Kultureller Austausch Schloss Friedenstein vereinbart Kooperation mit Moskauer Puschkin-Museum

Deutschland und Russland gehen einen Schritt aufeinander zu. Zumindest auf kultureller Ebene. Am Dienstag unterschrieb die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha eine Kooperationsvereinbarung mit dem Moskauer Puschkin-Museum. Beutekunst aus Gotha aus dem Zweiten Weltkrieg bleibt dennoch in Russland.

Puschkin Museum Moskau
Das Moskauer Puschkin-Museum kooperiert zukünftig eng mit der Stiftung Schloss Friedenstein. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Es ist kompliziert zwischen Deutschland und Russland. Von der offenen Feindschaft während des Zweiten Weltkriegs bis hin zur Deutsch-Sowjetischen Freundschaft als Staatsdoktrin der DDR kennt die Geschichte der beiden Länder im 20. Jahrhundert viele verschiedene Facetten. Im 21. Jahrhundert hat sich daran wenig geändert. Die deutsch-russischen Beziehungen sind auch heute ein Wechselbad der Gefühle zwischen Kooperation und Sanktionen. Auf kultureller Ebene machen beide Länder nun ein Schritt aufeinander zu und Thüringen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Kooperationsvereinbarung unterzeichnet

Als erstes deutsches Museum unterzeichnete die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha am Dienstagmittag eine Kooperationsvereinbarung mit Russland. Um genauer zu sein mit dem Puschkin-Museum in Moskau. Fünf Jahre soll der Vertrag gelten und die Weichen für einen intensiven Austausch und eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit stellen. Im Rahmen der Kooperation sollen im Puschkin-Museum befindliche Kunstwerke aus der Sammlung der Gothaer Stiftung digitalisiert, erforscht und publiziert werden.

Portrait von Dr. Tobias Pfeifer-Helke, neuer Direktor von Stiftung Schloss Friedensstein
Dr. Tobias Pfeifer-Helke Bildrechte: MDR/Paul-Ruben Mundthal / Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Heute ist nicht nur für Gotha ein Freudentag, sondern auch für den deutsch-russischen Museumsdialog.

Dr. Tobias Pfeifer-Helke am Dienstag bei der Unterzeichnung in Moskau

Beutekunst bleibt in Russland

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren von der sowjetischen Besatzungsmacht zahlreiche Sammelobjekte aus Gotha abtransportiert worden. 1958 wurde zwar ein Teil an ostdeutsche Museen zurückgegeben, über eine Million Kunstwerke und vier Millionen Bücher blieben aber in der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der UdSSR bekräftigte die russische Duma die Entscheidung, die übrige Beutekunst zu behalten. Eine vollständige Rückgabe konnte auf politischem Wege bis heute nicht erreicht werden.

Zusammenarbeit statt Rückgabe

Einen Schritt aufeinander zu konnte jedoch auf dem Gebiet der Wissenschaft gemacht werden. Mit dem "Petersburger Dialog" war bereits 2001 versucht worden, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland auf verschiedenen Ebenen zu fördern. 2005 entstand aus den Bemühungen deutscher Forscher ein "Deutsch-Russischer Museumsdialog", mit dem versucht wurde, die Kontakte zu den russischen Kollegen zu intensivieren.

Blick auf auf Schloss Friedenstein mit dem Denkmal Herzog Ernst I.
Beutekunst aus dem Schloss Friedenstein befindet sich nach wie vor in Russland. Bildrechte: IMAGO / photo2000

Kunst auf Reisen

Resultat der Kontakte nach Russland waren mehrere gemeinsam realisierte Ausstellungen. So gingen 17 Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren aus Gothaer Beständen auf Reisen und waren 2016 im Puschkin-Museum zu sehen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg waren damit die Cranachs der ursprünglichen herzoglichen Sammlung wieder vereint. Im Gegenzug wurden 2017 unter dem Titel "Das Puschkin-Museum Moskau zu Gast in Gotha: Meisterwerke der französischen Kunst" Werke aus Russland nach Deutschland geholt.

Der Lieblingswunsch aus Gothaer Perspektive ist, in näherer Zukunft eine gemeinsame Ausstellung zu organisieren.

Dr. Tobias Pfeifer-Helke am Dienstag bei der Unterzeichnung in Moskau

Kooperationsvereinbarung als Kontinuität

Die Kooperationsvereinbarung zwischen der Stiftung Schloss Friedenstein und dem Moskauer Puschkin-Museum erscheint vor dem Hintergrund des intensiven Austausches in den vergangenen Jahren als logische Konsequenz. Sie ist ein Meilenstein auf dem Gebiet der kulturellen Beziehungen beider Länder und könnte Deutschland und Russland - trotz politischer Spannungen - ein Stück weit zusammenrücken lassen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cfr

Mehr zum Schloss Friedenstein

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juni 2021 | 14:00 Uhr

1 Kommentar

Harka2 vor 7 Wochen

Traditionell sind Deutschland und das moderne russische Reich Verbündete. Am Zarenhof wurde deutsch gesprochen. Der größte Verbrecher aller Zeiten hat dies in nur 4 Jahren ruiniert. Was dabei leider auch vernichtet wurde, war die jahrhundertelange enge Freundschaft des Deutschen Reiches mit dem der Russen. Es waren Russen, die in der Völkerschlacht bei Leipzig entscheidet zur Schaffung einer deutschen Nation beitrugen. Wir sollten diese Beziehungen endlich wieder aufnehmen, respektvoll, gleichwertig und außerhalb der Politik. Man muss Putin nicht mögen, aber ich habe auch Merkel nie gewählt - aber man sollte Gemeinsamkeiten wieder finden.

Mehr aus der Region Gotha - Arnstadt - Ilmenau

Mehr aus Thüringen