Automobilindustrie BMW Werk Eisenach feiert Jubiläum und Ausbau

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach und schließt zugleich nach drei Jahren die Erweiterung des Werks ab. 40 Millionen Euro wurden in den Ausbau investiert. Nach 30 Jahren hat sich das Werk Eisenach einen festen Stand in der BMW Group erarbeitet.

In der Wendezeit hatten viele in Eisenach gehofft, BMW werde sich seiner Wurzeln besinnen und das Automobilwerk übernehmen, in dem zu DDR-Zeiten der Wartburg vom Band lief. Denn tatsächlich haben die Bayerischen Motorenwerke ihre automobilen Wurzeln in Eisenach. Im Jahr 1928 kauften sie die Fahrzeugfabrik Eisenach und bauten hier die ersten Autos – bis zum Zweiten Weltkrieg.

Die Automobilproduktion übernahm 1990 Opel. Doch auch BMW engagierte sich am Traditionsstandort, wenn auch zunächst etwas kleiner. In einem Gewerbegebiet im benachbarten Krauthausen baute das Unternehmen ein Werk, das seither Presswerkzeuge und Karosserieteile in Kleinserien fertigt.

Stammbelegschaft verdoppelt

Zum 30-jährigen Bestehen dieses Werkes wird selbstbewusst an die Tradition erinnert: Sowohl am Eingang wie auch neben der Festbühne stehen frühe BMW aus Eisenacher Produktion. Sie wirken winzig neben den aktuellen Modellen. Vergleichsweise klein ist auch das Eisenacher Werk: Die Stammbelegschaft hat sich seit 1992 auf mittlerweile 300 verdoppelt, zusammen mit Auszubildenden und Leiharbeiten arbeiten dort derzeit rund 400 Menschen.

 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Der Tradition verpflichtet: Ein BMW aus Eisenacher Fabrikation vor dem Werk. 1928 hatten die Bayerischen Motorenwerke die Fahrzeugfabrik Eisenach aufgekauft und hier die Automobilproduktion gestartet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Aber für das Unternehmen ist das Werk wichtig: Es sei zum "Außenhaut-Kompetenzzentrum der BMW-Group" geworden, sagt Produktionsvorstand Milan Nedeljković: "Die Werkzeuge, die hier gebaut werden, bilden das Design unserer Produkte. Damit sind die Kompetenz und das technische Knowhow hier am Standort von ausschlaggebender Bedeutung für unser Unternehmen."

Was das praktisch heißt, erfahren die Gäste beim Rundgang durch die großen Hallen. Die in Eisenach konstruierten und gebauten Werkzeuge sind groß und schwer, wiegen mehr als 45 Tonnen und bestehen jeweils aus Ober- und Unterteil.

Jubiläum "BMW setzt auf Eisenach"

 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Festgäste in der Werkhalle - im Vordergrund die Kühlerhaube eines Rolls-Royce. Einige Karosserieteile für die Nobelmarke werden in Kleinserien in Eisenach gefertigt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Festgäste in der Werkhalle - im Vordergrund die Kühlerhaube eines Rolls-Royce. Einige Karosserieteile für die Nobelmarke werden in Kleinserien in Eisenach gefertigt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Ein Rolls-Royce Ghost war bei der Jubiläumsfeier dicht umlagert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Das Thüringer Werk stellt aber auch selbst anspruchsvolle Karosserieteile in Kleinserien her wie beispielsweise Teile für Rolls-Royce oder für BMW-Motorräder. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Fachsimpeln unter den Autobauern - auch dafür blieb Zeit zum Jubiläum. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Werkleiter Robert Frittrang (rechts) erklärt Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, wie die Großwerkzeuge gebaut werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Jedes Werkzeug besteht aus Ober- und Unterteil und wiegt mehr als 45 Tonnen. Eisenach liefert sie an Presswerke weltweit, wo Karosserieteile für BMW, Mini oder Rolls Royce hergestellt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Viele Schritte sind notwendig, bis ein Blech in Form gebracht ist - die Abfolge erklärt Werkleiter Robert Frittrang dem Wirtschaftsminister. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Großwerkzeuge für schlanke Karosserieteile - hier ist zu sehen, wie das zusammenpasst. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Zur Feier des 30-jährigen Bestehens waren zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei. Die Stammbelegschaft hat sich seit 1992 auf 300 verdoppelt. Mit Auszubildenden und Leiharbeitern arbeiten derzeit rund 400 Menschen in dem Werk. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Der Tradition verpflichtet: Ein BMW aus Eisenacher Fabrikation vor dem Werk. 1928 hatten die Bayerischen Motorenwerke die Fahrzeugfabrik Eisenach aufgekauft und hier die Automobilproduktion gestartet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Mai 2022 | 18:00 Uhr

Sie werden weltweit in Pressen eingebaut, um damit aus Blechen Dächer, Kotflügel und Motorhauben zu formen. Für einen Kotflügel, erklärt Werkleiter Robert Frittrang, durchläuft das Blech fünf verschiedene Werkzeuge. Und nach jedem Modellwechsel braucht es neue.

Teile für Rolls-Royce

140 solcher großen Presswerkzeuge stellt das Werk Eisenach jedes Jahr her. Daraus entstehen Karosserieteile für fast alle Modelle der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce, auch für BMW-Motorräder. Außerdem pressen die Mitarbeiter in Eisenach selbst Blechteile für besondere Klein- und Kleinstserien.

So gehen derzeit jedes Jahr rund 6.500 Teile pro Jahr an Rolls-Royce, es werden rund 100.000 Tankbauteile für Motorräder und über 120.000 Seitenwände und Motorhauben für BMW-Automobile gefertigt.

 Eine große Feier für Beschäftigte und Ehrengäste: BMW begeht das 30-jährige Bestehen des Werks Eisenach
Das Thüringer Werk stellt auch anspruchsvolle Karosserieteile in Kleinserien her wie beispielsweise Teile für Rolls-Royce oder für BMW-Motorräder. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Grundstück ausgereizt

Größer werden kann das Werk jetzt nicht mehr. Der letzte Ausbauschritt seit 2019 hat die Fläche um ein Drittel erweitert, damit ist das Grundstück im Gewerbegebiet ausgereizt. Vergrößert haben sich alle Bereiche, sagt Werkleiter Frittrang, von den Parkplätzen über Büros und Konstruktion bis hin zu Logistik, Werkshallen und Produktionsbereichen. Rund 40 Millionen Euro flossen in Gebäude und Anlagen.

Technologisch ist laut Frittrang alles auf dem neusten Stand: "Ich würde sogar behaupten, der Werkzeugbau hier ist weltweit jetzt einer der führenden Werkzeugbauten hinsichtlich Technologisierung und Einsatz der Maschinen, die wir hier haben."

Insgesamt hat BMW nach eigenen Angaben seit 1992 mehr als 200 Millionen Euro in den Thüringer Standort investiert. Jetzt solle das Werk weiter "schlank, grün und digital" vorangetrieben werden, sagt Frittrang, der erst seit März die Eisenacher Fabrik leitet. Die Auftragsbücher seien langfristig gut gefüllt. Die Außenhaut von Fahrzeugen ist unabhängig vom Antrieb. Auch Elektroautos brauchen Kotflügel und Dächer.

"BMW setzt auf Eisenach"

Die Automobilbranche ist vom Umsatz her die drittstärkste im Land, unterstrich der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bei der Feier. Deswegen sei es so wichtig, dass sich das BMW-Werk seit 1992 kontinuierlich weiterentwickelt habe: "Wenn wir jetzt hier über 400 Beschäftigte haben, wenn wir heute eine Werkserweiterung feiern, dann ist deutlich: das ist nicht nur Status quo, sondern BMW setzt auf Eisenach, auf Krauthausen. Und das hat etwas damit zu tun, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter offensichtlich eine sehr gute Arbeit leisten. Darauf sind wir stolz."

Die Werkzeuge, die hier gebaut werden, bilden das Design unserer Produkte. Damit sind die Kompetenz und das technische Knowhow hier am Standort von ausschlaggebender Bedeutung für unser Unternehmen.

Milan Nedeljković BMW-Produktionsvorstand

Die Stammbelegschaft soll sich noch etwas vergrößern. Bis 2024 plant das Unternehmen 40 neue Arbeitsplätze. Das liegt nicht nur am Ausbau, sondern auch daran, dass BMW im Werk Eisenach schrittweise bis 2026 die 35-Stunden-Woche einführt. Nach harten und fairen Verhandlungen, wie es von Betriebsrat und IG Metall hieß. Als letztes Werk im Unternehmen, aber immerhin als eines der ersten in Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Mai 2022 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

camper21 vor 6 Wochen

400 Mitarbeiter am Gründunggsstandort der BMW Automobilproduktion in Eisenach. Und 17.000 Mitarbeiter im1967 übernommenen BMW Standort in Dingolfing. Zwar nur ein kleiner Unterschied, aber wer ist daran schuld? Die Russen.

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