Regionale Entwicklung Wie Einheimische und Touristen in der Rhön von 600.000 Euro profitieren sollen

In einem Unesco-Biosphärenreservat sollen Mensch und Natur in Einklang leben. Meist wird die Natur gefördert. In diesem Jahr aber hat das Thüringer Umweltministerium ein Regionalbudget für Projekte der Gemeinden in der Rhön aufgelegt - und die können sich damit Wünsche erfüllen, die sonst nicht umsetzbar gewesen wären. Allerdings müssen die Vorhaben nachhaltig sein. Davon können Einheimische, aber oft auch Touristen profitieren.

Fünfzehn Personen neben einer Wanderhütte.
Fördermittelübergabe an der Borscher Hütte: Ein Scheck für verschiedene Projekte mit vielen Beteiligten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Von der Borscher Wanderhütte reicht der Blick weit über die Rhön. Geisa liegt gegenüber auf einem Bergsporn, von der Hügelkette rechts daneben blitzt leuchtend blau das Dach vom "Haus auf der Grenze" der Point-Alpha-Stiftung. Die Hütte mit dem wunderbaren Ausblick ist erst drei Jahre alt. Gleich nebenan soll noch in diesem Jahr ein Abenteuerpfad entstehen, ein Spielplatz, der Kindern ermöglichen soll, selbst mit Naturmaterial zu bauen und zu experimentieren.

Sitzbänke, ein Insektenhotel, ein Tipi - alles ist möglich. Schulen und Kindergärten der Region sollen den Platz mit Weitblick als Bildungsstandort nutzen. Aber auch touristisch wird die Wanderhütte durch den Abenteuerspielplatz aufgewertet.

Wanderwege in der Rhön aufwerten

Ähnlich ist es bei vielen anderen Projekten. Einheimische wie Besucher haben etwas davon. So werden im Geisaer Amt und im Feldatal moderne Bushaltestellen mit E-Paper-Fahrplänen aufgestellt, die stets den aktuellen Stand zeigen und sogar barrierefrei für Sehbehinderte sind - oder für Menschen, die ihre Lesebrille vergessen haben: Auf Knopfdruck werden die Abfahrtszeiten vorgelesen.

Nachhaltig sind sie, weil sie mit Sonnenenergie betrieben werden. Eine ganze Reihe von Wanderwegen in der Rhön werden aufgewertet mit Informationstafeln oder anderen Stationen. In Otzbach beispielsweise wird der Jakobusweg zum "Stillen Weg" erweitert - mit Relaxliegen, einer tibetanischen Gebetsmühle und einem Meditationsplatz.

Ein Mann zeigt den Plan einer Haltestelle.
Horst Schauerte vom Verkehrsunternehmen Wartburgmobil zeigt ein Bild einer Haltestelle, die in der Rhön geschaffen werden soll. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Orientieren am Sternenhimmel über der Rhön

Bei anderen Vorhaben geht es gezielt um Tourismus. Gefördert werden drei "Nature Homes" bei Hermannsfeld, emissionsfreie kleine Häuser zum Erleben und Übernachten in der Natur. Auf dem Gläserberg und dem Emberg werden "Rhönomaten" aufgestellt, Verkaufsautomaten mit regionalen Produkten für Wanderer - für Zeiten, wenn die Wanderhütten nicht bewirtschaftet sind.

Auf der Hohe Geba wird ein sogenannter Skypole errichtet, mit dem man sich am nächtlichen Sternenhimmel orientieren kann. In Wölferbütt entsteht am "Keltenpfad" ein Kneippbecken, am "Hochrhöner" bei Brunnhartshausen eine Trekkingplattform als legaler Naturlagerplatz, sogar mit Komposttoilette und Solarstrom-Anschluss.

Luftaufnahme der Stadt Geisa im Süden des Wartburgkreises in der thüringischen Rhön im Ulstertal. 1 min
Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Fr 10.08.2018 15:30Uhr 00:45 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/west-thueringen/wartburgkreis/video-geisa-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Verein Rhönforum: Schönheit der ganzen Region darstellen

Ein Modellprojekt für die gesamte Rhön hat sich der Verein Rhönforum vorgenommen, der für Regionalentwicklung und Tourismus in der Thüringer Rhön zuständig ist. Er will versuchen, die Besucher künftig besser zu lenken. In Corona-Zeiten hatten bisweilen zu viele Menschen gleichzeitig beliebte Ziele angesteuert - wie beispielsweise die Wasserkuppe.

"Wir wollen die Touristen in die Breite der Region bringen", sagt der Vereinsvorsitzende, der Landtagsabgeordnete Martin Henkel (CDU). Es gebe so viele schöne Orte und Highlights in der Rhön, diese Fülle wolle man digital besser darstellen und so Touristen verteilen und Ziele entlasten.

Eine Frau zeigt mehrere Info-Blätter.
Manuela Henkel, Bürgermeisterin von Geisa, freut sich über das Engagement der Vereine. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schnell und spontan habe man Anfang des Jahres die Ideen für die Projekte zu Papier gebracht, berichtet die Geisaer Bürgermeisterin Manuela Henkel (CDU). Die Vereine hätten die Stadt dabei sehr unterstützt. So ging es in vielen Gemeinden im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. Fast 50 Projektvorschläge kamen zusammen für insgesamt 1,8 Millionen Euro.

Da das Umweltministerium für die Rhön 520.000 Euro eingeplant hatte, musste ausgewählt werden. Von einer anstrengenden Fünf-Stunden-Sitzung gemeinsam mit dem Rhönforum berichtet Ulrike Schade, die Leiterin der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats. Die Ideen der Gemeinden seien aber so überzeugend und innovativ gewesen, dass es noch einen Nachschlag vom Land gab. Jetzt fließen knapp 600.000 Euro in die Rhön, in fast 30 Projekte.

Geisa bekommt fast 100.000 Euro für sechs verschiedene Vorhaben. Vorn links Ulrike Schade und Franz Riedel von der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, rechts Manuela Henkel (CDU), Bürgermeisterin von Geisa, und Martin Henkel, Vorsitzender des Rhönforum e.V.
Geisa bekommt fast 100.000 Euro für sechs verschiedene Vorhaben - zur Freude von Ulrike Schade und Franz Riedel von der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Martin Henkel vom Rhönforum und Manuela Henkel, Bürgermeisterin von Geisa (von links). Bildrechte: MDR/Ruth Breer

LED-Beleuchtung für Diedorfer Sportplatz

Ein Lieblingsvorhaben von Ulrike Schade ist der Sportplatz von Diedorf, einem Ortsteil von Dermbach. Dort wird die Beleuchtung umgerüstet auf LED. Davon profitieren alle Seiten: die Menschen im Nachbarort Fischbach, die sich über das helle Licht beschwert hatten, die Insekten, weil die Lichtfarbe jetzt verträglicher ist, und wegen des geringeren Stromverbrauchs auch Gemeindekasse und Klimaschutz.

Selbst "sozial nachhaltig" sei dieses Projekt, sagt Schade. Denn nicht der Bauhof oder eine Firma führt die Arbeiten aus, sondern die Freunde des Vereinsheims packen selbst an. So ist es ihren Angaben nach auch bei einigen anderen Vorhaben: Den zehnprozentigen Eigenanteil bringen viele durch Eigenleistung auf. Die Gemeinden tragen das Biosphärenreservat, sagt Schade. Mit dem Förderprogramm des Landes bekommen sie etwas zurück - für sich und ihre Gäste.

Dabei ist die Rhön nur eine der insgesamt acht Nationalen Naturlandschaften in Thüringen, die von einem Regionalbudget profitiert. Alle zusammen erhalten in diesem Jahr 2,7 Millionen Euro vom Thüringer Umweltministerium.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. Juli 2021 | 17:30 Uhr

2 Kommentare

DermbacherIn vor 15 Wochen

In Sachen nachhaltiger Tourismus hängt man in der thüringischen Rhön seiner Zeit noch weit hinterher, eine Zusammenarbeit mit der fränkischen- und der hessischen Rhön wäre dringend geboten!

USc vor 15 Wochen

Natürlich ist es sehr schön für alle Beteiligten, wenn auf einmal zusätzliche Geldmittel zur Verfügung stehen. Ich finde es aber eine klare Verletzung des Subsidiaritätsprinzips, wenn das Umweltministerium hier Gelder verteilt, die eigentlich von vornherein den Regionen, Gemeinden, Vereinen usw. zustehen Und ganz offensichtlich werden hier mit großem Aufwand "peanuts" verteilt:
600.000 € für die Rhön
2.700.000 € Regionalbudget des Umweltministeriums
167.000.000 € für die Sanierung des Deutschen Nationaltheaters, wie man vor kurzem hier beim MDR nachlesen konnte. Und bei diesen 167 Mio. gibt es dann gleich gar keine Bürgerbeteiligung mehr, das wird einfach mal so von Land und Bund entschieden.

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