Museum am Gradierwerk Nackte Tatsachen: Ausstellung widmet sich dem Baden in Ost und West

War FKK eine ostdeutsche Erfindung und waren Westdeutsche viel prüder? Wo gab es die schöneren Badeanzüge? Und welche Cremes verwendeten Ost und West, um sich zu pflegen, was stand in den Badezimmern? Eine kleine Sonderausstellung im Museum am Gradierwerk in Bad Salzungen beleuchtet die Alltagskultur des Badens in den Zeiten der Teilung. Sie ist eine Leihgabe des Museums "Römerthermen Zülpich" bei Köln und wurde von einer jungen Thüringerin erstellt.

Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Badebekleidung made in GDR: Für die ostdeutsche Bademode standen andere Garne zur Verfügung als im Westen, häufig waren die Stoffe dicker und trockneten langsamer - das Design aber, heißt es in der Ausstellung, "war ausgesprochen modern". Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Eine Alltagskultur-Zeitreise auf kleinem Raum: Großformatige Fotos vom FKK-Urlaub an der Ostsee, dazu zahlreiche Badezimmer-Utensilien in den Vitrinen. Schilder mit kleinen Fahnen darauf verraten die Herkunft: Ost oder West? In der Ausstellung geht es sowohl um die öffentliche Badekultur wie auch um die private in den heimischen vier Wänden. Da erfahren die Besucher, dass Freikörperkultur bereits im Kaiserreich ein Thema war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde FKK im Westen eher in Vereinen betrieben. Im Osten war sie zunächst sogar verboten, setzte sich dann aber privat und wild durch.

FKK im Osten Normalität

Dass der Umgang mit der Nacktheit im Westen schon etwas prüder war, belegt ein Bericht der Wochenschau aus dem Jahr 1962 über den Weltkongress der Naturisten in Hannover mit humoristisch-verklemmem Zungenschlag. "Zu den absonderlichsten Erscheinungsformen der zivilisierten Gesellschaft zählen die Anhänger der Freikörperkultur, die ihrer erstaunten Mitwelt durch eine Ausstellung in Hannover die Vorzüge ihrer mit kämpferischem Ernst vertretenen Lebensweise demonstrierten."

Ausstellung über Badekultur in Ost- und Westdeutschland

Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Badebekleidung made in GDR: für die ostdeutsche Bademode standen andere Garne zur Verfügung als im Westen, häufig waren die Stoffe dicker und trockneten langsamer – das Design aber, heißt es in der Ausstellung, "war ausgesprochen modern". Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Badebekleidung made in GDR: für die ostdeutsche Bademode standen andere Garne zur Verfügung als im Westen, häufig waren die Stoffe dicker und trockneten langsamer – das Design aber, heißt es in der Ausstellung, "war ausgesprochen modern". Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Fürs Haupt- und Barthaar: Bei Fön und Rasierzeug gibt es kaum Unterschiede. Umweltfreundlich, aber eher uncharmant in Papier verpackt: Alba Zell-Damenbinden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Freikörperkultur gab es schon im deutschen Kaiserreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde FKK im Westen eher in Vereinen gepflegt. Im Osten war das Nacktbaden zunächst verboten, setzte sich dann aber wild und privat durch. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Badezimmer-Utensilien bunt gemischt: Wärmeflasche, Parfüm, Talkumpuder aus dem Westen, Toilettenpapier-Abroller, Seifen, Haarlack, Makeup, Nagellack, Creme und Bürste aus dem Osten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Nackte Tatsachen
Ob die Schilder geholfen haben, wird in der Ausstellung nnicht erwähnt. Bildrechte: Andrea Dominik/Stadtverwaltung Bad Salzungen
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Dieses Strandensemble stammt aus dem Osten – samt handgestricktem Höschen und Mini-Transistorradio. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Nackte Tatsachen
Nicht nur dieKörper, auch die Kleidung musste gepflegt werden. Bildrechte: Andrea Dominik/Stadtverwaltung Bad Salzungen
Bad Salzungen: Das Museum am Gradierwerk eröffnet um 18 Uhr eine neue Sonderausstellung: "Nackte Tatsachen. Baden in Ost und West". Sie widmet sich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Badekultur - von Hygieneprodukten bis zum FKK.
Schick am Strand: mit Badehauben, Sonnenbrille, Erfrischungstüchern und Sonnespray. Die Produkte waren in Ost und West sehr ähnlich. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Im Osten war FKK normal geworden, berichtet eine Besucherin der Ausstellung. "Das war ja auch schöner, als wenn man Badeanzug anhat, gerade an der Ostsee mit der ganzen Familie." Aber auch in der DDR war nicht jeder ein FKK-Anhänger, berichten andere. "Nichts für mich", meint ein Mann und eine ältere Frau erinnert sich: "Wir hatten alle unsere Badeanzüge an!"

Es ist ganz wichtig, dass man sich gegenseitig auch die Alltagsgeschichten erzählt.

Ulrike Rönnecke, Museumsleiterin

Was es an Bademode gab in Ost und West, auch das zeigt die Ausstellung. Im Westen wurden schon früher Stoffe verwendet, die enger anlagen und schneller trockneten. Das Design im Osten aber, so heißt es, war "ausgesprochen modern". Beliebt war dort auch Selbstgefertigtes. Museumsleiterin Ulrike Rönnecke verweist darauf, dass "viele Produkte aus dem Osten nach dem Westen exportiert wurden, und manch einer, der sich bei Quelle oder Otto seinen Badeanzug bestellt hat, hat gar nicht gewusst, dass er in der DDR hergestellt ist."

Fliesen durch Beziehungen

Auch die private Badekultur in Ost und West unterschied sich nicht so sehr, sagt Kuratorin Theresa Zöller. Sie stammt aus Nordthüringen und hat die Ausstellung als wissenschaftliche Volontärin vor drei Jahren am Museum "Römerthermen Zülpich" zusammengestellt. Im Westen gab es mehr und mehr Verschiedenes - und vor allem war es leichter zu beschaffen. Ein Bad im Osten auszustatten, war schwierig, da halfen oft nur Beziehungen. Für die ursprüngliche Ausstellung in Zülpich hatte sie sogar ein DDR-Badezimmer aufgebaut - bis hin zu Fliesen, Badeofen und Wäscheschleuder.

Rauhes Klopapier aus dem Internet

Aber auch für die vielen Badezimmer-Utensilien hat Theresa Zöller ausgiebig gesammelt. Ob Föhn, Rasierer, Pflegecreme, Tampons oder Parfüm: Die Westprodukte hatte das Zülpicher Museum im eigenen Depot, die einstigen DDR-Waren aber fand sie im Internet. "Es ist erstaunlich, was die Menschen dort noch verkaufen, von der Seife bis zum rauhen Toilettenpapier, das wir heute wahrscheinlich nicht mal mehr zum Händeabtrocknen benutzen würden, bis hin zu Fliesen oder Wäscheschleuder." Für die Gestaltung der Ausstellung hat sie sich im Rheinland über so manches spannende Ostpaket gefreut.

Austausch über Alltaggskultur

Die Freude teilen auch die ersten Gäste der Schau, die sich an Vergangenes erinnert fühlen. Eher mit Schaudern denkt eine Frau an die Damenbinden von früher zurück - "Gottseidank gibt es das nicht mehr" - ein Mann erkennt seine alten Rasierpinsel und den Rasierklingenschärfer wieder, den er vom Stiefvater übernommen hatte. Eine andere freute sich über die blau-weiße Dose mit Nivea-Creme, die im Osten eigentlich nicht zu haben war. Die habe sie immer benutzt als junges Mädchen, erzählt sie, sie habe ihr viel bedeutet.

Manch einer, der sich bei Quelle oder Otto seinen Badeanzug bestellt hat, hat gar nicht gewusst, dass er in der DDR hergestellt ist.

Museumsleiterin Ulrike Rönnecke

Die Salzunger Museumsleiterin Ulrike Rönnecke hofft, dass sich ihre Besucher - Gäste aus Ost und West - rege austauschen über dieses Kapitel Alltagskultur. "Es ist ganz wichtig, dass man sich gegenseitig auch die Alltagsgeschichten erzählt, wie habt ihr gelebt, wie haben wir gelebt."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. August 2021 | 17:00 Uhr

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