Szene aus dem Stück "Amadeus" über Mozart, zu sehen sind ein Mann und eine Frau in den typischen Rokokko-Perücken 4 min
Das gackernde Lachen eilt Mozart immer voraus - eine Szene aus "Amadeus" am Staatstheater Meiningen Bildrechte: Christina Iberl
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Am Staatstheater Meiningen erzählt Salieri von seiner Bewunderung und vom Neid auf das Genie Mozart. Er macht sich dabei zum "Schirmherr aller Mittelmäßigen". Das Publikum nimmt auf der Bühne Platz. Von Marlene Drexler

MDR KULTUR - Das Radio Do 13.06.2024 17:10Uhr 04:03 min

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Staatstheater Meiningen "Amadeus" erzählt von der Missgunst eines Mittelmäßigen

14. Juni 2024, 04:00 Uhr

Das Staatstheater Meiningen bringt jetzt das Stück "Amadeus" auf die Bühne. Bis heute prägt der gleichnamige Film von Miloš Forman aus dem Jahr 1984 das Bild von Wolfgang Amadeus Mozart: Frech, albern und unkonventionell. Schon vor dem Film entstand das Theaterstück vom Drehbuch-Autor Peter Shaffer. Es erzählt, wie Mozart an den Wiener Hof kommt und dort auf den italienischen Hofkomponisten Antonio Salieri trifft. Eine Beziehung zwischen Verehrung, Rivalität und Hass beginnt.

Das Staatstheater Meiningen bringt "Amadeus" auf die Bühne, ein Theaterstück des britischen Dramatikers Peter Shaffer, der auch das Drehbuch für den gleichnamigen Film von Miloš Forman schrieb. "Amadeus" beginnt mit dem Eintreffen des Komponisten am Wiener Hof, auf Einladung des Kaisers. Mozart ist zu dieser Zeit schon ein Superstar.

Das Besondere an der Geschichte von "Amadeus" ist, dass sie in der Rückschau und aus der ganz persönlichen Sicht von Antonio Salieri erzählt wird. Salieri ist zu jener Zeit Hofkomponist in Wien. Das Aufeinandertreffen mit Mozart, wird für ihn lebensbestimmend: Selbst angesehener Komponist, erkennt er sofort, was für ein Genie er vor sich hat.

Salieri als "Schirmherr aller Mittelmäßigen"

Trotz der glühenden Verehrung, die der Italiener Salieri für Mozart verspürt, wird er von Neid aufgefressen – bald will er Mozart schaden, ihn zu Fall zu bringen. Als Zuschauer hegt man trotzdem auch Sympathien für Salieri, sagte Regisseurin Henriette Hörnigk MDR KULTUR. Weil er das Bedürfnis habe, diese Etappe seines Lebens zu reflektieren, da er sonst keinen Frieden findet.

Szene aus dem Stück "Amadeus" über Mozart, zu sehen ist ein Mann, der sich duckt, es ist der alte Salieri
In "Amadeus" am Staatstheater Meiningen treten zwei Salieris auf: ein junger und ein alter. Bildrechte: Christina Iberl

In der Meininger Produktion treten zwei Salieris auf: Der junge Salieri, der auf Mozart trifft, und der alte Salieri, der den Zuschauern in einer Rahmenhandlung mit sehr intimer, gleichzeitig humorvoller Sprechhaltung an seinen Erinnerungen teilhaben lässt. Er sei in dem Moment so etwas wie ein "Schirmherr aller Mittelmäßigen", so die Regisseurin. Übrigens überlebte Salieri Mozart um mehr als 30 Jahre.

Theaterabend über die Fragilität von Erfolg

"Amadeus" ist eine Mischung aus Realität und Fiktion. Alle Figuren, die auftreten, gab es in Wirklichkeit: Den österreichischen Kaiser Josef der II., der Mozart vergötterte; den Grafen Franz Orsini-Rosenberg, Direktor der Nationaloper, der Mozart gegenüber eher kritisch eingestellt war; bis hin zu Salieri selbst. Die Rivalität dagegen – die am Ende bis aufs Blut gehen wird – ist erfunden.

Szene aus dem Stück "Amadeus" über Mozart, zu sehen sind zwei Männer und eine Frau in den typischen Kostümen der Rokoko-Zeit
"Amadeus": Trotz der glühenden Verehrung, die Salieri für Mozart verspürt, wird er von Neid aufgefressen. Bildrechte: Christina Iberl

Laut Regisseurin Henriette Hörnigk, die bis voriges Jahr Chefdramaturgin am neuen Theater Halle war und dort auch viel inszeniert hat, erfährt man an dem Abend auch viel über die Fragilität des Erfolgs und ganz allgemein: die Unberechenbarkeiten des Lebens, die auch Mozart trafen. Weil er den Publikumsgeschmack nicht immer bediente, durchlitt er auch bittere Zeiten. Und Mozart habe dann keine Schüler gehabt, um wenigstens als Lehrer Geld zu verdienen.

Szene aus dem Stück "Amadeus" über Mozart, zu sehen ist ein Mann
In der Inszenierung "Amadeus" am Staatstheater Meiningen sitzt das Publikum auf der bühne im großen Haus, die Schauspieler bleiben im Zuschauerraum. Bildrechte: Christina Iberl

Experiment: Das Publikum sitzt auf der Bühne

Das Staatstheater Meiningen wagt in der Produktion nebenbei ein bisher einmaliges Experiment: Die Zuschauer sitzen direkt auf der Bühne im großen Haus, das Ensemble spielt dafür im Zuschauerraum. Der Blick liegt damit – durchaus passend zur Rokoko-Ausstattung – auf dem hübschen, in hellblau und gold verzierten, Meininger Zuschauersaal. Laut der Dramaturgin Katja Stoppa bekommt man so das Gefühl, mit ihm in seinem Lebenswerk Theater zu spielen – eine Faszination für das Publikum, für das Ensemble eine besondere Herausforderung.

Neben den pointieren, schnellen Dialogen – die für jeden Schauspieler, jede Schauspielerin "ein Fressen" sind, wie Regisseurin Hörnigk MDR KULTUR sagte, kommt das Publikum auch mit Mozarts Musik in Berührung. Ein hochbegabter Schauspieler singt und spielt Klavier, so kommt das Publikum in den Genuss von Opernzitaten.

Informationen zur Inszenierung

"Amadeus"
Inszenierung am Staatstheater Meiningen

Adresse:
Staatstheater Meiningen
Bernhardstraße 5
98617 Meiningen

Termine:

Premiere am 14. Juni 2024 (ausverkauft)
Weitere Vorstellungen am 18., 19., 21. und 22. Juni 2024

Quelle: MDR KULTUR (Marlene Drexler)
Redaktionelle Bearbeitung: jb

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juni 2024 | 17:10 Uhr

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