Waldumbau Neue Bäume braucht das Land: Thüringer Waldbesitzer fordern Hilfe

Im Thüringer Haushalt für 2022 ist kein neues Klimaschutzprogramm für den Wald vorgesehen. Die privaten Waldbesitzer forderten deshalb Hilfe von der Landesregierung, denn 36.000 Hektar Fläche müssten bewaldet werden.

Lichtung im Wald
Viele Flächen im Thüringer Wald mussten abgeholzt werden. Jetzt müssten nach Angaben von Waldbesitzern neue Bäume gepflanzt werden, die dem Klimawandel trotzen. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Thüringen wird kein neues Klimaschutz-Programm für den Wald auflegen. Forstministerin Susanna Karawanskij (Linke) sagte bei der Mitgliederversammlung der privaten Waldbesitzer in Ohrdruf, im Haushalt für 2022 sei ein solches Förderprogramm nicht mehr eingeplant. Das sei der angespannten Haushaltslage geschuldet.

Jetzt sei der Bund in der Pflicht, sagte Karawanskij. Nach ihren Angaben haben die Agrarminister der Länder den Bund dazu aufgefordert, im nächsten Jahr ein deutschlandweites Programm mit einem Volumen von 200 Millionen Euro aufzulegen. Sollte der Bund nicht aktiv werden, müsse das Land versuchen, nachzusteuern.

Prämie von Waldbesitzern sehr gut angenommen

Der Thüringer Waldbesitzerverband fordert vom Land weitere Hilfe für den Waldumbau. Laut Verbandspräsident Jörg Göring ist ein 15-Millionen-Euro-Programm des Landes für die Wälder Ende September ausgelaufen. Die Prämie sei von den Waldbesitzern sehr gut angenommen worden und müsse verlängert werden. Das bestätigt auch Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Heyn: "Die war wirklich sehr unbürokratisch und leicht handhabbar - nur das Zeitfenster war halt sehr kurz", sagte er. Es brauche aber eine dauerhafte Lösung. Viele Waldbesitzer könnten sich aktuell nicht alleine durch den Holzverkauf finanzieren.

Frisch geschlagene Baumstämme liegen im Wald.
Der Verband der Waldbesitzer: Derzeit würden keine guten Preise für Holz gezahlt. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Überangebot an Schadholz

Wegen eines Überangebots an Schadholz seien keine guten Preise mehr zu erzielen. Auch die gestiegenen Preise für Schnittholz kämen nicht beim Waldbesitzer an. Rund 36.000 Hektar Wald stünden kahl und müssten neu bewaldet werden. Der Zustand der Thüringer Wälder ist auch nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums "besorgniserregend": Trockenheit und Borkenkäferbefall hätten die Wälder in Mitleidenschaft gezogen. Die Waldbesitzer seien mit der Wiederaufforstung geschädigter Flächen finanziell überfordert. Denn die Kosten pro Hektar lägen bei bis zu 15.000 Euro. "Das wird eine Mammutaufgabe", sagte Heyn.

Das wird eine Mammutaufgabe.

Wolfgang Heyn, Geschäftsführer des Verbandes privater Waldbesitzer

Langfristig bleibe es oberstes Ziel, den Waldumbau voranzubringen und artenreiche Waldbestände unterschiedlichen Alters zu entwickeln, sagte Heyn. Statt Fichten seien zunehmend andere Baumarten gefragt, die besser mit dem Klimawandel umgehen könnten. Können sich die Besitzer die Wiederauf- und Umforstung der kahlen Stellen nicht mehr leisten, verwildere der Wald, so Heyn. Das fördere aber die Monokultur. "Da, wo bisher nur Fichte stand, wird sich auch Fichte verjüngen. Wenn wir nicht aktiv was machen, ändert sich nichts groß an unserem Waldbild."

Waldumbau oberstes Ziel

Es brauche eine verlässliche Grundlage und Planungssicherheit. Welche Bäume tatsächlich in 40, 50 oder auch 60 Jahren noch mit dem Klima klar kämen, bleibe eine große Frage. "Wir setzen jetzt auf eine breite Mischung, auf Vielfalt", erklärte Heyn. Es werde aber sicherlich auch viel "Versuch und Irrtum" geben.

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von privaten Waldbesitzern, die in Thüringen gut 125.000 Hektar Wald bewirtschaften. Das ist mehr als die Hälfte (rund 57 Prozent) der gesamten Waldfläche (220.000 Hektar) im Freistaat.

Wald im Nebel
Der Zustand der Wälder ist nach Angaben des Thüringer Landwirtschaftsministeriums besorgniserregend. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/caf

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 02. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

12 Kommentare

Professor Hans vor 2 Wochen

Part
Wenn normales Holz, Schadholz und Holz minderer Qualität für utopische Preise nach USA und Asien exportiert wird geht's den privaten Grün Röcken ausgesprochen gut. Mit dem Container von Deutschland nach China was für ein ökonomischer und ökologischer Wahnsinn. Es sollte sofort eine Exportbeschränkung für Holz erlassen werden. Keine Subventionen für diese Profitgetriebenen. Abgesehen davon werden Privatwaldbesitzer schon bei der Erbschaftsteuer begünstigt. Also spart euch eure Krokodilstränen.

Professor Hans vor 2 Wochen

Über Jahrhunderte wurden durch die privaten Waldbesitzer Gewinne eingefahren. Ich erinnere mich nicht an einen Soli für den Staatshaushalt als es brummte. Schon in den 70iger erzählte man den Menschen das der Wald in 10 Jahren ausstirbt. Natur ist Natur seit Jahrmillionen. Monokultur und Profitstreben waren jahrelang die Norm. Es gibt keinen Grund mit Steuern den Umbau und die Einkommenssituation der Waldbesitzer zu subventionieren. Millionen werden hier schon durch EU, Bund, Länder verteilt. Undurchsichtig und ineffizient. Es sind ja nur die Steuern von Otto Normalbürger. Also raus damit ? Schluß mit der Jammerei. EIGENTUM VERPFLICHTET
Wenn ihr unbedingt das Geld der Bürger haben wollt muß man den Privatforst verstaatlichen. EINVERSTANDEN

dimehl vor 2 Wochen

Wem gehört den der Wald ?
Bei manchem Waldbesitzer ist die zur Verfügungstellung öffentlicher Gelder sicher "Holz in den Wald getragen"...
Vielleicht kann der mdr das Thema ja einmal aufgreifen.

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