Hülle mit "falschem" Inhalt Ägyptischer Mumiensarg aus Gotha wird restauriert

Die Stiftung Schloss Friedenstein lässt einen ägyptischen Mumiensarg aus ihren Beständen ab Oktober in Berlin restaurieren. Der zwei Meter lange Holzsarg war im Jahr 1848 als Geschenk des englischen Prinzgemahls Albert nach Gotha gelangt. Der Inhalt war damals wie heute aber ein anderer als es die Außenhülle des Sarges ahnen lässt.

Blick in die Ägyptenausstellung im Museum Schloss Friedenstein in Gotha
Blick in die Ägyptenausstellung im Museum Schloss Friedenstein in Gotha Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Lutz Ebhardt

Es ist der Mumiensarg des Nes-pa-aa, der Anfang Oktober auf Reisen geht. In Berlin soll er von Tatjana Lamfried grundlegend restauriert werden. Sie hatte bereits 1998 und 2010 zwei Mumien aus dem Bestand der Stiftung Schloss Friedenstein restauriert. Noch liegt er im klimatisierten Schrank im Depot der Stiftung im Perthes-Forum. Möglich ist die Restaurierung nur durch großzügige Spenden des Freundeskreises der Kunstsammlung Gotha. 12.000 Euro wird die grundlegende Aufarbeitung des Mumiensarges kosten. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann kehrt der Sarg des Nes-pa-aa zurück nach Gotha und wird 2023 in einer Ausstellung über Freimaurertum zu sehen sein.

Deckel des Mumiensargs des Nes-pa-aa im Ägyptendepot des Perthesforums
Uta Wallenstein vor dem Deckel des Mumiensargs des Nes-pa-aa Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Conny Möller

Ein Geschenk von Prinzgemahl Albert

Zwei Meter lang ist der ägyptische Mumiensarg und aus Holz. Er ist farbenprächtig bemalt mit Bildern verschiedener Gottheiten. Er stammt aus dem 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus. Nach Gotha kam er 1848 von London aus als Geschenk von Prinzgemahl Albert, des Gemahls Queen Victorias, an seinen in Gotha regierenden Bruder Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Uta Wallenstein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ägyptenabteilung im Herzoglichen Museum und kennt die Geheimnisse und Geschichten dieses Sarges. Gefertigt wurde der Sarg für einen hohen ägyptischen Würdenträger namens Nes-pa-aa. Er war Vorsteher und Hüter am Tempel des Osiris.

Mehrere Särge schützten die Mumie

Ein Außensarg aus Holz war typisch für hohe Beamte, sagt Uta Wallenstein. In diesen bis zu drei Außensärgen steckte ein Innensarg aus Kartonage. Alles zusammen diente dem Schutz der Mumie. Das Ganze funktionierte nach einer Art Matroschka-Prinzip. Außensärge aus Edelmetall waren nur den Pharaonen vorbehalten. Die Kartonagesärge wurden in einer Art Pappmaché-Technik gefertigt, erklärt Wallenstein. Die alten Ägypter verklebten dazu mehrere Schichten Leinen und Papyrus mit Tierleim.

Ägyptische Mumiensärge in einer Vitrine
Ägyptische Mumiensärge in der Ausstellung in Gotha Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Falsches "Etikett" oder falscher Inhalt?

Die Darstellung der Hände auf dem Sarg gab den Wissenschaftlern den Hinweis - hier lag ein Mann drin, so Uta Wallenstein. Denn die Hände sind zu Fäusten geballt. Doch der Innensarg, der mit dem Sarg des Nes-pa-aa nach Gotha kam, offenbarte eine Frauenmumie. Zu erkennen war das zum einen an dem hell gemalten Hautton im Gesicht und natürlich an der Aufschrift. In Hieroglyphen steht dort: "Sängerin am Tempel des Amun in Theben und Hausherrin". Letzteres sagt aus, die Frau war verheiratet. Auf ihrem Außensarg wären geöffnete Hände aufgesetzt gewesen. Wo der allerdings verbleiben ist, ist unklar. Ebenso wie das postume Schicksal des Nes-pa-aa. Ob seine Mumie ebenfalls nach England gelangte oder aber in Ägypten verblieb ist unklar, sagt Uta Wallenstein. Allerdings sei es damals nicht unüblich gewesen, gemischte Sargensemble zu verschicken. Den Besitzern ging es mehr um die Vielfalt und Schönheit der Mumien, sagt sie, als um wissenschaftliche Aspekte.

Mumie ist in der Ägyptenausstellung zu sehen

Die Mumie der Sängerin am Tempel des Amun in Theben aus dem Jahre 945 - 800 vor Christus wurde bereits restauriert und ist in voller Schönheit in der Ägyptenausstellung im Herzoglichen Museum in Gotha zu sehen. Bevor sie restauriert wurde, wurde die Mumie ins CT geschoben. Möglich machten das zwei Gothaer Ärzte. Abgeholt für die Untersuchung wurde die Mumie der Sängerin 2010 nicht mit dem Krankenwagen. Sie wurde mit dem klimatisierten Museumstransporter gefahren. Die Wissenschaftlerin Uta Wallenstein bekommt noch heute Gänsehaut, wenn sie davon erzählt. Die Mumie im Computer-Tomographen scheibchenweise zu sehen, sei wie ein Kennenlernen gewesen.

Kartonagesarg einer Frauenmumie
Der Kartonagesarg der Sängerin am Tempel des Amun in Theben Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Die Euphorie der Wissenschaftler habe sich damals auf die Ärzte übertragen. Mit Hilfe der CT-Bilder konnten Aussagen über Krankheiten, Alter oder Todesursache getroffen werden. Die Mumie der Tempelsängerin war 30 bis 40 Jahre alt. Und die Frau war mit 1,65 Metern unerwartet groß, lächelt Wallenstein. Einen Schreck habe man bekommen, als man sah, dass die Frau scheinbar enthauptet wurde. Doch es stellte sich heraus, dass es sich dabei nur um eine spezielle Mumifizierungstechnik handelte.

Die Technik der Mumifizierung

Für die perfekte Mumifizierung wurde den Menschen im alten Ägyptern das Gehirn herausgenommen. Außerdem wurden bis auf das Herz auch alle inneren Organe entfernt. Denn das Herz galt im Alten Ägypten als Sitz der Weisheit, des Verstandes und der Persönlichkeit. Nur durch die Entnahme der Organe konnte die Verwesung verhindert werden.

Für die Entnahme des Gehirns gab es drei Möglichkeiten, erzählt Wallenstein. Einmal war da die Enthauptung. Anschließend wurde der Kopf auf den Körper wieder aufgesetzt und mit Stängeln von Palmblättern stabilisiert. Eine weitere Möglichkeit war die Entnahme durch die Nase. Auch die Entnahme durch einen kleinen Punkt am Hinterkopf gab es. Anschließend wurden die Leichen in Natronsalz eingelegt, um die Körper auszutrocknen. Erst dann wurden sie balsamiert und bandagiert.

Parallel dazu wurden die Holz- oder Metall-Außensärge und der Innensarg aus Kartonage gefertigt. Im Falle der Tempelsängerin fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Innensarg Schicht für Schicht um einen Lehmkorpus gelegt wurde. Anschließend wurde er kunstvoll bemalt und am Rücken mit einer Art Korsettschnürung versehen. Vorsichtig legte man die Mumien damals in diese Innensärge, verschnürte diese am Rücken und legte sie in die Außensärge. Das Besondere an der Mumie der Tempelsängerin ist die vollständig erhaltene Gesichtsbemalung. Das sei sehr selten, so Wallenstein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 10. September 2021 | 18:00 Uhr

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