Festgottesdienst Jubiläumsfeier zu 100 Jahren evangelische Landeskirche in Thüringen

Die evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland (EKM) feiert am Sonntag in Eisenach das Jubiläum "100 Jahre evangelische Landeskirche in Thüringen". Wegen der Corona-Pandemie gab es in der Eisenacher Georgenkirche nur einen kleinen Gottesdienst mit Landesbischof Friedrich Kramer.

Außenansicht der Georgenkirche Eisenach
Die Georgenkirche in Eisenach. Hier hatte schon Martin Luther gepredigt und sie war lange Zeit Bischofskirche in Thüringen. Bildrechte: MDR/Tom Schulze

Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntag in Eisenach an die Gründung der evangelischen Landeskirche in Thüringen vor 100 Jahren erinnert worden. Angesichts der NS-Geschichte auch in der Landeskirche müsse immer wieder betont werden, wie eng die Verbindungen von Christentum und Judentum seien, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, in seiner Predigt in der Georgenkirche.

Umstrittene Geschichte weiter erforschen

Auch Altbischof Christoph Kähler betonte, die umstrittene Geschichte der Landeskirche müsse weiter erforscht werden. Es müsse kritisch auf die wechselvolle Geschichte geblickt werden, unter anderem auf die Rolle der Landeskirche in der Nazi-Zeit oder in der ehemaligen DDR. Unter dem Motto "Kirchen saniert - Zahl der Christen halbiert" gab es im Blick auf die Zukunft und die sinkenden Mitgliedszahlen auch eine kleine Podiumsdiskussion.

Einschränkungen durch Corona

Wegen der geltenden Corona-Einschränkungen fielen die Feierlichkeiten zum Kirchenjubiläum in der Wartburgstadt deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant. Weil pandemiebedingt nur wenige Besucher in die Georgenkirche konnten, wurde der Gottesdienst zusätzlich live in die Eisenacher Nikolaikirche übertragen.

Wechselvolle Geschichte

Nach der Aufhebung der Monarchie im Jahr 1918 beschlossen am 15. November führende Kirchenmänner der ehemaligen Herzogs- und Fürstentümer eine einheitliche Organisation des Kirchenwesens.

Der Altarraum der Georgenkirche Eisenach vom von der Orgelempore gesehen.
Der Altarraum der Georgenkirche Eisenach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Am 5. Dezember 1919 tagte die erste Synode und beschloss den Zusammenschluss von sieben eigenständigen Landeskirchen zur einheitlichen "Thüringer Evangelische Kirche". Dies geschah noch vor der Gründung des Landes Thüringen im Jahr 1920.

Am 13. Februar 1920 wurde die Kirche formell errichtet, das Landeskirchenamt kam nach Eisenach, und 1924 erhielt die neue Kirche eine Verfassung. 1934 schloss sich die Evangelisch-Lutherische Kirche des ehemaligen Fürstentums Reuß ältere Linie an, womit die Landeskirche ihren endgültigen Umfang erreichte. 1948 erhielt die Landeskirche eine neue Verfassung. Danach nannte sie sich "Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen". Die Kirche trat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei und war Gründungsmitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Fusion zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschland

Seit dem 1. Juli 2004 bildeten die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen die Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM), zum 1. Januar 2009 erfolgte die Kirchenfusion.

Die EKM hat heute etwa 700.000 Mitglieder in mehr als 3.000 Kirchengemeinden und 37 Kirchenkreisen. Geleitet wird sie von der Landessynode mit 80 Mitgliedern und vom 22-köpfigen Landeskirchenrat, vom Landesbischof mit Sitz in Magdeburg sowie dem Kollegium des Landeskirchenamtes in Erfurt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. November 2020 | 14:00 Uhr

4 Kommentare

martin vor 31 Wochen

@part: Sie meinen Art. 138 der Weimarer Verfassung? Danach wären nicht die Länder seit rund 100 Jahren zunächst einmal am Zug, sondern der Bund, denn "das Reich" muss zunächst einmal die Berechnungsgrundlage (in neudeutsch vielleicht die "Ablösesumme"?) verhandeln / festlegen.

Bei diesen Geldern geht es auch weder um das nicht existente 11. Gebot noch um Kirchensteuern der einzelnen Gläubigen, auch nicht - wie Sie treffend anmerken - um die Vergütungen von Tätigkeiten, sondern um die Ablösung des "landesherrlichen Kirchenregiments". Ein schwieriges Thema nach Aufdifferenzierung von Staat und Kirche bei gleichzeitigem Ende der Monarchie, aber ich halte es für inakzeptabel, dass ein Verfassungsauftrag nach über 100 Jahren noch nicht erledigt ist ...

part vor 31 Wochen

Im Parlament der Weimarer Republik wurde einst beschlossen, das die Staatskirchen in Deutschland keine Staatsgelder mehr bekommen sollten. Geschehen sollte dies über die Regierungen der einzelnen Länder die den Beschluß umzusetzten hätten. Bis heute wurde der Beschluß nicht umgesetzt, nicht mal in Thüringen, denn das 11. Gebot lautet, du sollst Deinen Glauben selbst bezahlen und nicht dem Staat überlassen. Dabei sind aber nicht die Gelder mit einberechnet, die kirchliche Organisationen in subsidäre Arbeit vergütet bekommen, denn hier erfolgt eine Sozialdienstleistung oder Ähnliches, die einen Vergütungsanspruch beinhaltet, nur um den üblichen Mißverständnissen vorzubeugen.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 31 Wochen

....und wie nun weiter in unserer EKD ?

Dieser Frage u.v.a.m. widmet sich die heute - erstmals nur digital -
mit einem Gottesdienst beginnende Synode der Evangelischen
Kirche in Deutschland.

https://www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste

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