Bundesgartenschau Wandeln durch historisches Grün am Buga-Außenstandort Gotha

Die historische Wasserkunst, der englische Park, die Orangerie - die Residenzstadt Gotha hat geschichtlich Einiges zu bieten. Am Außenstandort der Bundesgartenschau lässt es sich auch so gemütlich schlendern, doch wer einen ortskundigen Stadtführer dabeihat, erfährt Details, die ihn womöglich staunen lassen. Ein Spaziergang durch Gotha - die Stadt der Gärten und Parks.

Schloss Friedenstein Gotha von der Wasserkunst aus
Historische Wasserkunst mit Steinfiguren, Blick zum Schloss Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

Das Wasser sprudelt vor dem Schloss aus einer Fontäne, steinerne Figuren wie Echse, Frosch, Hummer und Schildkröte speien weiteres dazu. Etwa 72 Meter weit fließt und fällt es über mehrere Ebenen in Richtung Hauptmarkt. Die Ende des 19. Jahrhunderts gebaute Brunnenanlage gehört nicht nur zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Gotha, sie wurde auch passend zur Buga liebevoll bepflanzt.

Jetzt zwischen Mai und Juni tauschen die Wechselflorbeete ihr Gewand. Statt Narzissen und Kaiserkronen stecken nun Begonien, Petunien und Fuchsien in der Erde - bereit, sich zur Hochzeit im Juli von ihrer besten Seite zu zeigen. 2.000 Pflanzen auf 200 Quadratmetern.

In diesem Jahr soll das Blumenmeer - passenderweise - optisch an Pflanzbilder aus der Mitte des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts erinnern. Das Prinzip: Alle Blumen werden bunt gemischt gepflanzt. So soll, erklärt Parkverwalter Jens Scheffler, von Weitem der Eindruck eines Emaille-Schmuckstücks entstehen.

Wasserkunst in Gotha mit Blick zum Rathaus
Blick von der Wasserkunst zum Rathaus Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

Durch steinerne Torbögen gelangen Besucher in einen der vielen verbundenen Parks der Stadt, die im englischen Stil angelegt wurden: geschwungene Wege und große Bäume, die durch ihre bewusste vereinzelte Platzierung den Blick auf besondere Highlights lenken. Wer sich zurück in die Zeit der damaligen Gönner denken will, kann sich auch von der Herzogin persönlich (verkörpert von einer Gothaer Stadtführerin) durch die Parklandschaften führen lassen und erfährt dabei neben gärtnerischem Hintergründen auch das eine oder andere Detail über das herzogliche Liebesleben.

Wo einst Orangen reiften...

Vom Park aus sind es nur wenige Gehminuten bis zur Orangerie. Auf der Barock-inspirierten Anlage mit Springbrunnen wuchsen Ende des 18. Jahrhunderts fast 3.000 Pomeranzen-, Zitronen-, Lorbeer- und Ananaspflanzen. Wer damals als Fürst etwas auf sich hielt, baute tropische Gewächse an. Die "goldenen Früchte" waren Statussymbole, die in Treibhäusern rund um die Schmuckanlage überwinterten.

Die Orangerie in Gotha
Blick auf die Orangerie: Heute bestimmen Blumen das Bild. Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

Heute prägen dort Blumen das Bild. An die herzogliche Vergangenheit erinnern aber noch immer grün-weiße hölzerne Pflanztöpfe und extra zur Buga auch: eine neue Ausstellung im ehemaligen Orangenhaus. Die Geschichte des sogenannten Gothaer "Pomeranzentheaters", das Wissen über den mediterranen Pflanzenanbau, historische Orangen-Rezepte, aber auch Kunst, die sich mit der besonderen Bedeutung der Zitrusfrüchte auseinandersetzt, werden hier zusammengefasst. Ab dem 11. Juni wird die Ausstellung "Im Garten der Goldenen Früchte" für Besucher geöffnet.

Sammelleidenschaften vereint

An einer anderen Parkecke am Fuß Schloss Friedensteins hält das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Herzogliche Museum ebenfalls eine Buga-passende Ausstellung bereit. Neben den dauerhaft ausgestellten Sammelleidenschaften der Gothaer Herzöge aus Vasen, Schmuck und Kunst liegt in diesem Jahr ein Augenmerk auch auf den Lebewesen, die in keinem Garten fehlen dürfen: den Insekten. Hier sind sie in Original- und Übergröße zu bestaunen, in ihrer schier unendlichen Artenvielfalt. Gemeinsam mit der neuen Ausstellung über Dinosaurier und deren Darstellung im Laufe der Zeit ("Saurier - Die Erfindung der Urzeit") warten die Exponate ab dem 5. Juni auf neugierige Besucheraugen.

Straße zur Gartenstadtsiedlung, Am Schmalen Rain
Die Gartenstadtsiedlung "Am schmalen Rain" wurde im Bauhaus-Stil erbaut. Das Besondere: Zu jedem Haus gehört ein eigener Garten. Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

Doch nicht nur in Museen ist Gothas besondere Verbindung zum Gartenbau erkennbar. Bauhaus-Liebhabern empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Gartenstadtsiedlung "Am Schmalen Rain" im Südwesten der Stadt - ein Kleinod aus bunten Häusern, zwischen denen die Zeit stillzustehen scheint.

Stadtführer Hans-Ulrich Zwetz erklärt mit Begeisterung, wie die Siedlung kurz nach dem Ersten Weltkrieg für die Baugenossenschaft der hiesigen Eisenbahner entworfen wurde. Das Besondere: Jedes Haus der U-förmig ausgerichteten Anlage hat nicht nur vor, sondern auch hinter dem Haus einen eigenen Garten. Seit 2001 steht die Siedlung unter Denkmalschutz, inzwischen ist sie frisch herausgeputzt.

Historische Wurzeln zwischen Rhododendron

Garten- und Parkbau in Verbindung mit Geschichte - das ist in Gotha an fast jeder Ecke spürbar. Eindrücklich deutlich wird es auch bei einem Spaziergang über den Hauptfriedhof. Der ist so besonders angelegt und gestaltet, dass er in den 1920er-Jahren zu den schönsten Friedhöfen Thüringens zählte. Auf rund 20 Hektar gibt es rund 2.000 verschiedene Pflanzen, darunter mehr als 36 Rhododendron-Arten und natürlich eindrucksvolle Grabmäler bedeutender Gothaer Persönlichkeiten.

Ein Blick auf den Lageplan macht eine weitere Besonderheit deutlich: Der mittlere Abschnitt ist in Form einer Geige arrangiert, mit einer Christuskreuz-artigen Wegestruktur, und symbolträchtig angeordneten Blutbuchen und Rotdorn-Pflanzen.

Stadtführer Hans-Ulrich Zwetz auf dem Gothaer Hauptfriedhof
Stadtführer Hans-Ulrich Zwetz kennt die besondere gärtnerische Struktur des Hauptfriedhofs wie seine Westentasche. Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

Es empfiehlt sich, auch bei diesem Rundgang einen Stadtführer zur Seite zu haben. Zwetz etwa kann nicht nur die lateinischen Inschriften übersetzen und zuordnen, er findet auch im etwas wilderen Teil des Friedhofs zielsicher und mit dem Eifer des Entdeckers historisch besonders bedeutsame Gedenksteine und weiß, mit den entsprechenden Biografien und Geschichten aufzuwarten.

Wer Pflanzen liebt und sich für Geschichte begeistern kann, der liegt - besonders im Buga-Jahr - mit einem Besuch in der historischen Residenzstadt goldrichtig und kann - mit etwas Hilfe - auch abseits der großen Pfade eine Menge entdecken. Für zehn (ermäßigt vier) Euro öffnen die Museen im Schloss Friedenstein, im Ekhof-Theater und im Herzoglichen Museum ab Samstag ihre Türen. Thematische Führungen durch die Parkanlagen sind für rund sechs bis acht Euro buchbar. Das individuelle Wandeln durchs historische Grün steht natürlich Jedem frei.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 13.05.2021 19:00Uhr 03:04 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. Juni 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

DermbacherIn vor 19 Wochen

@ Johanna Kiesler
Was haben denn die Architekten Richard Neuland und Bruno Tamme?
Mit Verlaub, Frau Johanna Kiesler da ist ihnen wohl ein Fehler unterlaufen, denn die Gartenstadtsiedlung "Am Schmalen Rain" hat nichts mit dem Bauhaus zu tun, Nichteinmal mit der Bauhausidee.
Die Siedlung ist aber trotz alledem sehr sehenswert!

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