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AnhörungKeine Annäherung im Konflikt um mehr Wasser für die Apfelstädt

von Loréne Gensel, MDR THÜRINGEN

Stand: 21. Januar 2022, 05:00 Uhr

"Die Apfelstädt braucht mehr Wasser, sonst stirbt sie!" Das sagen besorgte Anwohner der Orte am Fluss, seit der in den vergangenen Jahren immer häufiger trockenfällt. In der Anhörung zu einer Petition wurde am Donnerstagabend im Thüringer Landtag diskutiert, ob und wie die Talsperre Tambach-Dietharz wieder mehr Wasser abgeben könnte. Eine Lösung des Konfliktes zeichnet sich nicht ab.

Eine Anhörung im Thüringer Landtag brachte am Donnerstagabend keine Annäherung im Streit um die Wasserabgabe aus der Talsperre Tambach-Dietharz in den Fluss Apfelstädt. Bei der Diskussion über eine Petition, die die regionale Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" mit 1.682 Unterstützerunterschriften vorgelegt hatte, zeigten sich stattdessen erneut die verhärteten Fronten zwischen Mitgliedern der BI und dem Thüringer Umweltministerium. So forderte die Anwältin der Bürgerinitiative, Angela Markert, die Entnahme von Wasser aus dem Staubecken zum Betreiben von zwei Kraftwerken einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen.

Mitte 2020 hat die Thüringer Fernwasserversorgung eine "Westringkaskade" genannte alte Trinkwasserleitung reaktiviert und leitet damit Wasser zu zwei Kraftwerken bei Gotha und bei Erfurt. Seitdem wird weniger Wasser in den Fluss abgegeben. Markert schlug vor, dieses Vorgehen in einem rechtsstaatlichen Verfahren zu legitimieren, in dem auch eine Bürgerbeteiligung vorgeschrieben ist. Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller sagte vor dem Petitionsausschuss, wenn das möglich wäre, würde sein Ministerium diesen Weg gehen, um den Konflikt zu befrieden. Man dürfe die Rechte der Thüringer Fernwasserversorgung auf die Nutzung der Talsperre aber nicht auf den Prüfstand stellen.

Bürger und Ministerium streiten über den natürlichen Zustand der Apfelstädt

Die Apfelstädt führt regelmäßig Niedrigwasser oder trocknet streckenweise auch ganz aus. In den vergangenen Jahren hatten sich solche Zeiten gehäuft. Die Bürgerinitiative befürchtet, dass der Lebensraum am Fluss durch die reduzierte Abgabe von Wasser in das Flussbett auf Dauer geschädigt wird. Die Mitglieder fordern deshalb, das Thüringer Umweltministerium möge an der Talsperre Tambach-Dietharz ein verändertes Wassermanagement durchsetzen. Das Interesse der Thüringer Fernwasserversorgung, mit dem Wasser aus dem Stausee Strom zu erzeugen und Geld zu verdienen, sei legitim. Der Preis dafür dürfe aber nicht der Verlust eines gesamten Fluss-Ökosystems sein.

Vertreter der BI und Staatssekretär Möller stritten im Laufe des Abends um die Frage, wie das natürliche Ökosystem am Fluss eigentlich aussieht. Anwältin Markert pochte darauf, dass der Zustand, in dem der Fluss und seine Auen in den letzten 15 Jahren waren, zu schützen sei. Daran lasse das Naturschutzrecht keinen Zweifel. Staatssekretär Möller hielt dem entgegen, der normale Zustand des Flusses sei der vor dem Bau der Talsperre im Jahr 1905. In diesem Zustand würde der Fluss auf natürliche Weise immer wieder trockenfallen und der Klimawandel verstärke diesen Effekt nur. Die Regulierung des Flusses durch die Talsperre sei ein künstlicher Eingriff.

Die Apfelstädt unter der Autobahnbrücke bei Wechmar im Kreis Gotha. Nach Schneefällen und Regen im Thüringer Wald führt der Fluss ganz normal Wasser. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Gothaer Landrat fordert Talsperrenmanagement im Sinne des Flusses

Der Gothaer Landrat Onno Eckert (SPD) sagte in der Anhörung, das Anliegen der Bürgerinitiative habe jede Unterstützung verdient. Der Gothaer Kreistag habe sich der Petition mit einem Mehrheitsbeschluss angeschlossen. Er sehe im künstlich geschaffenen System der Talsperren ein adäquates Hilfsmittel, so Eckert, um das Ökosystem Apfelstädt zu bewahren. Der Landrat forderte das Umweltministerium auf, die "Westringkaskade" so lange außer Betrieb zu nehmen, bis eine Umweltverträglichkeitsprüfung beendet ist und die Ergebnisse diskutiert sind. Ansonsten könnten die Apfelstädt und ihre Auen in einem möglichen neuen Trockensommer unumkehrbar geschädigt werden.

Vor dem Gebäude des Landtages hatten etwa 25 Demonstranten einen besseren Schutz des Flusses gefordert. Wie mit der Petition der Bürgerinitiative weiter verfahren wird, entscheiden die Abgeordneten des Ausschusses in einer der nächsten Sitzungen.

Menschen protestierten mit einem Plakat vor dem Landtag. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Quelle: MDR

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Januar 2022 | 22:00 Uhr