Hörer machen Programm Hindernisse für den Strom aus Wasserkraft

Durch Wasserkraft kann sauberer Strom erzeugt werden, doch in Deutschland sind die Möglichkeiten begrenzt, auch weil die gesetzlichen Hürden sehr hoch sind. MDR AKTUELL-Hörer Ulrich Kirmse aus Thüringen fragt, warum man dadurch einen Ausbau der Wasserkraft verhindere und wie es in Thüringen um die Wasserenergie stehe.

Fischtreppe und Mühlrad
Über eine Fischtreppe an einer Wassermühle können die Tiere sicher passiere. Bildrechte: imago images/Zoonar

Spätherbst, die Sonne scheint. Ruhig fließt das Wasser der Ilm auf die Mühle von Matthias Kanter zu – hier im kleinen Ort Obertrebra, wenige Kilometer von Apolda entfernt. Doch gemahlen wird in Kanters Mühle schon lange nichts mehr.

Trotzdem ist es hier drinnen, im Anbau des Gutshauses, nicht still. Vom Wasser der Ilm angetrieben, läuft hier eine Turbine, die seit Mitte der 1990er-Jahre Strom erzeugt. "Zurzeit läuft sie mit 25 bis 26 Kilowatt" erzählt Kanter: "Das ist in dieser Jahreszeit, Herbst, Winter, Frühjahr, das was dann immer so kommt; 600 bis 650 Kilowattstunden am Tag und damit kann man schon, je nach Tageszeit, ein paar Haushalte versorgen."

Hohe Kosten für Fischtreppen

Zwölf Cent bekommt Matthias Kanter für die Kilowattstunde. Wenn die Anlage also durchläuft, sind das um die 2.000 Euro im Monat. Doch das schwankt – bei Hochwasser etwa und wenig Wasser im Sommer. Außerdem musste Kanter ein paar Hundert Meter von der Mühle entfernt eine Fischtreppe bauen. Die kostete etwa 300.000 Euro. Zwei Drittel wurden zwar gefördert, doch den Eigenanteil bezahlt der Mühlenbesitzer nun als Kredit ab.

So macht Kanter kaum Gewinn, schützt aber mit dem sogenannten Fischaufstieg den Bestand, da die Fische so am Wehr vorbeikommen können. Das Wehr sei zum Aufstau des Wassers nötig, sagt Kanter, damit er Wasserkraft gewinnen könne. Er fügt hinzu: "Damit die Fische die Turbine gefahrlos passieren können, gibt es einen Fischabstieg. Gehäckselt werden die Fische nicht in meiner Turbine, weil die nicht durch das Gitter kommen, was ich ja auch verkleinern musste auf einen Zentimeter Stababstand", erklärt Kanter.

Fischbestand schützen vs. Energiewende

Mit diesen hohen Auflagen soll der bereits seit Jahrzehnten rückläufige Fischbestand mehr geschützt werden. Ist der Erhalt des Ökosystems Fluss also wichtiger als die schnelle Energiewende auch mithilfe der Wasserkraft? Am Ende ja, sagt der Landessprecher der Thüringer Grünen, Bernhard Stengele:

"Man muss dafür sorgen, dass die Ökologie erhalten bleibt. Also die Fließgeschwindigkeit der Gewässer muss sichergestellt werden, die Fische müssen geschützt werden." Da habe man vielleicht früher nicht so viel Wert drauf gelegt, sagte Stengele. Im ganz Kleinen, im Lokalen, könne man das auchg machen: "Aber für die Energiewende kann Wasserkraft in Thüringen und in der Bundesrepublik keinen nennenswerten Anteil leisten. In der Bundesrepublik maximal ein Prozent und in Thüringen liegt es auch etwa in dieser Größenordnung."

Die bereits laufenden Turbinen an den Flüssen Thüringens, zumindest wenn sie mit Fischtreppen den Bestand schützen, können also weiterhin betrieben werden. Nur weiter ausgebaut werden soll nicht.

Verband: Erholung der Fischbestände wichtig

Für Karsten Schmidt, der sich mit dem Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen seit Jahren um die Fischbestände kümmert und sorgt, ist das ein guter Kompromiss: "Wir haben die Gewässer derart verändert. Sie sind die Lebensadern in unserer Landschaft. Für alle Wirbellosen, auch für die Fische, ist es enorm wichtig, die in ihrer Funktion zu erhalten. Ich würde nicht sagen, da muss etwas weg. Aber wir wissen, dass viele Anlagen mit Auf- und Abstieg eine enorme Herausforderung haben und dass nicht alles funktionell ist." Sollte es aber, so Schmidt, damit sich die Fischbestände in Zukunft vielleicht etwas erholen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Dezember 2021 | 06:21 Uhr

Mehr aus Thüringen