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Das MDR AKTUELL SofaDas bewegt die Menschen in Gotha vor der Bundestagswahl

von MDR AKTUELL, Marvin Kalies

Stand: 03. September 2021, 05:00 Uhr

Die Mittendrin-Tour von MDR AKTUELL hat Station in der Thüringer Residenzstadt Gotha gemacht. Wir haben potenzielle Wählerinnen und Wähler auf unser Sofa eingeladen und sie zu ihren Wünschen an die neue Bundesregierung befragt. Viele Menschen sorgen sich vor allem um die Bildung des Nachwuchses, fordern mehr politische Zuverlässigkeit und Investitionen in den ländlichen Raum.

Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Bundestagswahl am 26. September 2021. Die politischen Themen werden auch für die Menschen aus Gotha immer häufiger Gesprächsgegenstand. In der Familie, auf Arbeit und mit uns auf dem MDR-AKTUELL-Sofa wird die Zukunft diskutiert. Und für die haben die Gothaerinnen und Gothaer konkrete Vorstellungen.

Kathleen Körner hält ihren kleinen Sohn an der einen Hand, mit der anderen führt sie den Kinderwagen ihres zweiten Kindes die Kopfsteinflaster Richtung Neumarkt in Gotha. Die 27-Jährige zielt direkt auf unser Sofa zu, nimmt Platz und erzählt uns, wie sie sich die Zukunft nach der Bundestagswahl vorstellt.

Zuverlässigkeit für den Nachwuchs

Kathleen wünscht sich für ihre Familie, dass die neue Bundesregierung mehr für den Nachwuchs unternimmt. Als Beispiele nennt sie, dass die Bildung besser abgesichert werden müsse. Kleinere Klassen seien schön und auch weniger Schulausfälle und deshalb mehr Lehrkräfte an den Schulen. Insgesamt wünscht sie sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ohne die Großeltern geht gar nichts.

Kathleen Körner

Sie ist sehr auf ihre Eltern angewiesen, wenn es um die Betreuung der beiden kleinen Kinder geht. Auch die 36-Jährige Beatrice Heinrich erhofft sich von der neuen Bundesregierung mehr Maßnahmen für Familien. Dazu zählt unter anderem, die Bürokratie für werdende Eltern zu erleichtern.

Beatrice Heinrich wünscht sich mehr Unterstützung für Familien. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Wenn ich ein Kind bekomme, müsste mir ein Kita-Platz zustehen, nicht, dass man dann erst loslaufen muss.

Beatrice Heinrich

Gerade bei der Kitaplatz-Suche und auch bei der Anzahl der Kinderkrankentage müsse noch mehr unternommen werden. Dafür, dass Kinder unsere Zukunft seien, werde zu wenig von der Bundesregierung unternommen.

Stefanie Reiman hofft mit ihrer Familie auf einen reibungslosen Schulstart. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Das sieht auch Stefanie Reimann so. Die 32-Jährige Mutter bereitet sich auf den Schuleintritt ihres Sohnes am Wochenende vor. Aber sie habe jetzt schon Bauchschmerzen, wenn sie daran denkt, wie der Schulbetrieb im weiteren Pandemie-Verlauf weitergehen werde.

Das sind doch unsere Nachfolger. Was soll aus ihnen werden?

Stefanie Reimann

Es brauche keinen Corona-Bonus für Familien, sondern echte Hilfe, um in der Pandemie für Kinder da zu sein und ihnen Bildung zu ermöglichen und zu fördern.

Allgemein

Verbesserung der Betreuungsschlüssel in Kitas und eine Beitragsentlastung der Eltern? Ein Investitionsprogramm zur Schulsanierung? Welche Bildungsinitiativen die Parteien avisieren, erfahren Sie in diesem Beitrag.

CDU/CSU

Das Zukunftsversprechen "Aufstieg durch Bildung" soll Bestand haben, der Grundstein schon im frühen Kindesalter gelegt werden und die Herkunft von Menschen nicht über ihre Zukunft entscheiden. Den Ausbau der Kitas und die Weiterentwicklung ihrer Qualität will die Union auch nach 2022 fördern und sie zu hochwertigen Bildungsorten weiterentwickeln. Ab einem Alter von drei Jahren soll es verbindliche Sprachstands-Tests und Sprach-Förderangeboten für alle Kinder geben und bei Sprachförderbedarf verpflichtende und wirksame Sprachförderung. Mit einer weiteren Milliarde Euro soll Kindern und Jugendlichen geholfen werden, soziale und psychische Folgen der Coronavirus-Pandemie zu bewältigen – durch Investitionen in frühe Bildung, Ferienfreizeiten, Familienerholung und zusätzliche Sozialarbeit. Hinzu komme eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Hartz-IV- Familien. Digitale Bildung soll mit einem bundesweiten und EU-anschlussfähigen Plattform-System verknüpft werden. Für die Entwicklung will die Union "in einem ersten Schritt 150 Millionen Euro bereitstellen". Das BAföG will die Union flexibilisieren und zum "Instrument von Bildung und Weiterbildung im Lebensverlauf" machen. Wer etwa nach dem Bachelor-Abschluss zunächst Berufserfahrungen sammelt und erst später einen Master erwirbt, soll nach einer elternunabhängigen Einkommens- und Vermögensprüfung auch nach dem 35. Lebensjahr BAföG erhalten können.

SPD

Ziel ist eine inklusive, ganzheitliche Bildung. Die SPD plant einen Rechtsanspruch auf ein ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot im Grundschulalter. Die Zahl der Erziehungs- und Lehrkräfte soll mit Anreizen bis 2030 verdoppelt werden. Kita- und Schulverpflegung sollen kostenlos sein. Künftig sollen länderübergreifend Lehr- und Lernmaterialien sowie Unterrichtskonzepte für alle zugänglich sein: dezentral und sicher. Die Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist eine Kernaufgabe. Das BAföG soll wieder mehr junge Erwachsene erreichen, Förderansprüche sollen ausgeweitet werden.

AfD

Die AfD fordert eine stärkere fachwissenschaftliche Ausrichtung des Schulunterrichts anstelle von Kompetenzvermittlung. Sie befürwortet ein mehrgliedriges Schulsystem. Zudem will die Partei Förderschulen erhalten und Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht in die Regelschulen eingliedern, da diese Schulen das nicht leisten könnten. Schulpflichtige Asylsuchende und Migranten sollen bei nicht ausreichenden Sprachkenntnissen nicht am Regelunterricht teilnehmen, sondern ggf. in ihrer Sprache unterrichtet werden. Der Unterricht soll auch auf eine mögliche Rückkehr in das Herkunftsland vorbereiten. Im Schulunterricht sollen deutsche Kulturgüter und Traditionen bereits ab der Grundschule vermittelt werden. Ein Streben nach einer höheren Abiturientenquote lehnt die AfD ab, da ihrer Ansicht nach die Ausbildungsberufe darunter leiden. Diese sollen gestärkt werden. Das Bachelor-Master-System hält die AfD für gescheitert und setzt sich für eine Rückkehr zu Diplom und Magister ein.

FDP

Ein Prozentpunkt des Mehrwertsteueraufkommens soll zusätzlich in Bildung investiert werden – rund 2,5 Milliarden Euro. Die FDP fordert die bundesweite Einführung der Schulfächer Wirtschaft und Informatik sowie 1.000 "MakerSpaces" an Schulen: Kreativzonen, in denen digitale Medien eine zentrale Rolle spielen, in Kooperation mit außerschulischen Initiativen. Sie will bundesweite Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife und das Abitur. Der Bildungsföderalismus soll über eine Grundgesetzänderung reformiert werden. Bund und Länder sollen zusammen die Qualität im Bildungswesen sichern. Talentschulen sollen Probleme in kinderreichen Stadtteilen und sozialen Brennpunkten abfedern. Der Erzieherberuf soll attraktiver werden, ohne Schulgeld und mit Vergütung. Jedes Kind soll mindestens ein Jahr vor der Einschulung an einem Deutschtest teilnehmen. Sprachdefizite sollen durch Fördermaßnahmen ausgeglichen werden, um Kindern gerechtere Startchancen zu ermöglichen. Die MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) soll ausgeweitet werden. Mädchen und Frauen sollen gezielt im MINT-Bereich gefördert werden. Bei der Digitalisierung von Schulen und Unterricht müssen laut FDP Bund und Länder ihre Kooperationsmöglichkeiten besser ausschöpfen. Ein "elternunabhängiges Baukasten-BAföG" soll junge Menschen bei der Wahl des Studiums unabhängiger machen. Ein "Midlife-BAföG" von bis zu 1.000 Euro im Jahr sowie ein persönliches Freiraumkonto zum steuerfreien Ansparen für Weiterbildung und Bildungsauszeiten soll lebenslange Fortbildung ermöglichen.

DIE LINKE

Für Kitas und Schulen fordert die Linke ein Investitionsprogramm in Personal, Infrastruktur und Digitalisierung. Neben einer Verbesserung des Betreuungsschlüssels soll jedes Kind Zugang zu einem mobilen Endgerät und Datenvolumen haben. Als Ziel nennt die Partei Bildungsgerechtigkeit. Das soll insbesondere durch eine gebührenfreie öffentliche Kinderbetreuung erreicht werden. Betreuungsangebote insbesondere für Kinder ab dem ersten Lebensjahr sollen ausgebaut werden, damit der Rechtsanspruch auf pädagogische Förderung eingelöst werden kann. Die Linke fordert kostenfreie Verpflegung in Kitas und Schulen, kostenlose Beförderung für Schüler und Lehr- und Lernmittelfreiheit. Die Partei setzt sich dafür ein, dass Sozial- und Erziehungsberufe aufgewertet werden. Die Linkspartei will, dass Bund, Länder und Kommunen in der Bildung zusammenarbeiten und deshalb das Kooperationsverbot komplett aufheben. Die Partei tritt für einen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung und das Recht auf das gemeinsame Lernen in einer Regelschule ein. Schulsozialarbeit soll ein fester Bestandteil von schulischer Arbeit werden. Schulen, Sportstätten und Schwimmbäder sollen saniert werden. Die Linke fordert eine Mindestausbildungsvergütung und die unbefristete Übernahme nach Ausbildungsende und den Wegfall der Probezeit bei Übernahme im selben Betrieb. Die Partei will Hochschulen weiter öffnen. Ein Studium soll auch mit einer abgeschlossenen beruflichen Ausbildung oder einem vergleichbaren Abschluss möglich sein. Die Linkspartei setzt sich für eine rückzahlungsfreie Ausbildungsförderung ein. Das Bafög soll automatisch an die Lebenshaltungs- und Wohnkosten angepasst werden. Außerdem sollen die Altersgrenzen beim BAföG abgeschafft werden.

GRÜNE

Die Grünen wollen sich für eine Verbesserung des Kita-Personal-Schlüssels stark machen. Demnach soll eine Erzieherin oder ein Erzieher maximal vier Kinder unter drei Jahren bzw. maximal neun Kinder über drei Jahren gleichzeitig betreuen. Für jedes Schulkind soll das Recht auf einen Ganztagsplatz festgeschrieben werden. An den Kosten soll sich der Bund beteiligen. Um coronabedingte Bildungslücken zu schließen, wollen die Grünen einen bundesweiten Bildungsrettungsschirm auflegen. Schulen sollen Budgets zur Selbstverwaltung bekommen, um Kinder mit besonderem Bedarf gezielt fördern zu können. Schulen mit "besonderem Unterstützungsbedarf" sollen über ein Bundesmodellprogramm gestärkt werden. Alle Schulen sollen mit zeitgemäßer digitaler Ausstattung versehen werden. Die Grünen wollen allen jungen Menschen in Deutschland eine Ausbildung garantieren. Dabei sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig Chancen auf ein erfolgreiches Arbeitsleben bieten. Das BAföG soll zu einer "Grundsicherung" für Studierende und Auszubildende umgebaut werden, mit einem Garantiebetrag für alle und einem Bedarfszuschuss für jene aus einkommensärmeren Elternhäusern. Ein Weiterbildungs-BAföG soll eingeführt werden. Studiengebühren lehnt die Partei ab. Bis zum Jahr 2025 wollen die Grünen mindestens 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung von Staat und Unternehmen in Forschung und Entwicklung investieren. Hochschulen sollen digitalisiert und die IT-Infrastruktur gestärkt werden. Darüber sollen weniger Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter befristet angestellt werden und in Hochschulen "auf allen Ebenen" mehr Frauen arbeiten.

Ländlichen Raum stärken

Gundrun Wüste ist Rentnerin und wohnt auf dem Land. Sie kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie viel Leben früher in ihrer Heimat war. Sie wünscht sich wieder mehr Einkaufsmöglichkeiten auf dem Land und vor allem eine bessere Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr. Sie glaubt, dass der Grund für das Aussterben der Dörfer vor allem an dem geringen Mitbestimmungsrecht auf den politischen Ebenen darüber liegt.

Gundrun Wüste bedauert, dass viele Geschäfte auf dem Land geschlossen haben. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Bei manchen Entscheidungen hat man die Menschen vergessen.

Gudrun Wüste

Eva Tödtmann glaubt aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger auf dem Land eine Mitverantwortung tragen. Die 72-Jährige erklärt, dass viele ihre Sachen mittlerweile online bestellen würden. Vor allem in der Pandemie habe sich dieser Trend verstärkt. 

Eva Tödtmann wünscht sich mehr Hilfe für kleine Unternehmen. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Viele Geschäfte stehen leer. Die Geschäftsleute tun mir leid, die haben viel investiert, aber es wird nichts getan, dass die Geschäfte am Leben gehalten werden.

Eva Tödtmann

Der Bund muss ihrer Meinung nach mehr unternehmen, damit die kleinen Läden eine größere Chance auf dem Markt haben. Dazu gehöre es auch, dass es ausländischen Großkonzernen nicht zu leicht gemacht werden dürfe, in Deutschland große Umsätze zu machen.

Allgemein

Die Verbesserung der Infrastruktur auf dem Land ist eine Kernidee, um dort mehr Menschen anzusiedeln oder zumindest Wegzug zu verhindern. Erfahren Sie hier, mit welchen Anreizen die Parteien dies schaffen wollen.

CDU/CSU

Die Union will Innenstädte, Stadtteilzentren und Ortskerne als Orte der Begegnung und Vielfalt fördern. Für Dorfkernsanierung soll es mehr Geld geben, Investitionszulagen bei Ansiedlungen von Unternehmen, Mittel für Mehrfunktionshäuser und Dorfläden. Auf dem Land sollen neben einem "massiven Breitbandausbau" auch Co-Working-Spaces gefördert, Stadt und Land bei digitaler Infrastruktur gleich behandelt werden. Die "Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz" soll als Förderinstrument weiterentwickelt werden, um Modellregionen und Innovationsräume aus besonders strukturschwachen Gebieten zu machen. Auch weniger Bürokratie soll dabei helfen. Wer auf dem Land investiert, solle von Standards abweichen können, wenn sie nicht sicherheits- und umweltrelevant sind. Hindernisse im Bau- und Planungsrecht will die Union beseitigen.

SPD

Die SPD will den ländlichen Raum aufwerten. Sie plant ein Modellprojekt des Bundes, das in kleinen Städten und Gemeinden Dienstleistungszentren (DLZ) schaffen soll, in denen medizinische und haushaltsnahe Dienstleistungen angeboten werden. In Kooperation mit dem sozialen Arbeitsmarkt sollen Lücken geschlossen werden.

AfD

Die AfD will die Entwicklung der Landflucht umkehren. Sie will Stadt und Land gleichrangig entwickeln. Das Landleben soll traditionsbezogen und familienfreundlich gestaltet werden. Um die kommunale Eigenverantwortung zu stärken, sollen das Finanzvolumen und die Handlungsspielräume der Gemeinden vergrößert werden. Bund, Länder und die EU sollen bei den Kommunen weniger eingreifen können.

FDP

Die FDP will insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen von der Industrie über das Handwerk bis zum Handel Perspektiven auch in ländlichen Regionen schaffen. Als Voraussetzungen dafür sieht sie eine gute digitale Infrastruktur, leistungsfähige Verkehrswege und ein starkes duales Bildungssystem. Integrierte Gesundheitszentren sollen die regionale Grundversorgung mit ambulanten und kurzstationären Behandlungen sichern. Der ländliche Raum soll durch entsprechende Programme gefördert werden.

DIE LINKE

Die Linke will in die Infrastruktur in ländlichen Regionen investieren. Kommunen sollen entlastet, benachteiligte Regionen gefördert werden. Ziel sind gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen des Landes, in Ost und West. In strukturschwache Regionen und sozial abgehängte Kommunen und Stadtteile soll vorrangig investiert werden. Der Zugang zu öffentlicher Verwaltung, Einzelhandel und Versorgungseinrichtungen soll gestärkt werden. Der öffentliche Nahverkehr, Rufbusse und mobile Versorgungsangebote sollen ausgebaut werden. Schnelles Internet und die technische Ausstattung für die digitale Teilhabe sollen öffentlich gefördert und altersgerecht ausgebaut werden. Die Linke tritt für eine flächendeckende, barrierefreie und bedarfsdeckende gesundheitliche Versorgung in Stadt und Land ein. Regionale Versorgungszentren sollen perspektivisch die wohnortnahe Gesundheitsversorgung aufrechterhalten.

GRÜNE

Die Grünen wollen bei Gesundheit, Mobilität und Digitalisierung Mindeststandards festschreiben. Abgehängte Regionen sollen mit Regionalbudgets gefördert werden, über die die Kommunen selbst bestimmen können. Mit öffentlichen und sozialen Einrichtungen sollen Ortskerne wiederbelebt werden und vor Ort regionale Gesundheitszentren eingerichtet werden. Um das Leben auf dem Land attraktiver zu machen, soll auf dem Land künftig jedes Haus ans Glasfasernetz für schnelles Internet angeschlossen sowie Funklöcher geschlossen werden. Die Partei will den Öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum ausbauen. Dazu sollen auch stillgelegte Bahnverbindungen wieder in Betrieb genommen werden. Aus Sicht der Grünen ist das Auto auf dem Land wichtig. Mit dem Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, mit Car-Sharing und Angeboten wie Ruftaxis soll Autoverkehr nachhaltiger werden. Der Radverkehr soll durch Pendlerstrecken und neue Rad- und Wanderwege attraktiver und sicherer gemacht werden. Die Kosten des Stromnetzausbaus sollen fair auf alle Regionen Deutschlands verteilt werden. Auf dem Land will die Partei den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf bereits versiegelten Flächen fördern. Auf zwei Prozent der Landesfläche sollen künftig Windkraftanlagen stehen. Dazu will die Partei Genehmigungsverfahren vereinfachen und Bürger und Kommunen früher einbinden.

Politische Versprechen einhalten

Jürgen Mattes ist aus dem sachsen-anhaltischen Zörbig in Gotha zu Gast. Als der 63-Jährige auf unserem Sofa Platz nimmt, fallen ihm gleich mehrere Themen ein. Es müsse mehr für Junge und Ältere getan werden und für‘s Klima, aber vor allem müsse es auch wirklich getan werden.

Jürgen Mattes fordert von der Politik einen klaren Fahrplan. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Man hat den Eindruck, dass einfach viel versprochen wird. […] Ich wünsche mir eine eindeutige Strategie für die nächsten vier Jahre - und für die nächsten 10 bis 15 Jahre.

Jürgen Mattes

Gerade vor der Bundestagswahl würden die Parteien vieles versprechen. Aber in Hinblick auf den Klimawandel sei es nun wichtig, dass diese Versprechen dann auch wirklich eingehalten würden. Wichtig ist ihm dabei aber, hervorzuheben, dass in den vergangenen Jahren auch vieles gut gelaufen sei. Die Große Koalition habe mehrere Krisen gemeistert, die nach seiner Meinung in anderen Ländern deutlich schlechter geregelt wurden. 

Auch Günter Tödtmann geht auch davon aus, dass die Lage im Land so schlecht eigentlich nicht ist. Nur das Miteinander der Menschen kritisiert der 75-Jährige. Er glaubt, dass die Einstellung vieler Leute nach mehr Einkommen und Aufstieg für weniger Zusammenhalt führt.

Der Wohlstand bringt nicht immer, was man will.

Günter Tödtmann

Um das Leben in Deutschland besser zu machen, braucht es seiner Meinung nach nicht nur politisches Engagement. Sondern auch das der Bürgerinnen und Bürger in einem Land.

Die Wünschekarte

In ganz Mitteldeutschland haben bereits tausende Menschen ihre Wünsche für die künftige Bundesregierung in der MDR Wünschekarte formuliert. Was wünschen Sie sich für Ihre Region? Tragen Sie Ihre Gedanken in unsere interaktive Karte ein.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL FERNSEHEN | 02. September 2021 | 21:45 Uhr