Ehrenamt Horst Weinberg aus Bad Liebenstein ist Thüringer des Monats September

Auf dem Altenstein gilt er als Institution: Horst Weinberg empfängt vom Frühjahr bis zum Herbst nahezu täglich die Besucher im Informationszentrum seines Fördervereins. Aber nicht nur ideell unterstützt der Verein die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Mehr als 100.000 Euro Spenden haben Horst Weinberg und seine Mitstreiter gesammelt und damit geholfen, dass die Gäste heute historische Parkarchitekturen wie das Chinesische Häuschen wieder erleben können.

Die Überraschung für Horst Weinberg ist geglückt: die Mitglieder des Fördervereins Altenstein Glücksbrunn haben dicht gehalten und nichts verraten. Nun haben sie sichtlich Freude daran, wie ihr Vorsitzender noch etwas ungläubig zuhört, als Sina Reeder vom MDR THÜRINGEN Journal seine Verdienste aufzählt und ihm schließlich unter Beifall die Urkunde als "Thüringer des Monats" in die Hand drückt - verliehen von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung.

Nur so stark wie die Mannschaft

"Jetzt müsste ich wohl etwas sagen", meint der 83-jährige und räumt ein, dass er doch etwas gerührt sei. "Des Lobes war eine ganze Menge dabei, das habe ich gar nicht so verdient", sagt er, und fügt gleich an, dass er als Vereinschef immer nur so stark sei wie die Mannschaft - und "das läuft bei uns einigermaßen". Das ist reichlich untertrieben, und deshalb sorgen einige andere für Lob. Gabriele Jungfer beispielsweise, Weinbergs Stellvertreterin im Verein, die ihn zur Auszeichnung vorgeschlagen hatte: "Er sitzt von Sonntag bis Sonntag immer hier oben, empfängt mit viel Freundlichkeit, Ausdauer und Geduld die Besucher. Damit hat er eigentlich diesen Altenstein wieder ins Bewusstsein gerückt."

Buga 2021: Schloss und Park Altenstein als Außenstandort

Bizarre Felsen und weite Ausblicke bis in die Rhön, Ritterkapelle und Teufelsbrücke, Teppichbeet und Baumriesen – der Altensteiner Park bei Bad Liebenstein hat vieles zu bieten.

Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Der alte Baumbestand lädt zum Spazierengehen ein. Im 160 Hektar großen Park gibt es ein 24 Kilometer langes Wegenetz Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Der alte Baumbestand lädt zum Spazierengehen ein. Im 160 Hektar großen Park gibt es ein 24 Kilometer langes Wegenetz Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Inszenierte Landschaft mit Baumriesen und weiten Wiesen: hier die Katzenkopfwiese. Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Blick in die umgebende Landschaft vom Morgentor-Plateau aus Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Der Blumenkorbfelsen: die Felsnadel trägt einen großen Sandsteinkorb und kann erklimmt werden. Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Draufsicht auf Park und Schloss
Das Schloss, Ende des 19. Jahrhundert im Stil eines englischen Herrenhauses errichtet... Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Schlossgebäude
Es war 1982 ausgebrannt und wird nach und nach wieder hergestellt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Partner bei der BUGA-Außenstelle Altenstein: Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs (CDU), Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und der Bürgermeister von Bad Liebenstein, Michael Brodführer (CDU) Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Der Park bindet auch die umgebende Landschaft ein: von der Schlossterrasse schaut man wie von einem Balkon auf Werratal und Rhön. Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Sie werden jetzt noch bepflanzt: eines der Knotenbeete im Innenpark. Bildrechte: MDR / Ruth Breer
Bad Liebenstein: Schloss und Park Altenstein als BUGA-Außenstandort
Blick vom Schloss zum Hofmarschallamt am Eingang des Innenparks. Bildrechte: MDR / Ruth Breer
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Ein Park für alle Generationen

Eine Institution sei er geworden, berichtet Jungfer, so dass schon Gäste besorgt nachfragten, wenn er mal nicht dort sitzt. Der Altenstein, der Landschaftspark auf einem Zechsteinriff am südwestlichen Thüringer Wald, sei für ihn immer schon etwas Besonderes gewesen, sagt Horst Weinberg. Schon als Kinder hätten sie im Park gespielt, als junge Leute sich dort getroffen, später mit den eigenen Kindern oder den Eltern ihre Runden gedreht. Und selbst im Alter stelle man fest: Auch mit dem Rollator sei der Park auf den gepflegten Wegen bestens zu erkunden. Und so hat sich Horst Weinberg vor fast 30 Jahren leicht überzeugen lassen, den Förderverein Altenstein-Glücksbrunn mitzugründen und den Vorsitz zu übernehmen.

Zwei Frauen gratulieren einem Mann
Über das Ehrenamt können viele Projekte verwirklicht werden. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Schnell war ihm aber auch klar, dass es um mehr gehen müsste als um die Information der Besucher. Weinberg wollte auch praktisch etwas tun, um die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zu unterstützen bei der großen Aufgabe, die teils schwer lädierten, teils verschollenen Park-Architekturen zu restaurieren oder zu erneuern.

Förderverein hilft Stiftung finanziell

"Ich habe immer gesagt: Wenn es mal Brei regnet, Fördermittel gibt, dann helfen wir, so dass die Stiftung wenigstens den Eigenanteil auf die Beine stellen kann", erzählt er. Die Löffel für einige Portionen Brei hat der Förderverein zur Verfügung gestellt, indem er fleißig Spenden sammelt in einer Box am Parkeingang, bei Führungen und Konzerten, bei besonderen Spendenaktionen. Erst vor wenigen Wochen hat der Verein 40.000 Euro für die Rekonstruktion der sogenannten Greifenbank überwiesen. Deshalb stimmt auch Susanne Rakowski von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ins Lob ein: Das Engagement des Fördervereins sei "sagenhaft".

Durch Herrn Weinberg und seine Hartnäckigkeit sind sicherlich viele Projekte vorangetrieben worden, die dank der Spendengelder, die wirklich in enormem Maße vom Förderverein kamen, auch nur verwirklicht oder schneller umgesetzt werden konnten.

Susanne Rakowski, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Schloss Altenstein
Das Schloss Altenstein im Wartburgkreis ist Außenstandort der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Vom Geheimtipp zum Ausflugsziel mit bundesweiter Ausstrahlung

In diesem Jahr hat es der Landschaftspark Altenstein am Rand des Thüringer Waldes vom Geheimtipp zum Ausflugsziel mit bundesweiter Ausstrahlung geschafft. Als Außenstandort der Bundesgartenschau zieht er deutlich mehr Gäste als in den Vorjahren, etwa dreimal so viel, schätzt Horst Weinberg. Altenstein-Neulinge schickt er für einen ersten Eindruck von den Schönheiten auf den Bonifatiusfelsen, von wo aus Innenpark und Teppichbeet aus der Vogelperspektive vor den Besuchern liegen. Das Besondere an diesem Außenstandort: es musste kaum etwas extra vorbereitet werden. „Wir haben eigentlich jedes Jahr Buga“, meint Horst Weinberg verschmitzt. Denn gepflegt präsentiert sich der Park immer, das Teppichbeet wird zweimal in der Saison frisch bepflanzt. Und dass immer wieder neue restaurierte Park-Juwelen entdeckt werden können, daran trägt der Förderverein mit seinem Vorsitzenden großen Anteil.

Schlosspark Altenstein: Wie ein Teppichbeet entsteht

Ein Teppichbeet ist ein Beet, welches mit Blattpflanzen so dicht bepflanzt wird, dass es wie ein Teppich wirkt. Im Schlosspark Altenstein sieht man, welche Mühe die Anlage und Pflege eines solchen Beetes kostet.

Pläne für ein Teppichbeet
Alles genau geplant: Per Hand hat Gärtnerin Margret Most gezeichnet, wie das Teppichbeet angelegt werden soll. Als Vorlage für Form und Ornamente diente ihr eine historische Postkarte. Dann wurde ausgerechnet, wie viele Pflanzen von welcher Art benötigt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Pläne für ein Teppichbeet
Alles genau geplant: Per Hand hat Gärtnerin Margret Most gezeichnet, wie das Teppichbeet angelegt werden soll. Als Vorlage für Form und Ornamente diente ihr eine historische Postkarte. Dann wurde ausgerechnet, wie viele Pflanzen von welcher Art benötigt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Echeverien
Die Echeverien (Echeveria pumila glauca) werden jedes Jahr wieder neu verwendet für das Teppichbeet. Mit ihrer silbrigen Farbe sorgen die Sukkulenten für einen starken Farbkontrast. Sie werden in einem Gewächshaus überwintert und vermehrt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gärtner pflanzen
Insgesamt rund 7.000 Pflanzen werden benötigt, um das Schmuckbeet zu füllen. Sie wirken in der Fläche vor allem durch ihre Blattfarbe und Struktur. Die meisten gibt es nicht im normalen Handel. In Bad Liebenstein zieht sie eine Gärtnerei eigens für den Schlosspark. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ornament von oben
Detail eines Ornaments: Die hellen runden Echeverien rahmen mit ihrer klaren Kontur die übrigen Farbflächen ein. In der Mitte setzt eine höhere Echeveria agavoides (agavenartige) einen Akzent, umgeben von zwei verschieden farbigen Alternathera bettzicklana - und zwar 'Aurea' (innen) und 'Bronce' (außen). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
einer Gärtnerin über die Schulter gesehen
Beim Teppichbeet helfen alle mit: Rund zehn Gärtnerinnen und Gärtner sowie Saisonkräfte waren fast eine Woche beschäftigt. Auch die Pflege kostet viel Zeit. Damit das Muster erhalten bleibt, müssen die Pflanzen alle drei Wochen beschnitten werden. Das regt auch die Verzweigung an, die Pflanzen werden dichter. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Pelargonien
In diesem Jahr sind auch blühende Pelargonien dabei: Wegen ihrer besonderen Blattfärbung wurde die Sorte Pelargonium zonale 'Madame Sallerey' (links) ausgewählt. Dazu die dunkelrote Alternathera dentata (vorne) und die etwas kräftiger rote Iresine lindenii (hinten) sowie die agavenartige Echeveria agavoides (rechts). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Margret Most
Um die Pflege der Pflanzen und die Anlage der Beete kümmert sich Gärtnerin Margret Most. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gesamtansicht eines Teppichbeets
Für das Buga-Jahr hat das mittlere Ornament des Teppichbeets eine neue Form bekommen: Aus einem Kreis wurde eine Art geschwungener Stern. Dafür mussten für die Auswölbungen halbrunde Grassoden ausgestochen und an die Einkerbungen nach innen versetzt werden. Bleche sorgen dafür, dass der Rasen nicht ins Beet wandert. In der Mitte als Blickfang eine chinesische Hanfpalme (Trachycarpus Fortunei). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Teppichbeet
Von oben gesehen, wirken Teppichbeete mit ihren regelmäßigen Strukturen tatsächlich wie ein Teppich. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
Teppichbeet
Dahinter steckt viel Arbeit. Die Beete müssen nicht nur angelegt werden. Alle drei Wochen kriechen die Gärtner mit einer speziellen Leiter über die Beete und schneiden die Pflanzen. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
Teppichbeet
Die Beete sind ein wunderschöner Anblick, den es nicht oft zu sehen gibt. Die pflegeintensiven Beete waren vor allem im 19. Jahrhundert beliebt. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 05. Juni 2021 | 11:40 Uhr

Aktion "Thüringer des Monats" "Thüringer des Monats" ist eine Aktion von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 wird die Auszeichnung vergeben. Das Engagement von Menschen, die in ehrenamtlicher Arbeit Außergewöhnliches geleistet oder sich in besonderer Weise für Mitmenschen in Thüringen eingesetzt haben, wird hiermit besonders gewürdigt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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