Forstwirtschaft Frust statt Frost: Milder Winter erschwert Laubholzernte in Thüringen

Der Dauerregen führt bei allen, die im Wald ihren Arbeitsplatz haben, zu gemischten Gefühlen. Einerseits wird so der Bodenwasserspeicher gefüllt, andererseits sind die aufgeweichten Böden für die Laubholzernte nicht nutzbar.

In Thüringen wird in diesem Winter erneut weniger Laubholz eingeschlagen werden als in den Vorjahren. Die durch den Dauerregen aufgeweichten Wege kommen für die Forstmitarbeiter erschwerend hinzu. Bildrechte: MDR/Robert Müller

In Thüringen wird in diesem Winter erneut weniger Laubholz eingeschlagen als in den Vorjahren. Waren es laut Thüringenforst 2016 noch 342.000 Festmeter, wurden im Winter 2020/21 lediglich knapp 221.000 Festmeter geschlagen. Auch in diesem Jahr rechnet Thüringenforst aufgrund der Trockenschäden vor allem in den Buchenbeständen mit einem Abwärtstrend.

Zwar seien im vergangenen Jahr mehr Niederschläge gefallen, aber die geschädigten Bäume hätten das Wasserangebot nicht nutzen können. Weil auch weniger Mineralien aufgenommen werden konnten, würden die Laubbäume nach den Trockenjahren regelrecht "verhungern", hieß es. Dauerregen und ein milder Winter erschweren die Laubholzernte in dieser Saison zusätzlich.

Eisiger Winter besser für Ernte

"Frust statt Frost" - so umschreibt Forstamtsleiter Ansgar Pape aus Marksuhl die derzeitige Situation. Der Wald brauche zwar den Regen - doch ein eisiger Winter mit gefrorenen Böden wäre besser für die Laubholzernte. Wo es geht, werden derzeit vor allem Buchen und Eichen geschlagen. Erst wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen haben, beginnt die sogenannte Hauung. Denn erst im kahlen Zustand können Gefahren wie schiefe Kronen oder trockene Äste gesehen werden. Außerdem wiegt das Laub einer einzigen Buche mehrere Tonnen. Im Winter ist ein Baum also auch leichter. Die Qualität des Holzes ist außerhalb der Saftperiode zudem besser. Beim Fällen splittert es nicht so schnell.

Der Wald zeigt sich in sattem Grün
Der Dauerregen verwandelt Wege in Schlammpisten, die das Rücken des Holzes auf die Forststraßen erschweren. Bildrechte: IMAGO / Rene Traut

Der Markt schreit nach Laubholz, doch der Wald gibt die Bäume nicht her. Wegen aufgeweichter Böden und matschiger Wege können die Stämme vielerorts nicht bis auf die Forststraßen, den Verkaufsort fürs Holz, gerückt werden. Die Schäden am Boden wären zu groß. "Der Boden ist unser wichtigstes Kapital", sagt Gerhard Struck, Forstamtsleiter Finsterbergen. Ziel sei es immer, die sogenannte Bodenverwundung so gering wie möglich zu halten und auf Seil- und Rückegassen zu beschränken.

Wo es möglich ist, werden laut Thüringenforst Seilkräne, Moorbänder oder Breitreifen eingesetzt. An besonders sensiblen Standorten wird mit Rückepferden gearbeitet. Dort, wo auf keine dieser Alternativen zurückgegriffen werden kann, werden Rückungen in den Frühsommer verschoben. Im Forstamt Finsterbergen wurde ein Eicheneinschlag bei Georgenthal in diesem Winter ganz abgesagt. Für die Forst-Unternehmen bedeutet das in der Regel keine finanziellen Einbußen. Sie werden im Nadelholzeinschlag eingesetzt.

Wege werden nach Ernte erneuert

Immer wieder bekommen die Thüringer Forstämter Post, oder Förster werden direkt auf die zerfahrenen Wege angesprochen. Sie verstehen, dass die Leute verärgert sind, bitten aber um Verständnis. Beschädigte Wege werden nach der abgeschlossenen Laubholzernte instandgesetzt. Forstamtsleiter Gerhard Struck bittet, die "Baustellen" erst zu beurteilen, wenn die Wege fertiggestellt sind. Jedes Forstamt hat laut Thüringenforst für den Wegebau ein Budget. Im Forstamt Finsterbergen sei das ein hoher vierstelliger Betrag.

Ein Mitarbeiter von ThüringenForst läuft mit zwei Hunden an einer Reihe Baumstämmen vorbei
Aufgrund des hohen Holzpreises drohen den Forstbesitzern in diesem Winter, trotz der schlechten Ernte, kaum finanzielle Verluste. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Trotz der schlechten Laubholzernte drohen den Forstbesitzern in diesem Winter kaum finanzielle Verluste, da der Holzpreis laut Thüringenforst derzeit hoch ist und viel vom Borkenkäfer befallenes Nadelholz geschlagen wird und wurde. Eine immer länger werdende Vegetationsperiode durch den Klimawandel sowie milde, regenreiche und schneeärmere Winter würden aber auch Thüringenforst zukünftig bei der Holzernte vor Herausforderungen stellen, hieß es.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Februar 2022 | 17:00 Uhr

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