Waldschäden Thüringen forstet auf: Zwei Millionen junge Bäume für die Walderneuerung

Thüringen will seinen Wald retten: Um die Waldschäden der vergangenen Jahre auszugleichen, setzt der Freistaat sein massives Wiederaufforstungsprogramm auch in diesem Jahr fort. Der Großteil der Bäumchen kommt aus der staatlichen Forstbaumschule in Breitenworbis (Eichsfeld).

Fläche die nach dem Sturm Kyrill mit Bergulmen aufgeforstet wurde
Wiederaufforstung im Thüringer Wald nach dem Sturm Kyrill. Bildrechte: IMAGO

Nach den verheerenden Waldschäden der vergangenen Jahre, hauptsächlich verursacht durch Dürre, Borkenkäferbefall und Sturm, forstet der Freistaat Thüringen in großem Stil Kahlflächen auf und pflanzt Mischwälder statt der Fichtenmonokulturen. Allein die Landesforstanstalt werde in diesem Jahr etwa zwei Millionen Bäumchen in den Boden bringen und damit den Rekordwert von 2021 wiederholen, teilte das Agrarministerium in Erfurt mit.

Dramatischer Zustand der Thüringer Wälder

Der Naturschutzbund (Nabu) bescheinigte Thüringens Wäldern einen dramatischen Zustand. Allein die Februarstürme hatten verheerende Folgen wie zum Beispiel an der Neuen Ausspanne bei Tambach-Dietharz (Kreis Gotha), wo viele Bäume abgebrochen und entwurzelt wurden. Allein 2021 fielen nach Angaben des Ministeriums rund sechs Millionen Festmeter Schadholz in Thüringens Wäldern an - mehr als die Hälfte verursachte der Borkenkäfer.

Mit dem Aktionsplan Wald habe die Landesregierung 2019 auf die dramatischen Waldschäden reagiert, so Landwirtschaftsministerin Susanna Karawanskij (Linke). Neben der Beseitigung des Schadholzes sei die naturnahe Wiederbewaldung die forstpolitische Hauptaufgabe.

Setzlinge aus Forstbaumschule in Breitenworbis

Der Baumnachwuchs für die Wiederaufforstung in Thüringen wird in diesem Jahr vor allem aus dem Eichsfeld kommen. Die staatliche Forstbaumschule in Breitenworbis werde voraussichtlich etwa 1,8 Millionen Setzlinge in einer Vielzahl von Arten liefern, teilte das Thüringer Agrarministerium auf Anfrage mit. Dort werden 32 verschiedene Baumarten kultiviert. Das Spektrum reicht von Eiche, Rotbuche, Weißtanne, Kiefer, Douglasie, Berg- und Spitzahorn, Wildkirsche, Wildapfel bis zur Schwarznuss.

Die Baumschule ist außerdem für die Ernte und -Lagerung des Baumsaatgutes zuständig. Aus einem Kilogramm Saatgut können bis zu 3.000 neue Bäume gezogen werden.

Die Bäumchen aus Breitenworbis würden ein Großteil des Bedarfs der Landesforstanstalt decken. Insgesamt sollen rund zwei Millionen Bäumchen in die Erde gebracht werden. Etwa 200.000 Setzlinge würden zusätzlich eingekauft.

Ein kleiner Ginkobaum im Arboretum auf der Sängerwiese bei Eisenach.
Auf der Sängerwiese bei Eisenach wird getestet, welche Baumarten gut mit dem Klimawandel zurecht kommen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stabile Mischwälder als langfristiges Ziel

Ziel der Aufforstung sei der Aufbau von Mischwäldern, die den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel besser standhalten könnten als die derzeit vielerorts vorherrschenden Fichtenbestände. "Unser Ziel ist es, den Wald in Zeiten des Klimawandels für kommende Generationen zukunftssicher zu entwickeln", sagte Ministerin Karawanskij. Wiederaufforstung und Waldumbau würden vom Land bis 2036 mit insgesamt 176 Millionen Euro unterstützt.

Neben dem staatlichen Thüringenforst sorgen auch Kommunen sowie private Waldbesitzer dafür, dass viele Kahlflächen wieder aufgeforstet werden.

Kranke Fichten in einem Wald.
Dieses Bild soll irgendwann der Vergangenheit angehören: Angeschlagene Fichtenmonokulturen in Thüringer Wäldern. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Unser Ziel ist es, den Wald in Zeiten des Klimawandels für kommende Generationen zukunftssicher zu entwickeln

Susanna Karawanskij, Agrarministerin

Im vergangenen Jahr wurden von der Landesforstanstalt 1.762 Hektar Wald wieder aufgeforstet. Zum Vergleich: Im von extremer Trockenheit geprägten Jahr 2018 waren es nur 433 Hektar. Zur Größenordnung der Wiederaufforstung auf den Flächen kommunaler und privater Waldbesitzern liegen dem Ministerium keine Daten vor.Es geht aber davon aus, dass sie mindestens so groß ist wie die der Landesforstanstalt ist, wenn nicht gar mehr.

Schwerpunkte der Aufforstung

Gepflanzt wird vielerorts - bei Netzkater im Südharz, im Forstamt Bad Salzungen oder im Forstrevier Quirla (Saale-Holzland-Kreis). Im Südharz seien beispielsweise 2021 auf etwa 120 Hektar Pflanzungen vorgenommen worden, teilte das Ministerium mit. In diesem Jahr ist etwa die gleiche Größenordnung geplant.

Im Forstamt Bad Salzungen sollen in den nächsten Wochen rund 250.000 Setzlinge verschiedener Baumarten auf 82,5 Hektar in den Boden kommen. Im Hasenthal in Südthüringen sind gleich zwei Aufforstungsaktionen geplan. Dort sollen 90.000 Setzlinge auf insgesamt 36 Hektar gepflanzt werden. Bei den verschiedenen Pflanzaktionen soll auch auf freiwillige Helfer gesetzt werden.

Lichtung im Wald
Kahlfläche im Thüringer Wald bei Ohrdruf. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Waldverjüngung als natürlicher Prozess

Pflanzung und Aussaat von Bäumen sorgen nach Angaben von Forstexperten jedoch nur zu einem kleinen Teil für die Wiederbewaldung. 90 Prozent hingegen macht die natürliche Verjüngung aus. Unterstützt wird sie mit gezielten Pflegemaßnahmen: Junge Bäume werden gegebenenfalls bewässert und vor Wildverbiss geschützt.

MDR THÜRINGEN, dpa, dg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Abend | 02. April 2022 | 15:20 Uhr

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