Zurück in der "Oase des Glücks" Nach der Corona-Zwangspause: Friseure wieder geöffnet

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Sechs Wochen waren die Friseurgeschäfte in Thüringen geschlossen. Heute durften sie wieder öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. Das reicht vom Mundschutz über ständige Desinfektion bis zum Abstandhalten. Das schreckt aber keinen ab: schon am Morgen standen in Eisenach die Kunden vor den Barber-Läden Schlange - und auch bei den Friseuren sind die Bestellbücher gut gefüllt.

Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Die Bestellbücher der Friseure sind voll, die Hygieneregeln streng. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die ersten drei Kunden warten schon vor der geschlossenen Ladentür auf dem Karlsplatz, voller Vorfreude auf den Besuch in der "Oase des Glücks", wie eine von ihnen sagt. Wie lang vermisste Familienmitglieder werden sie im Geschäft begrüßt. "Mal sehen, ob ich das noch kann", sagt der Chef, Manuel Thomas etwas kokett und stellt schnell fest: "Oh, da ist ja ein Berg gewachsen." In den Laden kommen alle nur mit Mund-Nase-Schutz, dann müssen sie sich die Hände desinfizieren und Kontaktdaten abgeben. Auch Manuel Thomas und seine drei Mitarbeiterinnen tragen Masken. In den vergangenen zwei Wochen seien die Terminanfragen per E-Mail, Anruf und auf allen Kanälen im Internet "explodiert", erzählt Thomas. "Man freut sich auf uns."

Nur noch mit Basecap ins Freie

Jo West ist einer der ersten drei. Er hat heute seinen 47. Geburtstag - seine Freundin hat ihm für diesen Tag einen Friseurtermin besorgt. Der Vorsitzende des Eisenacher Gewerbevereins hatte Glück, wie er sagt: jemand anders hatte den frühestmöglichen Friseur-Termin am Montagmorgen abgesagt, er konnte ihn übernehmen.

Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Jo West war zu seinem Geburtstag am Montag fast der erste Kunde. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Es wurde wirklich Zeit, sagt West. Seit Wochen trage er draußen nur noch Basecap, um den Notstand zu verdecken. Bei seinen kurzen Haaren falle die Zeit "ohne" doch viel mehr auf als bei längeren Haaren. So ganz ohne war er allerdings nicht: seine Freundin "war dran". Sie hatte nach einer Anleitung aus dem Internet den gemeinsamen Kindern die Haare geschnitten und sich dann bei ihm versucht. "Als sie oh-oh sagte, da war dann Schluss", erzählt Jo West.

Nun entspannt er, als Melanie Lauer ihm die Haare wäscht - "mit Massage bitte". Die Friseurin mit den roten Locken freut sich, dass sie wieder arbeiten darf, "um ihre Kunden glücklich zu machen". Ihr Beruf, sagt sie, sei ihre "große Leidenschaft". Die Kunden würden mit der Zeit zu guten Bekannten, sie sei froh, sie wiederzusehen. Dann bekommt Jo West wieder kurze Haare - drei bis vier Millimeter an den Seiten, oben maximal zwei Zentimeter. Im Nacken habe die Freundin das zuhause ganz gut hinbekommen, meint Melanie Lauer. Aber der Übergang… das erledigt sie jetzt. Zum Schluss noch die Haare mit etwas Gel in Form gebracht. Das Basecap hat ausgedient.

Friseure: Kunden genießen mehr als nur den Haarschnitt

Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Bereits im Eingangsbereich wird die Ausnahmesituation deutlich. Ein Schild informiert über die Corona-Auflagen im Salon. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Bereits im Eingangsbereich wird die Ausnahmesituation deutlich. Ein Schild informiert über die Corona-Auflagen im Salon. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Für die gründliche Reinigung der Sessel ist die Auszubildende Viviane zuständig. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Nach jedem Gast werden die Plätze desinfiziert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Kein Haar darf ohne eine vorherige Wäsche eine Schere sehen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Melanie Lauer verpasst Jo West den langersehnten Haarschnitt. Seine Frau war der Aufgabe nicht gewachsen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Die Arbeitsplätze im Salon stehen ausreichend weit auseinander. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Kissen in einem Sessel
Frisiert wird termingenau. In diesem Sessel im Wartbereich dürfen momentan keine Kunden Platz nehmen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Inhaber Manuel Thomas vor seinem Salon in Eisenach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Er kümmert sich um die überglückliche Andrea Hoffmann. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Um mögliche Kontakte und Infektionsketten verfolgen zu können, muss jeder Kunde seine Daten hinterlegen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Mai 2020 | 13:00 Uhr

Das Bedürfnis, etwas für sich zu tun

Andrea Hoffmann hat ihren Termin sehr früh online gebucht. Dafür hat sie heute eigens Urlaub genommen von ihrer Arbeit beim Kundendienst einer großen Heizungs- und Lüftungsfirma in Eisenach. "Ich freue mich so", sagt sie und ihre Augen strahlen über der Maske. Die Farbe sei inzwischen rausgewaschen, sie habe sich einfach nicht mehr wohlgefühlt. Weil das Haar sehr dick ist, habe sie manchmal ausgesehen "wie ein Wischmopp". "Jeder hat doch gerade jetzt das Bedürfnis, etwas für sich zu tun", sagt sie. Vermisst hat sie auch ihren Friseur Manu und die "lockere Stimmung" im Laden. Fühlt sie sich sicher? "Ja", sagt Andrea Hoffmann, "weil die Auflagen so streng sind."

Mehr Aufwand

Nach jedem Kunden wird desinfiziert: Azubi Viviane Kajuth greift sich den Eimer mit Desinfektionsmittel und wäscht die Sessel ab, das Waschbecken und die Ablagen. Alle müssen ihr Handwerkszeug von der Schere bis zum Rasierer immer wieder reinigen.

Porträts von den beiden Kunden vorher und nachher. Porträt Inhaber. Fotos von den Kunden in Arbeit (Melanie Lauer mit Jo West und Manuel Thomas mit Andrea Hoffmann). Die Azubi Viviane putzt Sessel und spült Andrea Hoffmann die Farbe raus. Details aus dem Laden
Andrea Hoffmann hat ihren Termin schon lange gebucht. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Selbst die Kugelschreiber, mit denen die Kunden ihre Daten eintragen, werden einzeln desinfiziert. Der Abstand der einzelnen Arbeitsplätze reicht aus, sagt Manuel Thomas, "zum Glück gleich richtig geplant". Am trockenen Haar darf nicht mehr gearbeitet werden, selbst für den Schnitt eines Ponys muss zunächst gewaschen werden. Gesichtsbehandlungen wie Augenbrauen schneiden sind untersagt. Auch darf ein Friseur Kunden immer nur nacheinander und nicht parallel bedienen, muss also warten, während beispielsweise die Farbe eine halbe Stunde lang einzieht. Durch diesen deutlich höheren Aufwand kostet ein Friseurbesuch jetzt auch etwas mehr. Und der übliche Service darf auch nicht sein: keine Zeitschriften, keine Getränke.

Handschuhe sind knapp

Als er vor sechs Wochen schließen musste, sagt Manuel Thomas, da war er eigentlich noch optimistisch. Zwischendurch dann, als alle in Kurzarbeit waren und er auf die Soforthilfe wartete, ging die Stimmung in den Keller. Das war’s, habe er gedacht. Der Optimismus kam zurück, als es den Öffnungstermin gab. Dann aber folgten die Auflagen und neue Bedenken. Alle werden sich daran gewöhnen, hofft Thomas. Auf das Arbeiten mit dem Mundschutz, der sehr schnell sehr warm und feucht wird. "Ich weiß nicht, wie die Leute das im Krankenhaus den ganzen Tag aushalten." Masken besorgen und Desinfektionsmittel - besonders schwierig sehe es mit Handschuhen aus, sagt Manuel Thomas. Er durchforste jeden Tag das Internet aufs Neue. Die normalen Händler lieferten nur noch an Ärzte.

Friseur muss zum Friseur

Manuel Thomas hätte übrigens selbst gern einen Friseurtermin, um seine Blondierung aufzufrischen. Aber er müsse wohl noch etwas zurückstehen hinter den Kunden, meint er. Nach fast zwei Stunden hat er Andrea Hoffmanns Haare gefärbt und wieder in Form geschnitten. "Ich glaube, da ist bei jemandem die Welt wieder in Ordnung", stellt er zufrieden fest und bekommt zurück: "Ich bin total glücklich."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Mai 2020 | 13:00 Uhr

5 Kommentare

Critica vor 48 Wochen

Ach Copper, Sie sind gut. Hilflos sind die Menschen bestimmt nicht, und Männer können sich selbst helfen mit einem "Kopfrasenmäher". Aber Frauen? Pony schneiden geht ja, aber der Hinterkopf, da muss schon jemand anderes ran.
Und im Übrigen: in zwei Wochen lachen wir uns tot über die derzeitige Vermummung beim Frisör. Hand drauf...

wwdd vor 48 Wochen

Man mußte wie früher nur jemanden kennen, dann hat es mit dem Friseuer auch jetzt geklappt. Glaubt wirklichlich jemand, dass das der Staat mit Untersagung regeln kann? Dann eben ohne ihn.

Copper vor 48 Wochen

Ich finde es ein wenig erschütternd das die Bedürfnisse der Bürger während er Corona Krise sich auf Klopapier und Haare schneiden beschränken. Ich will den Friseuren keinesfalls ihre Arbeit absprechen aber sind manche Menschen echt so hilflos ?

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