Amtswechsel Erstmals eine "Frau Burghauptmann" auf der Wartburg

Eine Epoche geht zu Ende, so würdigte der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) die 26-jährige Amtszeit von Günter Schuchardt als Burghauptmann der Wartburg. Er wurde heute mit viel Beifall verabschiedet – und seine Nachfolgerin, Franziska Nentwig, in ihr neues Amt eingeführt. Die Aufgabe an der Spitze einer der Thüringer Kultur-Leuchttürme geht sie mit hohem Anspruch an.

Amtseinführung der neuen Frau Burghauptmann Franziska Nentwig
Drei Generationen von Burghauptmännern bzw. -frau Günter Schuchardt, Franziska Nentwig und Ernst Badstübner (von links). Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Wartburg kennt die gebürtige Dresdnerin Franziska Nentwig schon aus Kindertagen, ihre Mutter stammt aus Thüringen. Die Burg übe eine besondere Faszination aus, sagt sie, sei nicht vergleichbar mit anderen: "Ein bisschen greift die Wartburg nach den Herzen, insbesondere nach dem meinen." Von 2002 bis 2005 hat die promovierte Musikhistorikerin unterhalb der Wartburg gearbeitet, als Direktorin des Eisenacher Bachhauses.

Dann ging sie nach Berlin, zunächst als Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum Berlin, zuletzt führte sie die Geschäfte des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft. Nun ist sie wieder in Thüringen und freut sich auf die neue Aufgabe.

Die Wartburg ist ein ganz wunderbarer Ort, einer der traditions- und geschichtsreichsten Kulturorte in Deutschland, mit großer Strahlkraft weit über Thüringen hinaus.

Franziska Nentwig

Nentwig bringt alles mit

"Sie bringt alles mit, was sie braucht", sagt der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff über die neue Frau Burghauptmann. Eine Museumsfrau mit Erfahrungen im Kulturmanagement, eine, die die Welt gesehen hat und gut vernetzt ist. Sie solle das 21. Jahrhundert auf der Wartburg mitgestalten, sagt Hoff.

Amtseinführung der neuen Frau Burghauptmann Franziska Nentwig
Die neue Frau Burghauptmann, Franziska Nentwig Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das Gute bewahren und Neues entwickeln. Nach der Präsidentin der Klassikstiftung eine weitere "starke Frau" an der Spitze einer bedeutenden Thüringer Kultureinrichtung: Das zeige nicht nur, dass eine neue Zeit anbreche, sagt Hoff: "Das tut dem Kulturbetrieb gut."

Kontinuität und Innovation

Schon in ihrer Antrittsrede macht Franziska Nentwig klar, wie sie Kontinuität und Innovation unter einen Hut bringen will. Sie benennt "Liebe, Wertschätzung und Hochachtung" für die Burg als Konstante für die Arbeit der Burghauptleute. Die großen Themen der Wartburg – Heilige Elisabeth, Sängerkrieg, Luther – müssten aber auch künftig Menschen erreichen. Denn durch die gesellschaftlichen Umbrüche geschehe Kulturvermittlung heute anders als früher.

Es wird spannend sein, Konzepte zu entwickeln, wie man diese Themen für die jungen Menschen der Gegenwart aufbereitet, dass sie interessant sind und Lust auf mehr machen.

Franziska Nentwig

Analoge Kulturangebote haben starke digitale Angebote als Begleiter bekommen, benennt sie eine Herausforderung. Die andere sei das "Wiedererwachen" nach der Corona-Pandemie. Das müsse möglichst kreativ gestaltet werden, sagt Nentwig, und zwar so, dass die Burg ein großes Besucherecho erlebt. Denn die Wartburg muss ihren Betriebsunterhalt selbst erwirtschaften. Stärken will sie daher auch die Strahlkraft des Weltkulturerbes außerhalb Thüringens.

Mehrere Menschen bei einer Feier im Palas der Wartbaurg.
Corona-Sitzordnung im Festsaal des Palas: rund 70 geladene Gäste verfolgten den Festakt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Sie will weniger bekannte Wartburg-Themen neu formen, nennt als Beispiel die demokratischen Traditionen, die an das Wartburgfest von 1817 anknüpfen, als Studenten einen Nationalstaat forderten. Mit geeigneten Narrativen ließen sich die Visionen der jungen Menschen von damals jungen Menschen von heute nahebringen, sagt Franziska Nentwig.

Kein Problem mit männlichem Titel

Dass ihr der altertümliche Titel "Burghauptmann" in der männlichen Form erhalten bleibt und nur "Frau" vorangestellt wird, damit kann die neue Chefin leben: es sei ja durch den Zusatz klar, dass nun eine Frau das Amt ausübe. "Ich habe keine Probleme damit, insofern sollte es die Welt vielleicht auch nicht haben", sagt sie und lacht.

Als Erstes will sie ab Donnerstag alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wartburg-Stiftung und der Wirtschaftsbetriebe kennenlernen. Nur als Team ließen sich die Herausforderungen bewältigen.

Epoche auf der Wartburg geht zu Ende

Beim Festakt im Palas der Wartburg hatte der Kulturminister zuvor den Vorgänger gewürdigt. Eine Epoche gehe zu Ende, sagte Hoff angesichts der 26-jährigen Amtszeit von Günter Schuchardt. Er habe mit seiner "klugen, stillen Art" sowohl auf der Wartburg wie auch im Museumsverband die Thüringer Kultur geprägt und sei mitverantwortlich dafür, dass die Wartburg zum UNESCO-Weltkulturerbe wurde.

Menschen bei einer Feier im Palas der Wartbaurg.
Am Ende des Festaktes gab es "standing ovation" für den scheidenden Burghauptmann und seine Nachfolgerin. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Hoff lobte viele großartige Ausstellungen und nannte als Höhepunkt die Nationale Sonderausstellung "Luther und die Deutschen" zum Reformationsjubiläum 2017. Schuchardt hinterlasse große Spuren im Freistaat, er werde ihn als Burghauptmann vermissen, so der Minister. Doch freue er sich auch auf die Nachfolgerin, die vielleicht kleinere Füße, aber "den Anspruch habe, genauso große Fußstapfen zu hinterlassen".

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Juni 2021 | 16:30 Uhr

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