Ehrenamt Engagement in Schwesterntracht: Helga Schöller ist Thüringerin des Monats November

In Eisenach ist sie bekannt: Als Seniorenbeauftragte hat sich Schwester Helga Schöller viele Jahre ehrenamtlich für die Belange älterer Menschen eingesetzt, hat die Freiwilligenagentur gegründet und die Schülerfreiwilligentage unterstützt. Anderen helfen, für sie da sein - das sei schlicht ein Gebot der Nächstenliebe, sagt die Diakonisse. Für ihr Engagement gab es jetzt die Auszeichnung als "Thüringerin des Monats".

Unter einem Vorwand haben Mitstreiterinnen Schwester Helga Schöller in das Nachbarschaftszentrum in der Goethestraße gebeten. Als sie eintritt, das Fernsehteam und die vorbereitete Bühne mit der Aufschrift "Thüringer des Monats" sieht, da staunt sie nicht schlecht. Und die anderen freuen sich: Überraschung gelungen!

Als Sina Reeder vom MDR THÜRINGEN JOURNAL ihre Verdienste aufzählt und zur Auszeichnung gratuliert, fällt Schwester Helga erst einmal nicht viel ein. Sprachlos sei sie, sagt die 82-jährige, und lacht: "Und das heißt allerhand, weil ich so schnell nicht sprachlos bin." Sich ehrenamtlich zu engagieren, das gebiete die christliche Nächstenliebe, sagt sie später im Interview. "Einander zu helfen und Gutes zu tun, wo es eine Möglichkeit gibt, gegen alle Widerstände, das war für mich in meinem Leben immer wichtig."

Einander zu helfen und Gutes zu tun, wo es eine Möglichkeit gibt, gegen alle Widerstände, das war für mich in meinem Leben immer wichtig.

Schwester Helga Schöller, Thüringerin des Monats November

Antennen und Verhandlungsgeschick

Mit ihr freuen sich Weggefährtinnen rund um die Freiwilligenagentur. Was Schwester Helga auszeichnet? "Sie kann wundervoll mit Menschen umgehen," sagte Heike Apel-Spengler, die die Freiwilligenagentur mittlerweile leitet. Sie lobt das Verhandlungsgeschick der Diakonisse und hebt "gewisse Antennen" hervor: "Sie merkt, wenn es Menschen nicht gut geht - und wenn sie helfen muss."

Es müsste noch ganz viele solche Menschen geben wie unsere Helga.

Erika Hermanns, Seniorenbeauftragte der Stadt Eisenach

Sie habe die Auszeichnung verdient, sagen auch die anderen. Gekommen ist auch die Oberin des Diakonissen-Mutterhaus, Annegret Bachmann. Sie beschreibt Helga Schöller als offenen Menschen, der gern auf andere zugehe und helfe, ohne zu bevormunden. Erika Hermanns, ihre Nachfolgerin als Seniorenbeauftragte, meint: "Es müsste noch ganz viele solche Menschen geben wie unsere Helga."

Ein Kamerateam samt Tonangel - im Hintergrund interviewt Sina Waage die Thüringerin des Monats Helga Schöller
Plötzlich im Fernsehen: Als Helga Schöller das Nachbarschaftszentrum in Eisenach betritt, staunt sie nicht schlecht. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Aus Schwaben nach Eisenach

Im Jahr 1994 war Helga Schöller aus ihrer schwäbischen Heimat nach Eisenach gekommen, wurde zur Oberin des Diakonissen-Mutterhauses gewählt. Ihr trauten die Schwestern zu, die Einrichtung durch die Nachwendejahre zu führen, neue Strukturen zu schaffen. Sie kannten sie schon aus den 1980-er Jahren. Da war Helga Schöller für die Diakonische Werk in Stuttgart in der Thüringer Partnerkirche unterwegs und wohnte währenddessen im Mutterhaus in Eisenach. Schnell ist sie heimisch geworden, hat Geld "zusammengebettelt" für notwendige Arbeiten am Mutterhaus und in der Kapelle und ein dichtes Netzwerk geschaffen.

Unterwegs in Tracht und mit Polizistin in Uniform

Von Gerhard Hasse, dem damaligen Seniorenbeauftragten, hat sich Schwester Helga auch fürs Ehrenamt in die Pflicht nehmen lassen und schließlich 2002 seinen Job übernommen. Da gab es auch schwierige Aufgaben, erinnert sie sich, wenn ältere Menschen um Hilfe baten bei Problemen in der Familie. Dahin fuhr sie häufiger im Polizeiauto, gemeinsam mit ihrer späteren Nachfolgerin Erika Hermanns, die damals für die Polizei im Seniorenbeirat saß. Eine Schwester in Diakonissentracht und eine Polizistin in Uniform - da hätten die Leute schon geschaut, berichtet sie schmunzelnd.

Freudestrahlend: Helga Schöller bei der Auszeichnung zur Thüringerin des Monats
Sprachlos und überglücklich: Die Auszeichnung ist eine große Überraschung für die 82-Jährige. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Einkaufsdienst und Nachhilfe

Eine Freiwilligenagentur hat sie in Eisenach gegründet und freut sich über das "unendlich wichtige" landesweite Netzwerk, das entstanden ist. "Da läuft viel Positives, viel mehr, als man denkt." Gerade in Corona-Zeiten hat sich die Freiwilligenagentur bewährt, berichtet Heike Apel-Spengler, mit Aktivitäten vom Einkaufsdienst bis zur Nachhilfe. Dass ehrenamtliches Engagement schon früh gelernt werden kann, ist der Hintergrund des Schülerfreiwilligentags. Helga Schöller berichtet, dass ihr Teilnehmer noch nach Jahren von ihren Erfahrungen an diesen Tagen erzählt haben. So etwas präge, sagt sie.

Fünf Frauen mit Mund-Nasen-Schutz applaudieren
Schöllers Mitschtreiterinnen spenden Beifall und finden: "Es müsste noch ganz viele solche Menschen geben wie unsere Helga." Bildrechte: MDR/David Dienemann

Engagiert hat sich die Diakonisse auch in der Kommunalpolitik beim Bündnis "Bürger für Eisenach". Wenn die Schwester in Tracht Flyer verteilt hat, dann, so berichtet eine Mitstreiterin, sei der Ton am Infostand gleich ein anderer gewesen - da habe keiner das Faltblatt zurückgewiesen. Andere erinnern sich mit viel Freude an Reisen, die Schwester Helga organisiert hat, ob nach Rom oder nach Brasilien.

Das Werk blüht weiter

Bis heute lässt sich Schwester Helga Schöller gern ehrenamtlich einspannen. Im Mutterhaus kümmert sie sich um die älteren Schwestern. Die älteste wird im kommenden Frühjahr 102 Jahre alt. Sie schaut nach dem Rechten, spricht mit ihren, hält ein Abendgebet - "dass sie sich nicht verlassen vorkommen". Ihr Werk in Eisenach weiß sie in guten Händen, sowohl das berufliche im Mutterhaus als auch das ehrenamtliche rund um die Freiwilligenagentur. "Es blüht weiter", freut sich Schwester Helga, das mache sie "ganz glücklich und zufrieden".

Helga Schöller mit Urkunde und Preisgeld
Helga Schöller aus Eisenach ist Thüringerin des Monats November. Herzlichen Glückwunsch! Bildrechte: MDR/David Dienemann

Aktion "Thüringer des Monats" "Thüringer des Monats" ist eine Aktion von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 wird die Auszeichnung vergeben. Das Engagement von Menschen, die in ehrenamtlicher Arbeit Außergewöhnliches geleistet oder sich in besonderer Weise für Mitmenschen in Thüringen eingesetzt haben, wird hiermit besonders gewürdigt.

Eine Jury aus Hörfunk- und Fernsehjournalisten von MDR THÜRINGEN sowie der Thüringer Ehrenamtsstiftung hat die Qual der Wahl: Jeden Monat gehen viele Bewerbungen ein - per Mail oder per Post. Aber nur eine oder einer kann mit dem Titel "Thüringer des Monats" ausgezeichnet werden. Die Jury macht es sich mit der Entscheidung nicht leicht, denn eigentlich hat jede(r) Kandidat(in) diese Auszeichnung verdient.

Im Dezember wird dann aus den 12 Thüringern des Monats von den Hörern von MDR THÜRINGEN, den Zuschauern des MDR THÜRINGEN JOURNAL sowie den Nutzern von MDR.DE der "Thüringer des Jahres" gewählt und im festlichen Rahmen im MDR LANDESFUNKHAUS THÜRINGEN in Erfurt ausgezeichnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. November 2021 | 19:00 Uhr

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