Point-Alpha-Preisträger 2021 Mit der Politik verheiratet: Bernhard Vogel im Portrait

Bernhard Vogel ist einer der Letzten aus der Generation Helmut Kohl. Noch immer mischt der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen in der Politik mit. In diesem Jahr erhält er den Point-Alpha-Preis.

Bernhard Vogel, CDU
Der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel erhält in diesem Jahr den Point-Alpha-Preis. Bildrechte: imago/Rainer Unkel

In den zurückliegenden Jahren ist es ein bisschen ruhiger geworden um Bernhard Vogel. Trotzdem wird er ein ewiger Rekordhalter in der deutschen Politik bleiben - als dienstältester Ministerpräsident der Bundesrepublik und der Einzige, der zwei Bundesländer regiert hat. Dabei wollte der heute 88-Jährige eigentlich gar nicht in die Politik, wäre nach eigenen Worten lieber Professor an einer Universität geworden.

Kohl war so etwas wie sein Ziehvater

Der Politiker Bernhard Vogel wurde immer gerne beschrieben als einer der letzten Würdenträger aus der Generation Helmut Kohl. Der war so etwas wie sein politischer Ziehvater und Weggefährte - wobei immer klar war, wer Koch und wer Kellner war.

Kohl bestimmte Vogel in den 1970er-Jahren zu seinem Nachfolger als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und schickte ihn fast 20 Jahre später als Regierungschef nach Thüringen. "Er ist so wie ich, und er kann so herzlich lachen", so lobte Kohl seinen Ziehsohn in der Laudatio zu Vogels 70. Geburtstag.

Wenn Du jetzt gebraucht wirst, dann darfst Du Dich nicht versagen.

Bernhard Vogel

Sich selbst beschreibt Vogel als gewissenhaft, manchmal auch übertrieben genau. Er ärgert sich über unnötige Fehler, auch über die eigenen. Dass Vogel 1992 nach Thüringen ging, hat auch mit seiner Auffassung von politischer Arbeit zu tun. Als Bürger der Bundesrepublik habe er 40 Jahre auf der Sonnenseite gelebt, so beschreibt er seine Gefühlslage in jenen Tagen. "Wenn Du jetzt gebraucht wirst, dann darfst Du Dich nicht versagen."

Bernhard Vogel: "Bei allem was du tust, bedenke das Ende"

Tu, wozu Du gebraucht wirst - dieser Satz zieht sich durch Vogels Karriere. Und bei allem was du tust, bedenke das Ende - auch das war vom Thüringer Ministerpräsidenten regelmäßig zu vernehmen. Mit seiner unermüdlichen Präsenz in allen Städten und Kreisen, seiner Bodenständigkeit ohne Provinzialität gemischt mit natürlicher Autorität wurde er in Thüringen rasch populär.

Was lange kaum bekannt war: Schon vor der Wende war Vogel als Privatmann regelmäßig durch die DDR gereist und hatte dabei auch das heutige Thüringen besucht.

Bernhard Vogel (CDU/Ministerpräsident Thüringen) vor einem Schild mit dem Schriftzug - Top, Thüringen! CDU
Bernhard Vogel 1999. Bildrechte: imago images / photo2000

Mit der Routine des erfahrenen Politprofis brachte Vogel nebenbei noch die eigene CDU auf Kurs. Er sorgte dafür, dass Erneuerer und Blockflöten gleichermaßen nach seiner Pfeife tanzten und Kritiker die Fäuste nur in der Hosentasche ballten. Unter seiner Führung arbeitete sich Thüringen im Vergleich der jungen Bundesländer nach vorn und schloss wirtschaftlich zum ostdeutschen Musterschüler Sachsen auf - erkauft allerdings mit einer massiven Staatsverschuldung.

Enormes Pensum dank Schlaf-Trick

Aber auch die bitterste Stunde Thüringens fiel in seine Regierungszeit: Der 26. April 2002, als ein ehemaliger Schüler im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen ermordete und sich anschließend das Leben nahm. An diesen Tagen ging das Licht in der Staatskanzlei überhaupt nicht aus.

Dass er das immense und belastende Pensum der politischen Arbeit durchhalten konnte, hat mit einer Eigenschaft zu tun, um die ihn mancher beneiden dürfte: Immer und überall schlafen zu können - auch mal schnell zwischen zwei Terminen im Hubschrauber oder Auto. "Das ist eine Voraussetzung dafür, dass man rund um die Uhr arbeiten kann."

Bier gegen den Durst - Wein zum Vergnügen

Bernhard Vogel war mit der Politik verheiratet. In der wenigen freien Zeit schätzt er nach eigenen Worten einfache Freuden. "Bier gegen den Durst, und Wein zum Vergnügen. Was ich besonders gerne habe, ist in einem Kreis vertrauenswürdiger Leute zusammen zu sitzen zu reden, was Gutes zu essen, ne Zigarre zu rauchen, und wenn möglich Skat zu spielen."

Bernhard Vogel
Bernhard Vogel tritt noch immer bei CDU-Veranstaltungen auf, wie hier 2021. Bildrechte: dpa

Als Ehrenvorsitzender der Thüringer CDU mischt er sich regelmäßig in die Irrungen und Wirrungen der heimischen Christdemokratie ein. Wenn Parteitag ist, dann kommt der 88-Jährige von seinem Altersitz Speyer aus angereist und spricht zu den Delegierten. Mit seiner Rhetorik stellt er mit seinen fast 90 Jahren die meisten seiner Kollegen in den Schatten.

Bernhard Vogel in weiteren Videos

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR um 11 | 27. August 2021 | 11:00 Uhr

8 Kommentare

Critica vor 7 Wochen

Erichs Rache, ich hatte mehrfach genau dieses "Vergnügen" mit ihm. Er hat übrigens einen feinen Humor und ist ein erstklassiger Unterhalter, ohne dass auch nur ein einziges "politisches" Wort fällt.
Gute Bildung merkt man eben.
Danke, Herr Vogel!

Professor Hans vor 7 Wochen

Übrigens besonders vorzuwerfen ist sein Vorgehen in den 2000ern gegen die schulen un lesben Szene un Verbot derer Publikation. Die jungen Menschen aus Jena hatten sich nur mit seinem Stimmverhalten im Bundesrat kritisch auseinandergesetzt. Übrigens wurden die Hefte per EV eingezogen. ich hab noch zwei falls der mdr die Quellen zu sehen wünscht.

Professor Hans vor 7 Wochen

BessaManelka
Der Spruch wird immer wieder von Spitzenpolitikern vorgetragen.Glauben sie mir ich habe nicht Einen in meiner Jahrzehnte langen politikarbeit kennengelernt der das lebte,aber aufsagen konnten ihn alle.

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