Der Redakteur | 22.11.2022 Wo ist das angewärmte Bier von früher geblieben?

Detlef Enke aus Erfurt wandert gern. Bei seinen Ausflügen in der kalten Jahreszeit stellte er fest, dass es in den gastronomischen Einrichtungen kein angewärmtes Bier mehr gibt. Warum wird Bier - wie früher - nirgends mehr warmgestellt? Unser Redakteur Thomas Becker ist der Frage nachgegangen.

Tablett mit Bier
Bier wird am besten kalt serviert - oder doch nicht? Bildrechte: dpa

Das kühle Blonde löst in vielen Augen vor allem dann Freude aus, wenn es frisch gezapft ist und eben kühl. Doch es gibt auch Menschen, die vertragen kalte Getränke einfach nicht und hätten das Bier zwar gern auch frisch gezapft, aber doch etwas wärmer, ohne dass daraus gleich ein Heißgetränk wird.

Wohltemperiert statt eiskalt: Wer serviert angewärmtes Bier?

Das Anliegen scheint schon etwas älter, es gibt museale Bierwärmer, die bis zu 100 Jahre alt sind, später auch in Form eines Tauchsieders, die allerdings heute nicht mehr wirklich mit den hygienischen Bestimmungen in Einklang gebracht werden können. Denn der Tauchsieder, der quasi von Glas zu Glas gereicht wird, ist heute nicht wirklich denkbar.

Bier ist ein sensibles Lebensmittel, der Bierwärmer muss nach jeder Verwendung gereinigt werden.

Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer DEHOGA Thüringen

Deshalb sind eher fossile Geräte wohl kaum im Einsatz, wohl aber Bierwärmer in Stabform aus Edelstahl, die zum Beispiel mit heißem Wasser gefüllt und ins Glas gesteckt werden. Diese sind spülmaschinengeeignet, aber nicht billig. 15 Euro aufwärts pro Stück, die robusten Ausführungen für Gaststätten liegen eher im doppelten Bereich. Also für ganze Wandergruppen wird sich kaum ein Wirt ein Dutzend Bierwärmer hinlegen, zumal es auch Alternativen gibt.

Bierwärmer
Bierwärmer wie dieses historische Exponat aus der Sammlung des Industriemuseums Chemnitz gehörten früher zur Ausstattung jeder Kneipe. Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz/Marion Kaiser

Womit kann man das Bier erwärmen?

Die Mikrowelle bietet sich an zum Warmmachen, wobei hier vorherige Tests ratsam sind, denn es soll ja kein Hopfentee werden. Wer Stammgäste hat, wie Ulf Bechstein von der "Kulisse" in Arnstadt, der kennt seine Pappenheimer und ihre Vorlieben.

Ich stelle es in die Mikrowelle. Ich hatte auch schon jemanden, da war das Bier eineinhalb Minuten drin, da war das schon fast ein Tee. Aber er wollte es so und da mache ich es eben.

Ulf Bechstein, Wirt der "Kulisse" in Arnstadt

Offensichtlich wird dieser Service nicht in allen Gaststätten in Thüringen angeboten, unsere Wandergruppe hat jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass angewärmtes Bier in einigen Gaststätten grundsätzlich nicht serviert wird. Dabei ist der Service gar nicht so aufwändig. Mitunter täte es ja auch eine Flasche, die eben nicht im Kühlschrank stand oder - auch das gibt es - das Bierglas oder die Flasche wird eben in einen Behälter gestellt, in dem heißes Wasser ist.

Metallgegenstand neben Bierglas
Ein Hörer schickte uns ein Foto seines eigenen Bierwärmers. Bildrechte: Privat

Bei der Babyflasche ist das Wasserbad schließlich auch eine bewährte Methode oder ein heiß gespültes Glas. Und wenn nach dem kurzen Erwärmen in der Mikrowelle noch ein Häubchen Schaum ergänzt wird, sieht es sogar noch vernünftig aus beim Servieren, sagt Ulf Bechstein.

Steigt warmer Alkohol schneller zu Kopf?

Warmes Bier (unter 40 Grad!) - darauf schwören viele bei Erkältung, auch wenn sich die Gelehrten streiten. Es bleibt Alkohol, wenn der sich verzieht, dann erst bei Temperaturen um die 80 Grad. Dann sind aber auch die ätherischen Öle weg, denen eine positive Wirkung nachgesagt wird, deshalb sollten die 40 Grad nicht überschritten werden. Zusammen mit den Bitterstoffen aus Hopfen und Malz wirkt der Trunk beruhigend und schlaffördernd, so die Befürworter. Und Schlaf ist nicht die schlechteste Idee, wenn man angeschlagen ist.

Dass da nun aber auch Glühwein hilft, ist noch unwahrscheinlicher und der Alkohol darin ist auch nicht etwa "zerkocht". Bei um die 80 Grad fängt er an, zu verdunsten, doch das gelingt natürlich nur bei offenem Deckel und dauert auch Stunden. So "bearbeitet" niemand seinen Glühwein.

Dass warme Getränke schneller in den Kopf steigen, das ist durchaus plausibel, auch wenn die Unterschiede zu einem Kaltgetränk nicht gigantisch sind. Das liegt daran, dass Speisen und Getränke immer erst erwärmt werden im Magen, erst dann geht’s weiter in den Darm, wo auch der größte Teil des Alkohols ins Blut gelangt.

Alkohol, der bereits warm ist, muss im Magen nicht erwärmt werden und kommt tendenziell schneller in den Darm und geht deshalb etwas schneller ins Blut über. Aber der Effekt ist gering.

Julia Müller, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung Verbraucherzentrale Thüringen

MDR (ask,ls)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 22. November 2022 | 15:50 Uhr

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