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Stadttheater für alleWie sich das Landestheater Eisenach neu erfinden will

24. Juni 2024, 14:45 Uhr

Das Landestheater Eisenach befindet sich im Umbruch. Nach Querelen um Mobbingvorwürfe gegen die Leitung fiel am Wochenende der letzte Vorhang für das Junge Schauspiel mit der gelungenen Inszenierung "Die grüne Bande". Warum der Abschied von der Kinder- und Jugendsparte gut sein soll für die Zukunft des Stadttheaters, erklärt Intendant Neundorff von Enzberg.

  • Nach Mobbing-Vorwürfen gegen die Leitung am Landestheater Eisenach ist laut Intendant Neundorff von Enzberg die Aufarbeitung im Gang.
  • Das Haus ist im Umbruch, so wird das Kinder- und Jugend-Theater geschlossen, das zuletzt mit dem Stück "Die grüne Bande" überzeugte.
  • Mit der Wiedereröffnung einer eigenen Schauspiel-Sparte will Neundorff von Enzberg mehr Publikum anlocken, als es zuvor mit der Übernahme von Produktionen aus Meiningen und Rudolstadt gelungen ist.

Die Zeiten am Landestheater Eisenach sind gerade turbulent. Mitarbeitende – laut Gewerkschaft zehn von insgesamt 80 – haben vor etwa zwei Wochen einen anonymen Brief veröffentlicht, mit Vorwürfen gegen die Theaterleitung.

Mobbing-Vorwürfe gegen Leitung

Die Rede war unter anderem von einem toxischen Arbeitsklima und Mobbing. Intendant Jens Neundorff von Enzberg wies die Anschuldigungen zurück. Er räumte aber auch ein, dass es Unzufriedenheit im Ensemble gebe und die Kommunikation nicht immer gut gewesen sei. Dazu habe es jedoch längst interne Gespräche gegeben.

Jens Neundorff von Enzberg ist Intendant am Landestheater Eisenach sowie am Staatstheater Meiningen. Bildrechte: Christina Iberl

Mittlerweile sind Stiftungsrat, Betriebsrat und Politik zusammengekommen und haben angekündigt, die Vorwürfe aufarbeiten zu wollen.

Landestheater Eisenach im Umbruch

Gleichzeitig steht das Landestheater vor einem Umbruch. Die Junge Schauspiel-Sparte ist Geschichte. Am Wochenende wurde die letzte Vorstellung gespielt. Nach einem Spardiktat von Anfang der 2000er-Jahre gab es an dem Haus nur noch zwei Sparten: Ballett sowie Kinder- und Jugendtheater. Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen wurden seitdem aus Meiningen und Rudolstadt eingekauft.

Ab nächster Saison soll es nun wieder einen eigenen Abendspielplan geben. Im Gegenzug wird die Junge Schauspiel-Sparte in der bestehenden Form abgeschafft.

Letzter Vorhang für Kinder- und Jugendtheater

Diese Entscheidung hat auch Kritik hervorgerufen, weil sich das Junge Schauspiel nach zahlreichen Personalwechseln gerade zu finden und zu stabilisieren schien. Mit dem Projekt "Die grüne Bande" war es zudem gelungen, eine hochdotierte Förderung der Bundeskulturstiftung Jupiter an Land zu ziehen. Insgesamt wurde das Projekt anlässlich des 35-jährigen Mauerfall-Jubiläums mit 90.000 Euro unterstützt.

Geschichten von der einstigen innerdeutschen Grenze in Thüringen zeigte auf ungewöhnliche Weise das vom Bund geförderte Theaterprojekt "Die grüne Bande" in Eisenach. Bildrechte: Landestheater Eisenach

Finale mit gelungener Produktion zur innerdeutschen Grenze

Die "Wandertheater-Performance" wurde gemeinsam mit der freien Theatergruppe Kollektiv Proton und Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin erarbeitet und an verschiedenen Orten in der Region open air aufgeführt – ein partizipatives Rechercheprojekt mit dem Ziel, Kindern ab fünf Jahren Geschichten aus dem ehemaligen DDR-Grenzgebiet, das heute als "Grünes Band" renaturiert ist, nahe zu bringen.

Entstanden ist eine gelungene Arbeit und ein liebevolles Geschenk an die Menschen in der Region, mit der Botschaft: "Eure Geschichten, die oft sehr viel Schmerz beinhalten, sind nicht vergessen."

Neue Schauspiel-Sparte soll Stadttheater für alle bieten

Intendant Jens Neundorff von Enzberg hat jedoch die Großwetterlage des Theaters im Blick. Er verweist darauf, mit der Umstrukturierung politischen Willen umzusetzen, zugleich hält er die neue Strategie auch persönlich für eine positive Entwicklung.

Er erhofft sich, dass das Theater mit einem eigenen Abendprogramm stärker in die Stadtgesellschaft hineinwirken und so auch wieder mehr Identifikation mit dem Haus entstehen könne. In den vergangenen Jahren sei deutlich geworden, dass das Eisenacher Publikum mit den eingekauften Gastspielen aus Rudolstadt und Meiningen bis zuletzt gefremdelt habe.

Die neue Spielzeit am Landestheater Eisenach startet im September 2024 mit Lessings "Minna von Barnhelm". Bildrechte: MDR/Thomas Müller

Auch Finanzen spielten eine Rolle

Neben der Identifikation geht es laut dem Intendanten auch um wirtschaftliche Aspekte. Es sei kein Geheimnis, dass sich mit Kinder- und Jugendtheater weniger Geld verdienen lasse. Davon abgesehen seien die Auslastungszahlen einfach nicht befriedigend gewesen, erklärt Neundorff von Enzberg.

Und da half dann auch das ambitionierte Projekt "Die grüne Bande" mit seiner bemerkenswerten Förderung nicht weiter. Durch den freien Eintritt spülte die Produktion genau genommen gar kein Geld in die Theaterkasse.

Leerstelle: Angebote für Jugendliche

Der Schwerpunkt liegt ab der neuen Spielzeit nun also auf einem Abendprogramm für Erwachsene, trotzdem soll es noch Angebote für Kinder und Jugendliche geben. Wobei, wenn man sich das Programm der nächsten Spielzeit anschaut, die Betonung auf Kindern liegt. Geplant ist ein Stück ab vier und eines ab sechs Jahren. Theater dezidiert für Jugendliche bleibt eine Leerstelle.

Große Jugendtheater-Projekte wie "Die grüne Band" wird es künftig in Eisenach wohl erstmal nicht mehr geben. Bildrechte: Landestheater Eisenach


Neundorff von Enzberg sagt, er hoffe durch künftige Kooperationen mit dem Meininger Staatstheater, das er neben dem Landestheater Eisenach ebenfalls als Intendant leitet, etwas auffangen zu können.

Neue Spielzeit 2024/25 startet mit "Minna von Barnhelm"

Insgesamt wird es einen großen Wechsel im bisherigen Schauspiel-Ensemble geben – etwa die Hälfte geht. Vielfach wohl auch auf eigenen Wunsch. Gleichzeitig entstehen zwei neue Stellen. Als Leiterin der neuen Schauspiel-Sparte kommt Lydia Bunk, die bisher als freie Regisseurin an ganz unterschiedlichen nationalen und internationalen Bühnen gearbeitet hat.

Eröffnet wird die kommende Spielzeit mit neuer Ausrichtung im September mit Lessings "Minna von Barnhelm". Das Theater will einen historischen Bogen schlagen: Mit dem Stück wurde das Haus 1879 eröffnet. 

Quellen: MDR KULTUR (Marlene Drexler), Redaktionelle Bearbeitung: ks

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juni 2024 | 08:40 Uhr

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