Trockenheit Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen in Thüringen zunehmend eingeschränkt

Wegen der Trockenheit schränken immer mehr Regionen in Thüringen die Wasserentnahme aus Seen, Flüssen, Bächen ein. Teils seien die Pegel "dramatisch gesunken". Bei einer Zuwiderhandlung drohen bis zu 50.000 Euro Strafe.

Ein fast komplett ausgetrockneter See.
In Teilen von Thüringen gibt es in vielen Regionen eine anhaltende Trockenheit, so dass die Wasserentnahme teils stark eingeschränkt wurde (Symbolfoto). Bildrechte: IMAGO / Ulrich Wagner

Aufgrund anhaltender Trockenheit gilt im Altenburger Land seit dem 25. Juni ein Wasserentnahmeverbot. Die Pegel der stehenden und fließenden Gewässer sind "dramatisch gesunken", heißt es als Begründung vom Landratsamt. Demnach werden alle Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern, wie Seen oder Flüssen, untersagt, wie der Landkreis am 24. Juni mitteilte. Ein solches Verbot sei notwendig, um den Wasserhaushalt zu schützen und um sicherzustellen, dass in Folge der extremen Trockenzeiten Schäden des ökologischen und chemischen Gewässerzustands vermieden werden.

Im gesamten Landkreis Hildburghausen darf vorerst kein Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen entnommen werden. Wie das Landratsamt am 24. Juni mitteilte, hat die Untere Wasserbehörde eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. Sie gilt bis auf Weiteres und verbietet auch das Befahren von Fließgewässern. Nach Angaben des Landkreises hat der Wasserstand in den Gewässern durch die geringen Niederschläge stark abgenommen. Das Verbot soll die Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässern, die wegen der niedrigen Wasserstände ohnehin schon beeinträchtigt ist, vor größeren Schäden bewahren.

Aus Flüssen und Seen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt darf seit dem 27. Juni kein Wasser mehr gepumpt werden. Das teilte das Landratsamt am Montag mit. Grund ist die anhaltende Trockenheit. Die Pegel in den Gewässern seien dramatisch gesunken. Mit Kannen oder Eimern darf demnach aber vorerst noch Wasser geschöpft werden. Auch aus der Saale darf weiter Wasser entnommen werden, weil die Wassermenge dort durch die Saaletalsperre gesichert ist. Die Verordnung gilt bis Ende Oktober. Es werde aber regelmäßig geprüft, ob das Verbot wieder aufgehoben werden kann, so das Landratsamt. Verstöße gegen das Wasserentnahmeverbot können mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Entnahme von Wasser in immer mehr Regionen eingeschränkt 

Die Stadt Weimar hat ein zeitlich befristetes Verbot zur Entnahme von Wasser aus der Ilm und den Bächen im Stadtgebiet erlassen. Es gilt von Ende Juni bis Ende Oktober. Sowohl die Ilm als auch die anderen Gewässer in Weimar führen nach Angaben der Kommune bereits über lange Zeiträume nur noch Niedrigwasser. Die Verfügung wendet sich insbesondere an Kleingärtner, die für ihre Beete und Rasenflächen sonst Wasser aus Flüssen und Bächen pumpen. Städtische Mitarbeiter kontrollieren laut Stadt die Wasserentnahme. Es drohen bei einem Verstoß Bußgelder.

In Jena dürfen seit dem 17. Juni nicht einmal mehr Gießkannen mit Wasser aus den Flüssen und Bächen der Stadt gefüllt werden. Einzige Ausnahme: die Saale. Wer zum Bewässern seines Gartens eine Erlaubnis für eine Pumpe hatte, darf diese nicht mehr betreiben. Ausnahmen gibt es für das Tränken von Vieh und für die Feuerwehr.

Im Weimarer Land wurde bereits Anfang Juni die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern generell untersagt - auch das Abschöpfen mit Gefäßen oder das Pumpen mit einer Genehmigung. Einzige Ausnahme ist wiederum das Tränken von Vieh. Die Allgemeinverfügung ist auch hier bis zum 31. Oktober 2022 in Kraft. Wer gegen das Verbot verstößt, riskiert ein Bußgeld von 50.000 Euro.

Das gegenwärtige Niedrigwasser ist auch auf Grund der flächendeckenden trockenen bis außerordentlichen trockenen Böden als drastisch einzustufen.

Nico Stetter, Untere Wasserbehörde Weimarer Land

Auch im Kreis Sonneberg darf vorerst kein Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen entnommen werden. Wie das Landratsamt am Samstag mitteilte, hat die zuständige unteren Wasserbehörde eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen, die bis auf weiteres gilt. Das Verbot soll die Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässern, die aufgrund der niedrigen Wasserstände ohnehin schon beeinträchtigt ist, vor größeren Schäden bewahren.

Nicht alle halten sich dran

Trotz Trockenheit wird im Eichsfeldkreis offenbar trotzdem noch immer Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen abgepumpt. Das habe die Wasserbehörde beim Überprüfen der Gewässer festgestellt, teilte die Verwaltung mit. Erlaubt sei lediglich das Abschöpfen per Hand. Der Kreis warnt davor, aus den Bächen und stehenden Gewässern, Wasser ohne Genehmigung abzupumpen.

Denn das ist verboten und soll die Gewässer schützen. Das Umweltamt überprüft wegen der Trockenheit derzeit vermehrt die Gewässer.

Gera und Erfurt: Pumpverbot seit 2019

In Gera und Erfurt ist es bereits seit 2019 verboten, Wasser mit Pumpen aus Fließgewässern zu entnehmen. Das Abschöpfen mit Handgefäßen und das Tränken von Vieh ist erlaubt, zudem gilt das Pumpverbot in Gera nicht für die Weiße Elster. Auch im Saale-Orla-Kreis sowie im Ilm-Kreis gelten vergleichbare Regeln.

Weichere Vorgabe im Wartburgkreis

Im Wartburgkreis ergriff der Landkreis noch keine solche Maßnahme. Aus dem Landratsamt hieß es, in den Erlaubnissen für Wasserpumpen sei geregelt, dass die Entnahme bei zu niedrigem Wasserstand einzustellen ist. Wer ohne Erlaubnis Wasser entnimmt, riskiert auch hier Strafen von bis zu 50.000 Euro.

Tiere und Pflanzen sollen geschützt werden

Das Verbot soll die Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässern, die aufgrund der niedrigen Wasserstände ohnehin schon beeinträchtigt ist, vor größeren Schäden bewahren. Betreiber von Wasserkraftanlagen sowie Wassermühlen sind von der Regelung nicht betroffen, da es sich laut Mitteilung um Ableitungen und nicht um Entnahmen handelt.

MDR (dpa/red)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Juni 2022 | 17:00 Uhr

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