Energiewende Größte Batterie Thüringens geht bei Eisenach in Betrieb

In diesen Tagen geht der größte Akku Thüringens vollständig ans Netz. Er soll helfen, das Netz in der Region stabil zu halten - wenn zu wenig oder zu viel Strom vorhanden ist. Das geht besonders gut, weil der Batteriespeicher sehr schnell be- oder entladen werden kann. Auf dem Weg zu fehlenden Speichern für die Energiewende ist das Projekt allerdings nur ein Anfang.

Wartburg-Speicher der Firma Smart Power bei Eisenach
Der Wartburg-Speicher bei Stockhausen im Wartburgkreis Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Aus der Ferne sieht der größte Akku Thüringes aus wie zwei Dutzend große Schiffscontainer mit ein paar Aufbauten. Nur, dass die vermeintlichen Schiffscontainer hier aus Stahlbeton gebaut sind und deutlich mehr aushalten. Denn nahe Stockhausen bei Eisenach geht in diesen Tagen der größte Thüringer Stromspeicher in Betrieb, mit einer Kapazität von 67 Megawatt-Stunden.

"Damit könnte man zum Beispiel 50.000 Haushalte eine Stunde lang versorgen", sagt Projektleiter Matthias Obermeyer von der Firma Smart Power aus Aschheim bei München. Oder die Stadt Eisenach mit ihren reichlich 40.000 Einwohnern gleich nebenan für mehrere Stunden - rein theoretisch.

Denn der Speicher ist nicht dafür gedacht, als Puffer für eine bestimmte Stadt zu agieren - oder als Zwischenspeicher für einen Windpark. Er dürfte die meiste Zeit für Primärregelleistungen eingesetzt werden, sagt John de Roche, Technikvorstand des süddeutschen Unternehmens.

Für diese Anwendungen braucht es derzeit noch einige Tests, der Zaun um die Anlage muss geschlossen sein und alle Sicherheitssysteme müssen laufen. Denn dann gehört der Speicher zur kritischen Infrastruktur der Bundesrepublik, die besonders geschützt werden muss.

Wenn zu wenig oder zu viel Strom im Netz ist

Primärregel-Leistungen könnten auch Netzstabilisierung genannt werden. "Einmal, wenn zu viel Energie im Netz ist. Und einmal, wenn zu wenig Energie da ist", sagt Obermeyer. Wenn also zu viel Strom für zu wenige Verbraucher da ist, lädt sich der Speicher auf - und wenn zu wenig Strom für zu viele Abnehmer da ist, schickt er seinen Strom ins Netz.

Wenn also etwa zu viel Windstrom im Netz vorhanden ist, könnte er hier zwischengespeichert werden, auch weil andere Kraftwerke vielleicht nicht schnell genug abgestellt werden können.

Matthias Obermeyer, Projektleiter für den Wartburg-Speicher der Firma Smart Power
Projektleiter Matthias Obermeyer hält mit seinem Team das Stromnetz stabil. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Als ganz großer Zwischenspeicher, der etwa eine sogenannte Dunkelflaute überbrücken könnte, reichen die 67 Megawattstunden längst nicht. Denn so eine Phase mit wenig Wind und wenig Sonne wäre mit Tagen oder Wochen zu lang, um sie zu überbrücken.

"Hier geht es nicht nur um kleine Speicher zur Netzstabilisierung, sondern auch um saisonale Speicher, die den Energiegehalt über Tage oder Wochen speichern können", schreibt dazu das Thüringer Umwelt- und Energieministerium. Aber Pumpspeicher und große Batterie-Speicher seien deshalb von Netzentgelten befreit.

Ein erster Schritt für die Netzstabilität sei mit den Speichern aber getan, denn sie sind kurzfristig anfahrbar. Das weiß man auch beim Unternehmen: "In Sekundenbruchteilen schaffen wir das", sagt Obermeyer stolz. Da könne ein Pumpspeicherwerk nicht ganz mithalten.

Hier geht es nicht nur um kleine Speicher zur Netzstabilisierung, sondern auch um saisonale Speicher, die den Energiegehalt über Tage oder Wochen speichern können.

Thüringer Umwelt- und Energieministerium

Weitere Speicher sollen folgen - auch in Thüringen

Verbaut sind Lithium-Ionen-Akkus - ganz ähnlich wie in Autos oder Smartphones auch. Nur eben viel: je 384 Batteriemodule in 20 großen Räumen. Der Verdienst für den großen Akku dürfte mehrheitlich von den Netzbetreibern kommen, die für die Leistung der Netzstabilisierung bezahlen.

Verbraucher bezahlen das über die Netzentgelte mit. Das Unternehmen plant weitere Projekte in dieser Richtung: Im nächsten Jahr sollen Speicher mit 200 Megawattstunden Kapazität ans Netz gehen, in anderen Ländern mit viel Platz bewegt man sich bereits im Gigawattstunden-Bereich.

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MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. November 2022 | 19:00 Uhr

84 Kommentare

Tschingis1 vor 2 Tagen

@Germinator...
"Ohhh, haben wir jetzt das Thema gewechselt zu Batterien?"

Die haben mit diesem Thema begonnen und ich habe sie lediglich informiert. 😉

martin vor 3 Tagen

@ralf g: Sie dürfen als Synonyme auch gern 'Lastfolgefähigkeit', 'Lastfolgekraftwerk', 'Mittellastfähigkeit', 'Mittellastkraftwerk' oder weitere Begriffe verwenden. Da ich meine Kraftwerkskenntnisse nicht per Google erworben habe, mögen Sie sprachlich durchaus recht haben. In der Sache jedoch nicht.

Zur Regelfähigkeit der AKW habe ich bereits detaillierter geschrieben.

Frank3 vor 3 Tagen

67 MWh? Das Pumpspeicherwerk Hohenwarte 2 aus den 50er Jahren hat 2100 MWh Goldistal hat 8,5 GWh
und geplant war das mal mit 2 Oberbecken, also deutlich mehr Kapazität.
Die Hohenwarte Talsperre und ebenso die Bleilochtalsperre wurden zu DDR Zeiten auch als Pumpspeicherkraftwerk benutzt heute macht man das nicht mehr, weil die großen Anlagen einen besseren Wirkungsgrad haben. Statt dessen baut man Batteriespeicher, die nach 15 Jahren verschlissen sind.

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