Sanierung Gotha: Ein neues Dach für den Westflügel von Schloss Friedenstein

Seit 2018 wird das Schloss Friedenstein in Gotha saniert. Während manche Baumaßnahmen schon abgeschlossen sind, läuft die Sanierung des Westflügels derzeit auf Hochtouren. Insgesamt sind 15 Jahre dafür vorgesehen, Deutschlands größten Schlossbau aus dem 17. Jahrhundert zu sanieren. Für das Großprojekt wurden 60 Millionen Euro veranschlagt.

Das Schloss Friedenstein in der Außenansicht
Die Außenansicht des Schloss Friedenstein während der momentanen Sanierungsarbeiten. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Seit 2018 läuft ein Großbauprojekt in Gotha: Deutschlands größter Schlossbau aus dem 17. Jahrhundert wird aufwendig saniert. Während manche Baumaßnahmen bereits abgeschlossen sind, wie die Ostturm-Sicherung und die Dachsanierung der Orangerie, ist ein großes Teilprojekt im vollen Gange. Denn auch der Westflügel benötigt ein neues Haupt.

Viel Staub wird auf dem Schloss Friedenstein aufgewirbelt, damit der Westturm eine Verankerung für die Statik bekommt. Vier Löcher sind dafür nötig, aber die lassen sich nicht mal eben auf die Schnelle durch den Beton bohren. Zwei Tage dauert es, bis ein Loch fertig ist. Ein Kraftakt also. Direkt neben den Mauern des Westturms geht es noch aufwendiger zu. Die Zimmerleute widmen sich dem letzten Meter des Daches.

Ein Mann bohrt in eine Wand
Die Bohrarbeiten im Westflügel. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Dach braucht mehr Schiefer als Thüringen hat

Im vergangenen Jahr konnte bereits der erste Bauabschnitt der Dachsanierung mit 50 Meter Länge abgeschlossen werden. In diesem Jahr zimmert das Team die Holzbalken für den zweiten Bauabschnitt, der ebenfalls 50 Meter beträgt. Auch davon sind mehr als die Hälfte bereits fertig.

Es wurden schon neue Fenster eingebaut und der Schiefer verlegt, der extra aus zwei verschiedenen Gruben aus Spanien kommt. Zum einen damit die Farbe der Platten der des Ostflügels ähnelt. Zum anderen weil es in Thüringen keine Gruben gibt, die für die Größe des Daches genügend Schiefer hergeben. Die alten Schieferplatten waren zu verschlissen, sodass sie nicht wiederverwendet werden konnten.

Dachbalken aus dem 17. Jahrhundert

Die vergangenen Jahrhunderte haben auch dem Dachstuhl zugesetzt. Die originalen Dachbalken stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Nach so einer langen Zeit ist es also kein Wunder, dass sie zum Teil verformt und verfault waren. "Die Größe des Daches mit einer Länge von 100 Metern und die Menge an Holz, die wir benötigen sind schon eine Herausforderung", sagt der Polier Gordon Buschko-Aschenbrenner. Den alten Dachstuhl konnten er und das restliche Team mit Stahlkonstruktionen und neuen Holzbalken unterstützen. Doch für die letzten 13 Sparren kommt diese Hilfe zu spät.

"Den Teil des Dachstuhls wollten wir eigentlich erhalten, aber haben dann nach Rückbau einer Brandschutzverkleidung gemerkt, dass er so kaputt ist, dass der nicht mehr erhaltenswert ist. Die Aufwendungen wären zu groß gewesen, sodass man sich dafür entschieden hat, einen neuen Dachstuhl zu errichten", sagt die Baureferentin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Sabine Jeschke.

Auch weitere Ausstellungsräume werden saniert

Für die Neuerrichtung des letzten Dachstücks bedarf es insgesamt 45 Kubikmeter Holz, die die Zimmerleute unter großem Aufwand anbauen. Ein Kran befördert nämlich Balken für Balken hinauf. Dafür ist Präzisionsarbeit gefragt, denn zwischen dem Gerüst und unter dem aufgebauten Schutzdach ist nicht allzu viel Platz.

Ein Holzbalken wird mit einem Kran transportiert, Menschen schauen zu
Der Kran befördert die Holzbalken nacheinander auf das Dach. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Die Baumaßnahmen beschränken sich aber nicht nur auf das Dach. Auch die Ausstellungsräume eine Etage tiefer sind betroffen. Bereits 2018 wurden die großen Kronleuchter abgenommen und sicher verwahrt. Die Räume wurden alle ausgeräumt und mit Balken gestützt, damit die Decke nicht auf den Kopf fällt - im wahrsten Sinne des Wortes. In der Weimarergalerie sind die Putzoberfläche und die Stuckornamente der Decken nämlich sehr empfindlich.

Gebaut wird auch noch weiter unten: Dort sind die Maurer am Werk und arbeiten sich Stufe für Stufe bis zum Dach hinauf. Die Treppen werden vor Ort aus Beton gegossen und führen bald über die gesamten vier Etagen. Dafür musste zusätzlich eine neue Mauer gebaut und Dachgewölbe abgerissen werden. Manch weitere Decke muss noch weichen, denn es wird nicht nur ein Treppenhaus benötigt.

Gotha Sanierungsprojekt Schloss Friedenstein

Das Schloss Friedenstein in der Außenansicht
Deutschlands größter Schlossbau aus dem 17. Jahrhundert wird 15 Jahre lang saniert. Momentan ist der Westflügel dran. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Das Schloss Friedenstein in der Außenansicht
Deutschlands größter Schlossbau aus dem 17. Jahrhundert wird 15 Jahre lang saniert. Momentan ist der Westflügel dran. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Die Sanierung eines Daches
Der erste Bauabschnitt der Dachsanierung wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen. Nun ist der zweite Abschnitt von 50 Metern Länge an der Reihe. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Ein Dachstuhl mit neuen und alten Dachbalken
Teile des alten Dachstuhls konnten erhalten bleiben und wurden mit neuen Balken unterstützt. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Ein Teil eines neuen Dachstuhls
Andere Teile des Dachstuhls konnten nicht mehr gerettet werden und mussten neu errichtet werden. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Ein Holzbalken wird mit einem Kran transportiert, Menschen schauen zu
Die Balken für das neue Dachstück werden mit einem Kran nach oben befördert - einer nach dem anderen. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Ein langer Flur im Schloss Friedenstein
Auch eine Etage tiefer wird saniert - die großen Kronleuchter, die eigentlich im Schloss hängen, wurden vor der Sanierung abgenommen und sicher verwahrt. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Ein pompöser Raum mit Stuckverzierungen an der Decke und den Wänden
In den Ausstellungsräumen muss besonders aufgepasst werden. Die Putzoberfläche und die Stuckornamente der Decken sind sehr empfindlich. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
Eine Treppe mit einem Baugerüst
Mit der Sanierung wird auch die Barrierefreiheit verbessert. Im Westflügel gab es bisher noch keinen Fahrstuhl. Dieser und ein neues Treppenhaus werden bei der Sanierung neu gebaut. Außerdem entstehen auch zwei Rettungswege. Bildrechte: MDR/Annika Grunert
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Mai 2021 | 19:00 Uhr

Mit Sanierung kommt auch Barrierefreiheit

"Es ist wichtig, das Schloss barrierefrei zu erschließen. Wir haben bereits vor zehn Jahren am herzoglichen Treppenhaus einen Fahrstuhl eingebaut, aber am Westflügel fehlte der", so Sabine Jeschke. Das neue Treppenhaus samt Fahrstuhl gewährleisten außerdem noch zwei Rettungswege für die Besucher und ermöglichen einen Rundgang. Spätestens ab Frühjahr 2022. Das Dach soll noch Ende dieses Jahres fertig werden.

Gesamtaufwand: 15 Jahre Arbeit und 60 Millionen Euro

Dann sind die Baumaßnahmen aber noch lange nicht vorbei: Unter anderem stehen noch Teile des Nord- und Ostflügels, der Innenbereich und die Fassade auf dem Sanierungsplan. Insgesamt sind 15 Jahre für das Großprojekt vorgesehen und 60 Millionen Euro veranschlagt, die vom Bund und Freistaat Thüringen gefördert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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