Jubiläum Bibelübersetzung Vor 500 Jahren: Martin Luther auf der Wartburg

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Ein weiterer Meilenstein des Reformationsgedenkens liegt vor uns: vor 500 Jahren, im Mai 1521, wurde Martin Luther zum Schein auf die Wartburg entführt. Dort übersetzte er das Neue Testaments ins Deutsche, 1522 wurde es in Wittenberg veröffentlicht. Auch wenn das Jubiläum der Bibelübersetzung erst 2022 offiziell gefeiert wird: in der Wartburgregion dreht sich bereits im kommenden Jahr vieles um Luther und die Sprache.

Eisenach - Wartburg
Im Außenbereich der Wartburg soll lebendig werden, wie der Alltag vor 500 Jahren aussah. Bildrechte: MDR/Christiane Fritsch

Im Zentrum steht die Wartburg: Dort soll am 4. Mai, 500 Jahre nach dem Ankunftstag des Reformators eine Ausstellung eröffnet werden, die zurückblickt auf die historischen Ereignisse. Ihr Titel "Luther im Exil - Wartburgalltag 1521" weist in zwei Richtungen: Zum einen zeigt die Schau den historischen Räumen, wie sich Luther in seiner Eisenacher Zeit fühlte und welche Themen ihn bewegten. Quellen dafür sind seine Briefe, sagt Grit Jacobs, wissenschaftliche Leiterin der Wartburg Stiftung.

Die Bandbreite reicht vom theologischen Schaffen über das reformatorische Tagesgeschehen bis hin zu Gesundheitsproblemen. Im Außenbereich der Burg soll lebendig werden, wie der Alltag damals aussah - mit Nachbauten einer Reisekutsche und einer Küche sowie einem Gemüse- und Kräutergarten. Was wurde gegessen und getrunken, was und wie wurde gebaut - wer lebte zu Luthers Zeiten auf der Burg?

Tarn-Identität "Junker Jörg" eine Legende?

Natürlich werden auch hartnäckige Ikonen aufgegriffen: wie der Tintenfleck, den selbst heutige Besucher noch in ihrer Kindheit gesehen haben wollen - oder: das Bild vom "Junker Jörg", der Tarn-Identität des Reformators in seiner Wartburg-Zeit. Grit Jacobs kann nur feststellen, dass Luther selbst nie von sich als "Junker Jörg" oder "Junker Georg" berichtet hat - diese Bezeichnung taucht erst bei zwei frühen Biografen auf. Eine Legende?

Einen Weg über die 500 Jahre hinweg zu den Menschen von heute sucht auch die Internationale Martin Luther Stiftung mit Sitz im Erfurter Augustinerkloster. Für den Vorstandsvorsitzenden Thomas A. Seidel ist die Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Deutsche mehr als ein kirchenhistorisches oder theologisches Ereignis: er spricht von der "Geburtsstunde der Nationalsprache", die Luther geprägt habe.

In der Folgezeit hätten sich auch andere Nationen "über die Bibelübersetzung neu erfunden", sagt Seidel. Dieses Stück Geschichte soll in den kommenden zwei Jahren "aktualisiert" werden.

"Wartburg Experiment" mit Autoren

Gelingen soll dies mit dem "Wartburg Experiment". Drei Schriftsteller hat die Stiftung eingeladen zu vierwöchigen Aufenthalten auf der Wartburg: Katholik Martin Mosebach, Thea Dorn und Senthuran Varatharajah. In einem Arbeitszimmer in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lutherstube sollen sie sich mit der Lutherbibel auseinandersetzen, sich von den Texten des Neuen Testaments und vom authentischen Ort "zu eigenem kreativen Schaffen anregen lassen", das sei der erhoffte "Zündfunke" sagt Seidel. Dabei sollen die Autoren Einblicke in ihren Schaffensprozess geben. Ein literarisches Symposium, Tischreden, Lesungen und Gespräche mit Schülern sind geplant.

Bibelverkostung mit Weltliteratur

Die Themen Sprache, Sprachkunst und Kultursprache will auch die evangelisch-lutherische Kirche in Eisenach als Brücke von 1521 in die Gegenwart nutzen. Das sei eine große Chance, sagt Superintendent Ralf-Peter Fuchs, weil das Thema so aktuell sei: Sprache, die "trennt, zerteilt und beschämt" - die aber auch verbinden könne.

Um die "Kraft der Worte" soll es bei einer Festwoche im September gehen. Aber man wolle auch die Lutherbibel aufschlagen, sagt Fuchs und kündigt eine "Bibelverkostung" an: eine sonntägliche Predigtreihe über das Lukasevangelium. Das enthalte Weltliteratur, sagt der Theologe und nennt als Beispiele die Geschichte vom Verlorenen Sohn oder vom Barmherzigen Samariter. 

Reden über die Bibel, über Verse, die sie besonders ansprechen sollen Prominente in einer monatlichen Reihe auf der Wartburg. Mit dabei sind beispielsweise Politiker wie Katrin Göring-Eckardt, Bodo Ramelow und Christine Lieberknecht, der Maler Johannes Heisig und Hellmut Seemann, ehemaliger Präsident der Klassik Stiftung Weimar.

Festival der Sprache und Kunstprojekt

Die Stadt Eisenach sieht ihre Rolle im Jubiläum darin, zu vernetzen und anzuregen - und die Stadt als Veranstaltungsort zu etablieren, sagt der Beauftragte der Stadt Reinhold Brunner. Der Bund hat knapp 300.000 Euro für mehrere Projekte bewilligt. Darunter ist eine Tagung mit weiteren Partnern wie der Universität Jena  im Herbst zum Thema "Übersetzen", kündigt Brunner an.

Im Jahr 2022 soll es ein "Festival der Sprache" geben, wo Sprachgewalt und Gewaltsprache genauer untersucht werden sollen. Und schließlich plant die Stadt ein Kunstprojekt mit Hochschulen in Münster und Halle, das die verschiedenen Facetten des "Übersetzens" gestalterisch ausleuchten soll.

Neue Medienstationen

Das Lutherhaus Eisenach hat ebenfalls schon rund 160.000 Euro vom Bund für das Jubiläum zugesagt bekommen. Damit soll die Dauerausstellung zum Thema "Luther und die Bibel" erweitert und aktualisiert werden, sagt Leiter Jochen Birkenmeier. Einige Themen wie die internationale Wirkungsgeschichte der Bibelübersetzung und die Musik sollen mehr Platz bekommen. Außerdem will er mehr Medienstationen bestücken mit vertiefenden Angeboten für besonders interessierte Besucher.

Viele Partner in der Wartburgregion bereiten das Jubiläum schon seit längerer Zeit vor. Allerdings könnten die Corona-Pandemie und ihre Folgen die Pläne noch durchkreuzen. Veranstaltungen, Tagungen, Ausstellungen - im Moment alles noch nicht machbar.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 27. Dezember 2020 | 08:30 Uhr

7 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 47 Wochen

"Dieser Herr" hat bei seiner Bibelübersetzung auch mit Erasmus von Rotterdam und Melanchthon in Verbindung gestanden. Heute nennt man so etwas Teamwork. Und die Bücher Moses zählen auch zur Bibel.
Der Haß auf die Juden ist nicht von Luther begründet sondern war zu der Zeit noch auf die Kreuzzüge zurückzuführen. Die Kreuzritter in ganz Westeuropa hatten sich für den 1. Kreuzzug (1096 -99) von den Juden das Geld für Ausrüstung und Reise geliehen. Sie vergaßen aber das Zurückzahlen. Sie stachelten lieber gegen ihre Geldgeber auf. Und das blieb halt bis heute hängen.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 47 Wochen

Insbesondere den letzten Satz kann ich aus eigenem Erleben
und mit einem gewissen Augenzwinkern sehr gut für mich
in die heutige Zeit übersetzen .

Klar,
es wird andere Erlebnisse geben, aus anderen Epochen, von anderen Altvorderen.

Tja,
leg‘ Dich nicht mit den oberen Zehntausend
an und Dir widerfährt auch nichts Böses... 😇

„Fördern und Fordern“ ist aber auch wirklich ein dummer Grundsatz !
Sollte nicht jede Gesellschaft Talente unmittelbar erkennen, die ihr
nützen und sie vorantreiben und diese nicht bekämpfen, weil sie
schlauer sind als Otto Normal und Liesl Meyer ...?!

part vor 47 Wochen

Der Reformator war eigentlich nur ein Glaubensereiferer, der sich eingebracht hat als Spielball in eine schon gespaltene Gesellschaft des Feudalismus, wo jeder gern sein eigenes Volk unterjochen wollte, als Rom noch daran zu beteiligen. Was heute gern als religiöse Ursache des nachfolgenden 30- jährigen Krieges dargestellt wurde, hatte die allbekannten Gründe von Reichtum, Einfluß und Kolonialisierung als Ursachen. Auch Luther hatte seine Förderer, ohne ihnen wäre er nicht erhört und gemeuchelt worden. Sanovarola wandte sich gegen die Obrigkeit, war eine Zeitlang erfolgreich und musste am Ende erkennen, das er nicht gefördert wurde.

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen

Ein Ski-Langläufer in der Skihalle in Oberhof. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
27.11.2021 | 13:49 Uhr

Der Wasalauf gilt als berühmtestes Ski-Langlaufrennen der Welt. Thomas Bing vom Rhöner WSV Dermbach will in Schweden diesmal als erster durch's Ziel gleiten.

Sa 27.11.2021 13:38Uhr 00:51 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/west-thueringen/wartburgkreis/video-thomas-bing-wasalauf-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video