Prozess Mann soll Frau in Auto entführt haben - Eisenacher vor Gericht

Am Meininger Landgericht hat am Mittwoch ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Geiselnehmer begonnen. Der 31-Jährige soll im Oktober vergangenen Jahres eine Frau in Eisenach überfallen, geschlagen und in einem Auto entführt haben.

Ein Mann sitzt mit aufgestütztem Kopf in einem Gerichtssaal auf der Anklagebank.E
Für den Prozess sind weitere drei Verhandlungstage angesetzt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Seit Mittwoch wird am Meininger Landgericht gegen einen 31-jährigen Mann aus Eisenach unter anderem wegen Geiselnahme verhandelt. Das mutmaßliche Sündenregister des Angeklagten ist außerordentlich lang.

Wie Gerichtssprecherin Manuela Pallasch MDR THÜRINGEN sagte, wurde für die Hauptverhandlung eine ganze Reihe von Vorwürfen zusammengezogen. Insgesamt elf Anklageschriften wurden zu Beginn des Prozesses verlesen. Die Staatsanwältin hat dafür mehr als eine Dreiviertelstunde gebraucht.

Schwerster Vorwurf ist eine mutmaßliche Geiselnahme einer Frau im Oktober vergangenen Jahres. Zusammen mit einem Komplizen soll der Angeklagte eine Bekannte in ihrer Wohnung in Eisenach überfallen haben. Mit einem Baseballschläger in der Hand soll er die Frau in sein Auto gezwungen haben. Später, zurück in der Wohnung habe der Angeklagte von der Frau 1.000 Euro erpresst, so die Anklage.

Lange Liste mit Vorwürfen

Neben Geiselnahme und erpresserischem Menschenraub werden dem Mann unter anderem auch schwere Körperverletzung, Wohnungseinbruch, Ladendiebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie das Verwenden gefälschter Autokennzeichen vorgeworfen. So soll er einer weiteren Frau im Streit derart heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass sie mehrere Zähne verlor. Während der Tat sei er angeblich stark betrunken gewesen.

Eine goldfarbene Justitia-Figur vor Aktenbergen
Im Verfahren gegen den Mann werden verschiedene Anklagen zusammengefasst. Bildrechte: dpa

In einem weiteren Fall ist der Mann laut Anklage mit über 200 Kilometern pro Stunde auf der B88 bei Eisenach in einen Kreisverkehr gerast. Dort verlor er die Kontrolle über das Auto und kam von der Straße ab. Zwei Insassen, darunter ein 13-Jähriger, wurden wie durch ein Wunder nur leicht verletzt. Vor Gericht gab der Mann an, dass er habe zeigen wollen, wie schnell sein Wagen fahren kann.

Angeklagter macht Drogen verantwortlich

Einen Teil der Vorwürfe räumte der Mann ein. Der Anwalt des Angeklagten verlas eine schriftlich vorbereite Erklärung. Darin gab der Angeklagte vor allem den Drogen die Schuld. "Die Drogen sind mein Problem", hieß es wörtlich.

Schon mit zwölf Jahren habe er seinen ersten Alkoholrausch erlebt. Ab dem Alter von 17 Jahren hätten immer mehr harte Drogen sein Leben bestimmt. Ohne Hilfe würde er es nicht schaffen. Deshalb sei es für ihn auch die Unterbringung im Maßregelvollzug, die er annehmen wolle.

Gutachter beeinflusst Strafmaß

Allein für den Vorwurf der Geiselnahme droht dem Angeklagten eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren. Sofern das Gericht keine mildernden Umstände wie eine Einschränkung der Steuerfähigkeit durch Alkohol- und Drogenkonsum feststellt. Um diese zu klären, wird ein unabhängiger Gutachter gehört. Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Juni 2022 | 18:00 Uhr

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