Niederreißen, um es neu aufzubauen Gradierwerk in Bad Salzungen wird saniert

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Für das städtische Kurunternehmen ist es ein Jahrhundertvorhaben: In Bad Salzungen wird das Gradierwerk für 12,5 Millionen Euro saniert. Es ist denkmalgeschützt, trotzdem reißen seit Dienstag Bagger die Holzkonstruktion nieder. Mehr als 100 Jahre hat die Sole den Balken zugesetzt, die Statik war gefährdet. Bis 2023 sollen die Gradierwände originalgetreu wieder aufgebaut werden.

"Was den Berlinern das Brandenburger Tor, den Eisenachern die Wartburg - das ist für die Menschen in Bad Salzungen das Gradierwerk", sagt Bürgermeister Klaus Bohl. Dass vielen jetzt das Herz blutet, wenn Bagger sich in die Holzkonstruktion der westlichen Gradierwand fressen, das könne er gut verstehen. Aber die Stadt habe in den vergangenen Jahren mehrfach über das Vorhaben informiert, sagt Bohl. "Es lässt sich leider nicht umgehen. Wir müssen das Gradierwerk grundhaft sanieren, wenn wir es für künftige Generationen erhalten wollen - und das wollen wir."

Lange Vorbereitung für "Jahrhundertaufgabe"

Eine Jahrhundertaufgabe, meint der Bürgermeister. Schließlich wurden die beiden rund 80 Meter langen Gradierwände in ihrer jetzigen Form in den Jahren 1796/97 und 1901 errichtet. Mindestens 100 Jahre sollen sie auch diesmal halten. Dafür werden 12,5 Millionen Euro investiert. Bauherr ist das Kur- und Touristikunternehmen der Stadt. Vier Jahre lang wurde alles gut vorbereitet, sagt Vorstand Daniel Steffan. Gebaut wird voraussichtlich zweieinviertel Jahre lang. Schließlich muss am Ende auch noch der Gradiergarten wieder hergerichtet werden.

Sanierung: So wird das Gradierwerk in Bad Salzungen "niedergelegt"

Blick auf das Gradierwerk-Ensemble in Bad Salzungen mit Bauzaun
Hier wird gebaut: Bis 2023 soll das Gradierwerk wieder neu entstehen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Blick auf das Gradierwerk-Ensemble in Bad Salzungen mit Bauzaun
Hier wird gebaut: Bis 2023 soll das Gradierwerk wieder neu entstehen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gebäude des Gradierwerks in Bad Salzungen wird abgerissen
Stück für Stück wird das alte Gradierwerk "niedergelegt". Weil das Spezialgerät ausgefallen ist, muss nun ein Bagger mit Schaufel für die Arbeiten herhalten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Bagger mit Zange vor den Gebäuderesten
Doch auch mit dem einen Bagger wird die Lücke in der rund 100 Jahre alten Westwand schnell größer. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gebäude des Gradierwerks besteht nur noch aus Holzgerüst und Strohwand
Am Südende ist die einstige Gradierwand noch zu erahnen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gebäude des Gradierwerks besteht nur noch aus einem Holzgerüst
Bis spätestens März soll die eigentlich denkmalgeschützte Holzkonstruktion "niedergelegt" werden. Sie wird originalgetreu wieder rekonstruiert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Zwei Experten auf der Baustelle
Daniel Steffan (links) ist als Vorstand des Kur- und Touristik-Unternehmens der Stadt Bad Salzungen der Bauherr. Gemeinsam mit Architekt Burkhard Hossfeld hat er die Arbeiten im Blick. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten West-Thüringen | 06. Januar 2021 | 17:30 Uhr

Dort, vor der schmucken Fachwerkkulisse des Mittelbaus, wo sonst hübsch angelegte Beete die Kurgäste erfreuen, steht jetzt ein Bagger und reißt Balken aus der Gradierwand zur Linken. Eigentlich sollte ein großes Spezialgerät mit einer Art Schere die Holzkonstruktion schneller auseinandernehmen. Doch dieses Fahrzeug, frisch aus der Werkstatt, fiel nach drei Stunden Arbeit am Dienstag gleich wieder aus. Techniker bemühen sich, es wieder flott zu kriegen. Aber auch der kleinere Bagger lässt die Lücke in dem Holzskelett schnell größer werden.

Holzkorrosion gefährdet Statik

Abriss heißt das offiziell allerdings nicht - die Gradierwände werden "niedergelegt". Denn das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz. Lange wurde gerungen, was erhalten werden kann. Aber schließlich war klar, dass die langjährige Berieselung mit Sole die Holzfasern zum Teil aufgelöst hat: Mazeration heißt das, Holzkorrosion. Das hat auch die Statik gefährdet. Nur die stark geschädigten Balken zu ersetzen, das wäre wirtschaftlich nicht zu machen gewesen, hätte die Baukosten vervielfacht, sagt Daniel Steffan. Deshalb wurde ein 3D-Scan des Bauwerks angefertigt. Danach soll originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Laserscan eines Gradierwerks
3D-Scans, wie dieser, sollen beim Wiederaufbau des Gradierwerks in Bad Salzungen helfen. Bildrechte: MDR/ARCHITEKTURBÜRO HOSSFELD

Was wiederverwendet werden kann, wird gesichert. Das Schwarzdorn-Reisig allerdings gehört nicht dazu. Es türmt sich in einem großen Haufen vor der Westwand. Fast 1.000 Kubikmeter müssen neu beschafft und eingebaut werden. Außerdem braucht es 750 Kubikmeter Lärchenholz. Das wird fertig zugeschnitten angeliefert, sagt Daniel Steffan, die Zimmerleute werden es vor Ort zusammensetzen. Das Vorhaben liegt nach seinen Angaben sowohl im Zeit- wie im Finanzplan. Von den 12,5 Millionen Euro kommt der größte Teil über die Städtebauförderung, eine Million zusätzlich vom Bund. Der Eigenanteil liegt bei knapp 4,3 Millionen Euro. Ziel ist es, spätestens im Jahr 2023 das erneuerte Gradierwerk zu präsentieren. Dann nämlich feiert Bad Salzungen das 100. Jubiläum seines "Bad"-Titels - und braucht dazu natürlich auch sein Wahrzeichen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten West-Thüringen | 06. Januar 2021 | 17:30 Uhr

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