Umweltverschmutzung Das Problem illegaler Müllentsorgung im Landkreis Gotha

Im Landkreis Gotha, so ist es MDR-AKTUELL-Hörerin Kerstin Ketzenberg schon häufiger aufgefallen, landet einiges an Müll in der Natur. Wer genau muss den Müll entsorgen, möchte die Hörerin wissen? Welche Kosten entstehen dabei und wird ab und an eigentlich auch mal jemand erwischt?

Müll in der Landschaft
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Ronny Arnold

Frank Spiegler arbeitet für den Kommunalen Abfallservice (KAS) im Landkreis Gotha. Auf einer seiner täglichen Touren findet er eine Matratze, vier Autoreifen, ein schönes Fahrrad, Müllsäcke, leere Kanister.

Es ist der Ertrag eines Vormittags, den der Entsorger des illegal abgeladenen Mülls präsentiert. Gesammelt auf wenigen hundert Metern an einer Gothaer Ausfallstraße. Es ist bei Weitem nicht der einzige Ort dieser Art im Landkreis, den Spiegler kennt und regelmäßig anfährt.

Illegale Müllentsorgung als generelles Problem

Spiegler sagt: "Es ist ja tagtäglich so. Und das ist nicht nur in Gotha so, es ist in Waltershausen, es ist in Ohrdruf. Es gibt überall solche Ecken, wo die Leute ihren Gartenabfall entsorgen, Bauschutt, Autoreifen, Möbeleinrichtungen, alles. Manche Leute machen sich einen Sport draus, das lieber weiter in den Wald zu fahren, als es auf dem Wertstoffhof abzugeben."

Manche Leute machen sich einen Sport draus, das lieber weiter in den Wald zu fahren, als es auf dem Wertstoffhof abzugeben.

Frank Spiegler Kommunaler Abfallservice (KAS)

Sieben solcher Höfe gibt es allein im Landkreis Gotha, die meisten haben von Dienstag bis Samstag geöffnet. Zudem können fast alle Sachen, die hier die Landschaft verschandeln, dort kostenlos abgegeben werden.

Doch manche Mitmenschen machen sich offensichtlich lieber strafbar, meint Spieglers Chef, Sebastian Fischer, und entsorgen ihren Müll illegal. Für den Landkreis entstehen hohe Kosten. Und es wird nicht weniger.

Orangefarbenes Müllfahrzeug mit Autoreifen auf der Ladefläche
Das Ergebnis einer Vormittags-Tour von Frank Spiegler. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Ronny Arnold

Steuerzahler tragen hohe Kosten, niedrige Aufklärungsquote

Sebastian Fischer erklärt: "Es sind 120.000 Euro im Jahr, die wir hier aufwenden müssen für die Entsorgung dieser Abfälle und die Einsammlung. Und das trifft die Allgemeinheit, sprich den Steuerzahler. Tendenziell ist es schon so, dass in den letzten Jahren eine Zunahme der illegalen Abfallablagerungen zu erkennen ist."

Die Aufklärungsquote hingegen sei niedrig, so Fischer. Kaum jemand werde erwischt, obwohl das Strafgeld einige Tausend Euro betragen kann: "Also jemanden tatsächlich zu erwischen, ist relativ schwierig. Auch im Nachgang, etwa Ordnungswidrigkeitsverfahren durchführen zu können. Da hat es die untere Abfallbehörde schwierig und da sind Zeugen diejenigen, die uns da tatsächlich weiterhelfen können."

Illegale Entsorgung per App melden

Doch Zeugen gibt es kaum. Was jetzt aber zumindest ein wenig helfen könnte, ist eine neue App namens "Meine Umwelt", über die man illegale Müllplätze melden kann. Nils Fröhlich vom Thüringer Umweltministerium erklärt zu der App: "Im nächsten Schritt kann ich dann ein Foto von der Situation vor Ort aufnehmen, dann den Standort kontrollieren und dann die Meldung absenden."

Die App trage den Wünschen vieler Menschen Rechnung, sich an der Beseitigung von Müllablagerungen zu beteiligen und diese auch zu melden. "Und wir haben mit Stand letzter Woche ungefähr 860 Meldungen, die schon eingegangen sind", so Fröhlich. Die App werde rege genutzt.

Gut so, meint Nils Fröhlich, denn Müll in der Natur sei auch gefährlich: "Belastung des Bodens zum Teil, Tiere können sich verletzen, Flüssigkeiten können austreten, wenn es sich zum Beispiel um Kühlschränke handelt oder um elektrische Geräte."

Ganz selten kommt Frank Spiegler sogar dazu, wenn Umweltsünder gerade frisch am Werk sind. Geschnappt hat er aber noch keinen: "Ich bin ja nun nicht von der Polizei und kann da ja nicht noch hinterher sausen." Und so sammelt Spiegler kopfschüttelnd ein, was seine Mitmenschen hinterlassen haben.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 05. Oktober 2022 | 06:23 Uhr

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