Eisenach Junge Eichen gegen den Klimawandel

An der B84 bei Eisenach legt die Landesanstalt Thüringen Forst eine Versuchsfläche für Eichen an. Bis Ostern werden 20.000 junge Bäume gepflanzt. Sie stammen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, aber auch aus Mittel- und Osteuropa und Nordamerika. Mit dem Versuch soll erkundet werden, welche Eichen sich besonders gut für das künftige Klima eignen.

Forstmann Uwe Büchner pflanzt kleine Traubeneiche mit der Pflanzhacke.
Alles in Handarbeit: Forstmann Uwe Büchner setzt jeden einzelnen Baum mit der Pflanzhacke. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Fünf Fußballfelder groß ist die Versuchsfläche westlich der B84 bei Eisenach. Einst standen hier Fichten. Inzwischen ist der Hang kahl, man schaut direkt hinüber zur Wartburg. Das aber soll sich in wenigen Jahren wieder ändern. Ein Eichenwald wird entstehen, genau beobachtet und vermessen von der Forstwissenschaft: Forschungsprojekt und Wiederbewaldung in einem. 70.000 Euro kostet das, finanziert über das Thüringer Landesprogramm für den Wald.

Baumpflanzen in Handarbeit

Forstmann Uwe Büchner schwingt die Pflanzhacke. Im Abstand von einem halben Meter schlägt er den Boden auf, greift sich einen gut 30 Zentimeter langen Baum aus einem Plastiksack und setzt ihn ins Loch, schiebt mit dem Schuh die Erde zusammen und tritt sie fest. Dann wieder einen halben Meter weiter den Hang hinauf, erneut greift er zur Hacke. Bis Ostern sollen insgesamt 20.000 jungen Eichen gepflanzt werden. Für die Versuchsfläche ist der Hang von den alten Fichten geräumt, der Boden gemulcht worden. Außerdem ist alles sorgsam eingezäunt, damit das Wild nicht die jungen Triebe verspeist. Ein Freiluft-Labor.

Ein Eichensetzling.
Insgesamt werden bis Ostern 20.000 junge Eichen gepflanzt - auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Fläche ist mit farbigen Stäben markiert und mit Schildern. Den Plan dazu hat Nico Frischbier vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha. Auf dem Papier hat er 55 Kleinfelder verteilt – elf verschiedenen Farben, jede kommt fünfmal vor. Die Farben stehen für verschiedene Eichen: Allein sechs Traubeneichen von unterschiedlichen Standorten in ganz Deutschland, aus heimischer Herkunft, aus dem trocken-warmem Tiefland, aus dem warmen Südwesten und aus anderen Hügel- und Bergländern. Dazu drei Eichenarten aus dem Mittelmeerraum und dem Balkan wie Flaumeiche, Zerreiche und ungarische Eiche. Und schließlich die Exoten: Roteiche und Sumpfeiche aus Nordamerika.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Alle Waldbesitzer treibt derzeit die Frage um, welche Baumarten dem Klimawandel standhalten. Eichen gehören zu den Baumarten, die das Kompetenzzentrum schon seit zehn Jahren empfiehlt, sagt Nico Frischbier. Für Standorte wie diese seien vermutlich Eichen-Mischwälder mit Linden und Hainbuchen die Zukunft. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren der Wandel beschleunigt. Wie das Klima in den Jahren 2040 bis 2070 aussehen wird? Wahrscheinlich wird die Temperatur im Durchschnitt stärker steigen als die politisch anvisierten zwei Grad, sagt Frischbier.

Ein eingezäuntes Gelände mit Blick zur Wartburg auf dem junge Eichen gepflanzt werden.
Das Versuchsgelände mit Blick zur Wartburg ist eingezäunt, damit das Wild die jungen Eichen nicht verspeist. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Normalerweise werden Bäume "herkunftsgerecht" gepflanzt. Aber weil sich das Klima wandelt, kommen auf der Versuchsfläche neben den heimischen Eichen auch solche zum Zuge, deren Eltern in anderen Regionen Deutschlands standen, wo es wärmer und trockener ist als im westlichen Thüringer Wald. Für die befürchteten nächsten Stufen des Klimawandels wurden die Bäume von weiter her ausgewählt. Langfristig würden Flaum- und Zerreiche ohnehin hierher einwandern, sagt Nico Frischbier. "Wir sind nur etwas schneller." Die Eichen müssen aber auch künftig Frost aushalten, bis zu minus 25 Grad im Winter und Spätfröste im Frühjahr.

Arbeiten für die nächste Generation

Der Versuch sei eine "Herzensangelegenheit", sagt Ansgar Pape, Leiter des Forstamts Marksuhl. Das Forstamt hat es übernommen, die Versuchsfläche anzulegen und zu pflegen. Förster sind gewohnt, für die nächste Generation zu arbeiten. Das sei auch hier so, sagt Pape. Man wolle den Nachfolgern möglichst stabile Wälder übergeben. Über 25 Jahre läuft das Forschungsprojekt. So lange werden die Bäume vermessen und beobachtet. Deutschlandweit werde man die Fläche für wissenschaftliche Arbeiten anbieten, sagt Nico Frischbier. Die Nachfrage nach solchen Versuchen sei hoch.

Revierförster Stefan Wichmann, Nico Frischbier vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha, Forstamtsleiter Ansgar Pape stehen an einer Pflanzfläche im Wald.
Revierförster Stefan Wichmann, Nico Frischbier vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha sowie Forstamtsleiter Ansgar Pape arbeiten bei dem Projekt zusammen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 19. März 2021 | 18:00 Uhr

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