Klimaschutz Wie Eisenach mit Hilfe der Bürgerschaft klimaneutral werden will

Annika Grunert
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Stadt Eisenach will sich aktiver für den Klimaschutz und gegen den Klimawandel einsetzen. Das Thema ist mittlerweile nicht nur ein fester Bestandteil des Stadtentwicklungskonzepts, sondern Eisenach nimmt an weiteren Projekten teil. Dazu gehört zum einen das Projekt "Global Nachhaltige Kommune" (GNK) und zum anderen die Erarbeitung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes. Ideen der Einwohner sind gefragt.

Ein Mann steht in einem Saal, eine Grafik ist an die Wand projiziert und Menschen sitzen da und hören zu.
Die Besucher der Infoveranstaltung steuerten schon die ersten Ideen bei. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Beim Klimaschutzkonzept setzt Eisenach auch auf Bürgerbeteiligung - deshalb hat die Stadt am Donnerstagabend in die Aula der Wartburgschule eingeladen. Dabei ging es darum, Ideen zu sammeln und den aktuellen Stand vorzustellen. So wurde auch die Energie- und Treibhausgasbilanz für Eisenach präsentiert. "Das bundesweite Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein, ist machbar, aber es erlaubt dann keine Kompromisse mehr", sagte Andreas Steege vom Ingenieur- und Beratungsbüro Target, das die Bilanz erstellt hat. In Eisenach laufe manches schon gut, aber es gebe auch hier noch Handlungsbedarf und dafür "müssen alle zusammenarbeiten".

Mehr Solarenergie für Eisenach

In Sachen Endenergieverbrauch pro Kopf liegt Eisenach sowohl unter dem Bundesdurchschnitt als auch unter dem von Thüringen. Die Treibhausgas-Emissionen pro Kopf sind zwar auch noch unter dem Bundesdurschnitt, aber leicht über dem Durchschnitt des Freistaats. Im Vergleich zu anderen Kommunen ist Eisenach im Stromsektor schon gut dabei: 20 Prozent des Stroms werden aus erneuerbaren Quellen gewonnen: der Großteil aus Windkraft (70 Prozent), Fotovoltaik macht 9 Prozent aus. Bis 2025 soll das weiter ausgebaut werden, und zwar auf 50 Prozent. Bis 2040 strebt die Stadt 100 Prozent an.

Das bundesweite Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein, ist machbar, aber es erlaubt dann keine Kompromisse mehr.

Andreas Steege Ingenieur- und Beratungsbüro Target

Um diese Ziele zu erreichen, setzt Eisenach auch vermehrt auf Fotovoltaikanlagen. Ein paar kommunale Gebäude wurden bereits ausgestattet und weitere Schulen, Kindertagesstätten und andere städtische Gebäude sollen folgen. Bis 2025 sollen 15 Prozent des Brutto-Stromverbrauchs aus Solarenergie gedeckt werden. Ein Vorschlag kam von einem interessierten Eisenacher: "Ich war kürzlich im baden-württembergischen Waiblingen. Die Stadt ist etwa so groß wie Eisenach und hat eine Solarpflicht für Neubauten eingeführt. Eine Solarpflicht für Sanierungen soll bald folgen", sagte Michael Schenk.

Mittelalter Mann mit Brille und kurzen dunklen Haaren lächelt, trägt ein hellblaues, offenes Hemd und ein graues Sakko und steht in einem Park.
Bildrechte: Katharina Werneburg / Uni Leipzig

Eisenach plant für den Klimaschutz noch weitere Maßnahmen, die sich teils sowohl im Stadtentwicklungskonzept als auch im GNK und später im Klimaschutzkonzept wiederfinden. Mit Fördermöglichkeiten soll die Beleuchtung im öffentlichen Raum komplett auf LED-Lampen umgestellt werden. Außerdem will die Stadt noch grüner werden: mehr Grünstreifen, Blühwiesen und klimaförderliche Pflanzen für öffentliche Plätze, Straßen und Gebäude. "Der Baumbestand soll erhalten bleiben, sofern es deren Zustand erlaubt", sagte Eisenachs Klimaschutzbeauftragte Anne Häring. Für den Kommunalwald hat der Stadtrat bereits eine Aufforstung beschlossen: Bis 2030 sollen mindestens 1.000 neue Bäume gepflanzt werden.

Sorgenkind Verkehr

In der Wartburgschule ging es aber auch um die Probleme: allen voran Wärme und Mobilität. "Der Verkehr und das Gebäudemanagement gehören zu den Sorgenkindern. Energetische Sanierung ist wichtig, aber die Förderungen gestalten sich noch schwierig. Da ist natürlich auch der Bund gefragt", sagte Andreas Steege vom Ingenierubüro Target. Aber die Stadt Eisenach könne auch etwas tun. "Für die Eisenacher Haushalte stehen beispielsweise irgendwann Kessel-Erneuerungen an und da wäre es sinnvoll, wenn die Stadt Beratungen ermöglicht, wie die Bürger klimafreundlicher renovieren und sanieren können", schlug Steege vor.

Etwas schwieriger gestaltet sich das Thema Verkehr. Für die Stadt steht fest, dass die Belastungen für Mensch und Natur reduziert werden müssen. Eine deutliche Veränderung lasse sich in dem Bereich aber nicht von heute auf morgen umsetzen. "Der Fuhrpark der Stadt wird klimafreundlicher, in dem auf Elektro- oder Wasserstoff-Varianten umgestellt wird. Das macht zwar nur einen kleinen Teil aus, aber die Stadt sollte stets mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Steege. Um die Klimabelastung durch Abgase zu verringern, müsse sich aber noch viel mehr ändern.

Wir sind unter anderem auch bereits im Gespräch, um am Bahnhof bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen.

Anne Häring Klimaschutzbeauftragte der Stadt

Weitere Ideen zielen darauf ab, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken - unter anderem mit günstigen Tarifen und kostenlosen Sonderfahrten - und mehr aufs Fahrrad zu setzen statt Auto. Besucher der Infoveranstaltung wiesen darauf hin, dass Eisenach nicht sehr fahrradfreundlich sei. Es fehle an Fahrradwegen und sicheren Abstellmöglichkeiten. Die Klimaschutzbeauftragte Anne Häring berichtete, dass die Parksituation in der Stadt überprüft werde, um - wenn möglich - auch mehr Platz für Fußgänger, Fahrradfahrer und Begrünung zu schaffen. "Wir sind unter anderem auch bereits im Gespräch, um am Bahnhof bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen, die Parkhäuser sollen ebenfalls ausgestattet werden und wir suchen noch weitere Standorte", so Häring.

Ideenkarte für Klimaschutz in Eisenach

Außerdem plant die Stadt bereits den Ausbau und die Verbesserung der Fahrradwegverbindungen: So ist beispielsweise im Stadtentwicklungskonzept das Stadtumbaugebiet Nord-West enthalten. Auch von Hötzelroda soll ein Fahrradweg in die Stadt führen, der Bau ist bereits beschlossen. Eine Eisenacherin äußerte jedoch Bedenken: "Ich wohne in Hötzelroda und freue mich, dass es einen Fahrradweg geben wird. Es dauert aber alles sehr lange und ich habe Sorge, dass das Klimaziel nicht rechtzeitig erreicht wird." Das integrierte Klimaschutzkonzept folgt einem Zeitplan, der auch durch die Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums vorgegeben ist. Erste Maßnahmen sollen bis zum 28. Februar 2023 umgesetzt werden.

Zunächst müssen aber genügend Ideen her. Dafür bittet die Stadt die Eisenacher um die Mithilfe. Für das Klimaschutzkonzept wurde eine Ideenkarte im Internet erstellt, auf der die Bürger beispielsweise Standorte für Fahrradparkplätze eintragen können. Genauso können hier weitere Ideen vorgeschlagen werden, die zu einer klimaneutralen Stadt beitragen können. Bis zum 16. Januar 2022 ist die Karte online. Dann werden die Ideen zusammengetragen und mit den Bürgern gemeinsam diskutiert sowie priorisiert. Ziel ist es, bis Ende August 2022 das finale Klimaschutzkonzept einzureichen, damit der Stadtrat darüber entscheiden kann.

Integriertes Klimaschutzkonzept Das Projekt Integriertes Klimaschutzkonzept ist im März 2021 gestartet und läuft bis Februar 2023. Es wird zu 100 Prozent durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert. Das "integriert" bezieht sich dabei auf die unterschiedlichen Handlungsfelder, die betrachtet werden, um ein ganzheitliches Konzept zu erstellen. Zu den insgesamt elf Handlungsfeldern gehören:

• Flächenmanagement
• Straßenbeleuchtung
• private Haushalte
• Beschaffungswesen
• erneuerbare Energien
• Anpassung an den Klimawandel
• Gewerbe, Handel und Dienstleistungen
• eigene Liegenschaften
• Mobilität
• Wärme- und Kältenutzung
• IT-Infrastruktur

Quelle: MDR Thüringen/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

5 Kommentare

DermbacherIn vor 5 Wochen

Ich finde es sehr wichtig, dass die Stadt Eisenach klimaneutral werden will, ich vermisse es aber, das die Verlinkung zur "Ideenseite" auf der Internetseite der Stadt Eisenach nicht zu finden ist.

Freies Moria vor 5 Wochen

Niemand kann sagen wie man das Klima gezielt beeinflussen kann. Also man tut X und Y kommt heraus.
Es wird immer nur gesagt wir brauchen eine "1,5 Grad Senkung bis Anno Duzzemal".
Dann wird so getan also würde eine Änderung des CO2 Wertes direkt eine Änderung der durchschnittlichen globalen Temperatur (!) bewirken.
Dabei ist diese Durchschnitts-Temperatur nicht einmal richtig definiert, schon weil der Großteil der Erdoberfläche keine Meßstationen hat und im Rest die Meßstationen ungleichmäßig verteilt und zudem nach unterschiedlichen Kriterien aufgestellt wurden.
Aber Eisenach muß "klimaneutral" werden, soso.
Aus dem obigen ergibt sich leider nur exakt ein Weg, wie Eisenach klimaneutral werden kann: Es muß von der Landkarte verschwinden. Was nicht da ist, kann das Klima nicht stören. Ganz einfach.
Denn wenn man an anderer Stelle einen Eingriff macht, um die Störung durch Eisenach zu kompensieren, dann hat man effektiv das Klima zwei Mal verändert - ohne zu wissen was herauskommt!

IamTHandIloveit vor 6 Wochen

@hinter-dem-Regenbogen:
Darf man an dieser Stelle auch mal die Frage stellen (…) denn erreicht ist?
Antwortvorschlag = Klimaneutralität.

Wirtschaftsförderung im Namen des Klimas?
Antwortvorschlag = Absolut.
Täten sie es jetzt nicht, wären die Kosten dafür wohl noch viel höher.

Gutes Beispiel sind die momentanen Spritpreise. Wir haben eine Wirtschaft und Mobilität die sich selbst in Abhängigkeit vom Öl und niedrigen Energiekosten manövriert hat. Gut wenn wir schnell unsere Volkswirtschaft neu aufstellen. Das hilft langfristig vom Öl weg zu kommen und finanziell (auch Privat) weniger anfällig auf Ölpreisschwankungen zu agieren. Wind und Sonne könnten z.B. noch viel stärker genutzt werden.

@hansfriederleistner
Transformationsprozesse der Arbeitswelt ist nichts neues. Es gibt aktuell genug freie Stellen (EA >200 freie Stellen, Quelle Jobagentur). Aktuelles Konjunkturhoch, warum nicht jetzt die Transformation voranbringen?
50 Jahre ein Job bei einem Unternehmen war gestern…

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