Luisenthal Ohratalsperre: Arbeiten am Grund des Stausees

Rund 700.000 Menschen werden mit Trinkwasser aus der Ohratalsperre versorgt. Damit dies auch zukünftig unter Einhaltung aller Vorgaben möglich ist, wird der Entnahmeturm für 1,1 Millionen Euro zusätzlich verankert.

Blick auf eine Talsperre mit Wasser-Entnahmeturm
Der Trinkwasser-Entnahmeturm im Stausee der Ohratalsperre im Kreis Gotha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tief unten im Trinkwasser-Entnahmeturm der Ohratalsperre bei Luisenthal im Landkreis Gotha wird gebohrt. Damit der Entnahmeturm auch bei Eisdruck standhalten kann, werden Anker und Pfähle durch das Fundament des Einlaufturms in den Fels getrieben. Nötig ist das, weil das europäische Baurecht den Begriff der Standfestigkeit genauer definiert. Die Thüringer Fernwasserversorgung konnte nicht nachweisen, dass der Turm in allen Punkten den Anforderungen genügt. Stauanlagen-Fachingenieur Jochen Mehl sagt, deshalb werde seit März im Turm gebaut.

Diamantbohrer und Handarbeit

Der 65 Meter hohe Entnahmeturm hat drei Einlassöffnungen auf verschiedenen Höhen, durch die das Rohwasser in ein gut ein Meter dickes Rohr und von dort in die Tiefe zum sogenannten Grundablass läuft - einem waagerechten Stollen unter dem Grund des Stausees. Während das Wasser in dem dicken Rohr senkrecht in die Tiefe stürzt, haben die Arbeiter einen längeren Weg.

Es geht über Stufen in knapp 60 Meter Tiefe, es ist kühl und feucht. Platz für große Maschinen ist hier nicht. Gebohrt wird mit einer Art großer Handbohrmaschine und diamantbesetzten Bohrkronen bis 14 Meter tief in den Fels. Die Arbeiten im Inneren des Entnahmeturmes sollen bis März 2021 abgeschlossen sein, die Kosten betragen 1,1 Millionen Euro.

Ein unteririscher Gang
Ein Gang im Absperrbauwerk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Turm in Ohratalsperre erhält mehr Gewicht

Damit der Entnahmeturm alle Normen zuverlässig erfüllt, müsste er schwerer sein. Eine der Planungen sah vor, einfach außen Gewicht mit Beton anzugießen. Schließlich haben sich die Ingenieure aber für die Variante mit sogenannten Litzenankern und Mikropfählen entschieden, so kann das Wasser in der Talsperre bleiben. Die 14 Meter langen Litzenanker bestehen aus sieben Stahlseilen, die in einem Rohr zusammen mit Beton fest mit dem Felsen verbunden werden.

Oben wird der Litzenanker mit einem schweren Dübelrohr im Fundament des Einlassturms einbetoniert. Dann werden die Stahlseile vorgespannt mit einer Zugkraft, die 110 Tonnen entspricht. Acht dieser Litzenanker werden eingebaut, dazu kommen noch einmal acht Mikropfähle, die ähnlichen Belastungen standhalten.

Geräte in einem unterirdischen Gang
Die Kosten des Umbaus an der Talsperre sollen 1,1 Millionen Euro betragen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Trinkwasser für 700.000 Menschen

Rund 700.000 Menschen werden mit Trinkwasser aus der Ohratalsperre versorgt. Hauptsächlich Mittelthüringen wird mit Wasser aus Lusienthal versorgt. Drei Stollen vergrößern das Einzugsgebiet der Talsperre. Der Gerastollen leitet das Wasser aus dem „Langen Grund“, Sieglitzbach, Kehltal, aus der „Wilden Gera“ und der „Zahmen Gera“ zur Talsperre.

Der Haselbachstollen führt das Wasser aus dem Haselbach und dem „Langen Grund“ in den Schmalwassergrund und kann je nach Bedarf der Talsperre Ohra oder der Talsperre Schmalwasser zugeleitet werden. Der Schmalwasserstollen verbindet den Haselstollen mit der Talsperre Ohra.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Thueringer Original vor 44 Wochen

Teure Investition, dafür, dass seit Jahren nichts passiert sind. Aber wenn dadurch nun wirklich kein Ausfall der Fernwasserversorgung gesichert ist, vielleicht gerechtfertigt. Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand anderes.

@Lothar Thomas: ich glaube egal ob Hochsommer oder Winter wird die Temperatur wahrscheinlich annähernd konstant sein, wie in einem Keller.

Lothar Thomas vor 44 Wochen

Rein vom Technischen her, würde mich das Projekt total interessieren.

Aber die Arbeitsausführung scheint dagegen ein knallharter Schei..job zu sein.

Das wäre mir heute nichts mehr.

Meine Hochachtung vor den Leuten, die dort vor Ort jeden Tag ihre Arbeit versehen.

Eng, Kalt, Feucht und dann immer wieder zu Fuß erst Runter und später wieder Hoch.

... und DAS jetzt bei diesen Außentemperaturen.
Im Hochsommer wäre es ja noch zu ertragen.

Echt nur was für harte Kerle.


Mal eine andere Frage, der Entnahmeturm scheint Doppelwandig zu sein, oder?
... und wieviel cbm Wasser werden über diesen Turm pro Minute entnommen?

Ich hätte da noch viele Fragen, da reichen die Zeichen hier nicht.
Jetzt bin ich aber auch zu alt um noch mal was Neues zu machen.

Vielleicht ergibt es sich doch noch einmal mehr über diese Talsperre zu erfahren.

Ansonsten wünsche ich Allen dort an der Talsperre Beschäftigen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

VIEL GESUNDHEIT

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