Autofahrer bremst bewusstlose Fahrerin aus A4-Lebensretter: "Bestimmt 100 Fahrzeuge vorbeigefahren und niemand hat den Notruf gewählt"

Ein Zeitsoldat der Bundeswehr hat auf der A4 bei Gotha ein Auto ausgebremst, dessen Fahrerin am Steuer bewusstlos geworden war. Im Gespräch mit MDR THÜRINGEN berichtet der Lebensretter von der Situation - und sagt auch: Viele hätten nicht geholfen.

Als eine Autofahrerin mitten auf der A4 in Thüringen das Bewusstsein verloren hatte, reagierte ein anderer Fahrer geistesgegenwärtig und bremste mit seinem eigenen Fahrzeug das Auto der Frau aus. Der Wagen konnte so gestoppt und Schlimmeres verhindert werden. Im Interview mit MDR THÜRINGEN beschreibt der A4-Lebensretter die brenzlige Situation. Und er appelliert an die anderen Verkehrsteilnehmer, Zivilcourage zu zeigen.

Fahrzeug der Bewusstlosen zog leicht in die Fahrbahnmitte

Denis Gebhardt war auf dem Weg nach Hause, als ihm auf Höhe der Abfahrt Mühlberg im Kreis Gotha das Fahrzeug aufgefallen war. Das Warnblinklicht war eingeschaltet und das Fahrzeug zog leicht in die Fahrbahnmitte. Um nachzusehen, was los war, fuhr der 29-jährige Zeitsoldat neben das Auto und sah eine bewusstlose Frau am Steuer und ein kleines Kind auf dem Beifahrersitz. "Das Kind hat zu mir Blickkontakt aufgenommen", berichtet Gebhardt. "Von da an war eigentlich klar, jetzt muss gehandelt werden."

Gebhardt schiebt Auto erst in die Spur und bremst es dann ab

Gebhardt entschied sich, das Fahrzeug der Frau erst mit seinem eigenen Auto - Seitenspiegel an Seitenspiegel - auf die rechte Fahrbahn zu drücken. Anschließend fuhr er vor das Fahrzeug und bremste es aus - so lange bis der Motor ausging.

Als das Auto endlich zum Stehen kam, hielt Gebhardt mit seinem eigenen Wagen auf dem Seitenstreifen, schob dann das Unfallfahrzeug von der Fahrbahn und kümmerte sich um die beiden Insassen. Nachdem das Kind hinter der Leitplanke in Sicherheit gebracht war, kümmerte er sich um die Frau und leistete Erste Hilfe. Vorher hatte Gebhardt bereits den Rettungsdienst informiert.

Retter Denis Gebhardt aus Weimar 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 17.06.2021 19:00Uhr 01:14 min

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Lebensretter appelliert an andere Verkehrsteilnehmer

Trotz seines Einsatzes sieht Gebhardt sich nicht als Held. "Es ist selbstverständlich für mich, dass so etwas gemacht werden muss: Wenn jemand Hilfe braucht, kriegt er Hilfe", sagt er im Gespräch mit MDR THÜRINGEN. Und appelliert an die Zivilcourage anderer Verkehrsteilnehmer: "Es sind bestimmt 50 bis 100 Fahrzeuge an diesem Fahrzeug vorbeigefahren, die mit Sicherheit gesehen haben, irgendetwas stimmt da nicht. Und keiner war in der Lage, sein Telefon rauszuholen und den Notruf zu wählen." Niemand müsse sich selbst in Gefahr bringen, doch jeder könne den Notruf wählen, damit Menschen in Not geholfen werden kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 17. Juni 2021 | 19:00 Uhr

19 Kommentare

Harka2 vor 5 Wochen

@knarf2
Falsch. Ich finde die Tat des Mannes absolut vorbildlich, seine danach ausgesprochenen pauschalen Tadel aber völlig überzogen. Was haben die anderen Autofahrer erkennen können? Letztlich nur, dass da jemand wohl eine Panne hat und auf dem Standstreifen steht. Das ist auf der Autobahn nichts ungewöhnliches, zumal beide Autos in Takt erschienen. Da ruft niemand den Notruf! Die Notlage der Frau war nicht erkennbar, als das Auto erst mal stand und da dort Menschen rumliefen, kann man davon ausgehen, dass diese die Lage besser einschätzen können und die tatsächlich nötige Hilfe ordern. Die Entscheidung liegt da zwischen Freunden, ADAC und dem Hubschrauber.

Ich selber habe schon LKW auf der Autobahn angehalten, als ich einen Platten bei ihnen bemerkte, ich habe schon einen PKW gelöscht (er war der Unfallverursacher) und erste Hilfe geleistet. Ich habe schon den Notruf getätigt. Nur würde ich in dem Fall nicht vermuten, dass meine Hilfe nötig gewesen wäre.

knarf2 vor 5 Wochen

Harka:Das klingt so als ist es Ihnen eigentlich egal was passiert wäre wenn der Kraftfahrer nicht so gehandelt hätte.Vor dieser Art von Mut und Hilfsbereitschaft kann man nur den Hut ziehen!Ich glaube die wenigsten von uns hätten so gehandelt telefonisch Hilfe holen kann aber jeder!

vermittler vor 5 Wochen

Das stimme ich Ihnen voll zu! Allerdings könnte es sein, dass sich viele in der regierungsführenden Partei in Thüringen damit sehr schwer tun könnten, den Mann in die Staatskanzlei zu bitten und ihm die Hand zu schütteln. Er trägt eine eine Uniform - im Duktus vieler Linker ist er also ein potentieller M...

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