was die Namen der Ministerpräsidenten-Kandidaten in Thüringen bedeuten

Einer verwaltete offenbar schon früher das Geld, ein anderer war eine Art "Geburtshelfer" und der nächste stammte offenbar aus einem recht kleinen Ort: Woher die Namen der Ministerpräsidenten-Kandidaten so stammen...

Namenforscher Prof. Jürgen Udolph
Namenforscher Prof. Jürgen Udolph Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Orts- und Familiennamen können viel erzählen. Namenforscher Professor Jürgen Udolph klärt einmal pro Woche in der Servicestunde bei MDR THÜRINGEN - Das Radio über die Herkunft und Bedeutung von Namen auf. Zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen hat er sich für uns mal die Namen der möglichen Kandidaten angeschaut:

Die Spur des Namens Ramelow führt nach Vorpommern und Pommern. Dort gibt es zwei Ortsnamen mit diesem Namen, zum einen Ramelow nord-östlich von Neubrandenburg, zum andern Ramelow, heute polnisch Ramlewo, in Pommern. Aus einem dieser beiden Orte, denen ein slawischer Vorname zugrunde liegt, stammen die Vorfahren von Bodo Ramelow. Sie wohnten einst in einer Siedlung eines Slawen mit dem Namen Ramelow oder Romelow. In einem neuen Band des Ortsnamenbuchs für Polen findet sich zu Ramlewo die folgende Deutung:

  • slawische Bildung mit der Endung -ow (vgl. Bandelow, Satow, Bützow usw.), aber zu einem ursprünglich niederdeutschen Vornamen Rammel(t), der zu mittelniederdeutsch "Schafbock, Widder", auch (davon abgeleitet) "großer, kräftiger Mensch". Dieser Name ist eine deutsch-slawische Gemeinschaftsproduktion.

Der Name von Thomas Kemmerich, der in Aachen geboren wurde, stammt aus Nordrhein-Westfalen. Auch hier liegt ein Ortsname zugrunde: Kemmerich im Oberbergischen Kreis. Dieser ist ein alter -ingen-Name (1470 Kemeryngen) und dürfte etwa "Siedlung der Leute eines Verwalters der Kammereinkünfte (einer Stadt, eines Klosters, eines Fürsten o.ä.)" bedeuten.

Der auffällige Name von Christoph Kindervater ist nicht ganz eindeutig zu erklären. Man vermutet dahinter einen Pflegevater, Taufpaten, Geburtshelfer, Lehrer oder Kinderfreund.

Albert Weiler stammt aus Mayern (Rheinland-Pfalz). Dort ist der Name sehr häufig und geht auf einen der zahlreichen Ortsnamen Weiler zurück. Diese Orte sind zumeist kleiner als ein Dorf, aber größer als eine Einzelsiedlung. Zugrunde liegt eigentlich ein lateinisches Wort, villaris, das von villa "Landgut" abgeleitet ist.

CDU-Bundestagsabgeordneter Albert Weiler
Ein Landgut auf einem kleinen Dörfchen? Bildrechte: MDR / Laurence Chaperon

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 05. Februar 2020 | 11:10 Uhr