Jagdschloss Hohe Sonne Fördermittel für Hotelneubau in Eisenach

Seit drei Jahren hat das einstige Jagdschloss "Hohe Sonne“ südlich von Eisenach einen neuen Eigentümer. Der bekam jetzt im zweiten Anlauf Fördermittel vom Land bewilligt für den Neubau eines Hotels mit Gastronomie neben dem historischen Gebäude. Für das seit Jahrzehnten leerstehende Schloss gibt es derzeit noch keine Perspektive.

Ein Auto steht in einer Einfahrt vor einem verfallenen Gebäude
Auf dieser Fläche neben dem Schloss soll für sehs Millionen Euro ein Hotel mit Gastronomie gebaut werden. Der Spatenstich ist für den Herbst geplant. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

An der Hohen Sonne südlich von Eisenach kreuzt die B19 den Rennsteig. Hier stehen zu fast jeder Jahreszeit Autos auf dem Wanderparkplatz, es gibt einen Imbiss mit Biergarten, die Aussicht reicht bis zur Wartburg. Mit Metallgittern abgesperrt ist das Gelände des mehrfach umgebauten einstigen Jagdschlosses "Hohe Sonne". Seit 1985 steht das zierliche Gebäude im barocken Stil leer, zuletzt befand sich darin eine vielbesuchte HO-Gaststätte. Wanderer bleiben stehen und machen durch die Gitter Fotos von der verfallenden Pracht.

Ein Bauzaun vor einem alten Gebäude
Wanderer werden an der Hohen Sonne von einem Imbiss mit Biergarten verpflegt. Die HO-Gaststätte im Schloss ist bereits seit 1985 geschlossen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Turm abgenommen

Vor drei Jahren hatte Firma "rebo consult" von Dirk Bodes die Immobilie erworben, ein Unternehmen aus dem Wartburgkreis. Im Jahr 2020 wurden seitliche Nebengebäude abgerissen, das markante Türmchen vom Schloss abgebaut und eingelagert, um es zu sichern. Danach aber war von außen kein Fortschritt mehr zu sehen. Es hing am Geld: Im zweiten Anlauf hat Bodes im Juli Fördermittel von der Thüringer Aufbaubank bewilligt bekommen. Voraussichtlich im Oktober soll es den Spatenstich geben für den ersten Bauabschnitt, eine Investition von rund sechs Millionen Euro.

27 Zimmer und Freibad

Dafür wird neben dem Schlösschen ein Hotel mit 27 Zimmern sowie eine Gaststätte mit Biergarten errichtet. Der Neubau soll die Form des früheren Marstalls aufgreifen. Gegenüber den ersten Plänen hat sich die Zahl der Zimmer erhöht – der Wirtschaftlichkeit wegen, sagt Bodes.

Geplant sind ein Seminarraum und ein kleines Freibad, um über Wanderer hinaus zusätzliche Gästegruppen anzusprechen. Der Pool soll gleichzeitig als Feuerlöschteich dienen. In der Gaststätte sind 120 Sitzplätze geplant, dazu fasst der Biergarten – mit Selbstbedienung - weitere 150 bis 250 Gäste. Bis Mitte 2024 soll das Gebäude fertiggestellt sein.

Guter touristischer Standort

Sorgen wegen der steigenden Baupreise und der Fachkräfteprobleme in der Gastronomie macht sich Dirk Bodes nicht. Die sechs Millionen werden reichen, ist sich der Ingenieur sicher. Als Chef eines Planungsbüros kenne er sich am Bau aus. Und: "Wir sind Unternehmer. Wenn wir keinen Mut mehr haben, dann bricht ja alles zusammen."

Ein Mann steht vor einem alten Schloss
Unternehmer Dirk Bodes hat vor drei Jahren das Schlossgelände gekauft und bekommt jetzt Fördermittel vom Land. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Außerdem ist er vom Standort überzeugt, verweist darauf, dass an der Hohen Sonne jeden Tag etwas los ist. "Wenn wir das Angebot gut darstellen, wird es auch gut angenommen werden."

Problem Wasserversorgung

Der erste Schritt scheint jetzt dank der Fördermittelzusage gesichert. Die weiteren aber sind offen. Ursprünglich hatte Bodes als zweites die Sanierung des maroden Schlösschens und anschließend den Anbau eines Bettenhauses geplant. Dafür aber kann er derzeit weder einen Zeitplan vorlegen noch mögliche Kosten nennen. Das liegt an einem Versorgungsproblem: Es fehlt an der "Hohen Sonne"an Wasser.

Wasser von der Wartburg-Leitung

"Solange wir keine Wasserversorgung haben, können wir das Schloss nicht anpacken, das macht keinen Sinn." Ohne ausreichend Wasser bekomme er auch keine Baugenehmigung für einen Hotelbetrieb im Schloss, sagt Bodes. Für den ersten Bauabschnitt, den Neubau, sei das zwar gesichert: es wird eine Wasseraufbereitung gebaut, eine bestimmte Menge Wasser darf täglich von der Wartburg-Wasserleitung abgezweigt werden. Das aber reicht nicht für die weiteren Schritte.

Schwamm in der Holzkonstruktion

"Wir brauchen eine ordentliche Wasserversorgung von Eisenach hier hoch", sagt der Investor. Das aber sei ein "Riesenaufwand", die Kosten vermutlich siebenstellig. Diesen Aufwand wird das Unternehmen nicht allein stemmen können. Gleichzeitig wächst die Dringlichkeit, das historische Gebäude zu erhalten – wenn es nicht schon zu spät ist.

Ein verfallenes Gebäude
Weiter im Dornröschenschlaf: für die Rettung des maroden Jagdschlosses "Hohe Sonne" gibt es noch keinen Zeitplan. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

In den vergangenen zwei Jahren habe sich der Zustand des Schlösschens weiter verschlechtert, sagt Dirk Bodes. Das Gebäude ist nicht massiv gebaut, sondern wurde in Holzrahmenbauweise errichtet. In der Holzkonstruktion breitet sich der Schwamm aus, es sind bereits Decken durchgebrochen. Man hätte das Gebäude schon vor zwanzig Jahren sichern müssen, sagt Bodes, und das klingt schon etwas resigniert.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Juli 2022 | 10:00 Uhr

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