Offener Brief Eskalation im Streit um den Schutz der Apfelstädt vorerst gestoppt

Was führt dazu, dass der Fluss Apfelstädt im Landkreis Gotha immer häufiger trockenfällt? Die Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" sieht im Wassermanagement an der Talsperre Tambach-Dietharz einen wichtigen Grund. Im Streit mit dem Thüringer Umweltministerium scheint sich jetzt der Umgangston zu entspannen.

Der Fluss Apfelstädt im Januar 2022
Die Apfelstädt im Januar 2022 Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

In einem offenen Brief an das Thüringer Umweltministerium wehrt sich die Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" gegen eine Abwertung des ehrenamtlichen Engagements für den Schutz des Flusses.

Anlass ist die Bewertung auf der Webseite des Ministeriums zu einem unabhängigen Gutachten zur Wasserführung der Apfelstädt. In dem Text dort war zu lesen, der Autor habe absichtlich falsche Schlussfolgerungen aus seiner Datenanalyse abgeleitet: "Die Ableitung des Gutachtens, dass die Ursache des verstärkten Trockenfallens in den Jahren 2018 bis 2020 nicht der Klimawandel war, ist absichtsvoll falsch - weil die Apfelstädt, die schon immer geologisch bedingte Trockenphasen kannte, sehr wohl auf die Klimaveränderungen reagiert und ohne Talsperre (samt Westringkaskade) in den Trockenphasen nicht besser dastünde, sondern schlechter." Darüber hinaus hatte das Ministerium Professor Michael Stützer als Gutachter der Bürgerinitiative bezeichnet. MDR THÜRINGEN hatte Stützer zuvor mehrfach versichert, er habe die Datenanalyse ehrenamtlich und kostenlos erstellt, ohne dafür einen Auftrag zu haben.

Ausschnitt Website Umweltministerium Apfelstädt
Eine ältere Version des Textes auf der Website des Ministeriums. (Datum: 04.02.2022) Bildrechte: Freistaat Thüringen / Umweltministerium

Umweltstaatsekretär beantwortet offenen Brief sofort

Der Sprecher der Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt", Rico Heinemann, wirft dem Thüringer Umweltministerium in dem am Dienstag veröffentlichten Brief vor, den sachlichen Diskurs der Anhörung im Landtag zum Thema Apfelstädt zu diskreditieren. Der veröffentlichte Text zeuge "von einem fragwürdigen Macht- und Selbstverständnis". Gleichzeitig betont Heinemann, die Bürgerinitiative stehe für sachlichen Austausch zur Verfügung.

Umweltstaatssekretär Olaf Möller hat den offenen Brief bereits beantwortet. Darin sagt er zu, das Ministerium werde auf weitere Unterstellungen verzichten. Außerdem versichert er, sein Haus wolle sich in aller Sachlichkeit zu den Gegebenheiten an der Apfelstädt verständigen. Parallel wurde der umstrittene Text auf der Webseite des Ministeriums geändert.

Keine Annährung zur Frage der Wasserführung im Flussbett

An der Talsperre Tambach-Dietharz entnimmt die Thüringer Fernwasserversorgung als Betreiberin seit Mitte 2020 größere Mengen Wasser und betreibt damit über eine alte Trinkwasserleitung zwei Wasserkraftwerke, die nicht an der Apfelstädt liegen. Der Streit um die Frage, ob die Produktion von Öko-Strom aus Wasserkraft oder eine ausreichende Abgabe von Wasser zum Schutz des Ökosystems am Fluss Vorrang haben soll, schwelt seit fast anderthalb Jahren. Dabei war der Umgangston in der Auseinandersetzung von beiden Seiten immer wieder verschärft worden.

Die Apfelstädt fällt regelmäßig trocken und hatte in den letzten Jahren immer häufiger und auf immer längeren Abschnitten kein oder fast kein Wasser geführt. In der sachlichen Auseinandersetzung um die Frage, wie der Fluss vor wiederholter Austrocknung geschützt werden kann, gibt es nach wie vor keine Annäherung zwischen der Bürgerinitiative und dem Ministerium.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 08. Februar 2022 | 18:16 Uhr

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