Gedenken an Gefallene Ex-Staatssekretär: Nicht Bundeswehr ist in Afghanistan gescheitert, sondern die Politik des Westens

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Der frühere parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU), hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan verteidigt. Nicht die Streitkräfte des Westens seien in dem Land gescheitert, sondern die Politik vor allem der USA, sagte Tauber am Donnerstag in Bad Salzungen bei einer Gedenkveranstaltung der Bundeswehr für gefallene Soldaten. Es sei nicht gelungen, "dort eine Ordnung zu etablieren, die einen Rechtsstaat gründet, die Menschenrechten zur Geltung verschafft".

Peter Tauber, ehem. Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium
Der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU), nahm am Donnerstag an der Gedenkveranstaltung in der Werratal-Kaserne in Bad Salzungen teil. Bildrechte: MDR/Andreas Höfer

Die Bundeswehr sei erfolgreich gewesen und habe ihre Aufträge oft unter schwierigen Bedingungen erfüllt, sagte Tauber weiter. Und sie habe in Afghanistan kämpfen gelernt. Frieden und Freiheit müssten verteidigt werden, so der CDU-Politiker, der von 2018 bis 2021 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium war. "In einer globalisierten Welt kann unsere Freiheit morgen an einem Ort infrage gestellt werden, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können." Mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan habe Deutschland auch bewiesen, dass es treu zu seinen Nato-Verbündeten stehe.

Mit Blick auf die vom Bundestag diskutierte Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum Afghanistan-Einsatz sagte Tauber, seine persönliche Bilanz falle gemischt aus. Es sei erreicht worden, dass keine terroristische Bedrohung für Deutschland mehr von Afghanistan ausgehe, so Tauber im Gespräch mit MDR THÜRINGEN. Erreicht worden sei auch, "dass es so etwas wie eine Stabilität gab, dass Mädchen zur Schule gehen konnten". Jedoch sei es nicht gelungen, "dies zu verstetigen". Man habe sich auf politischer Ebene nicht bewusst gemacht, "dass, wenn man nach Afghanistan geht, man dort lange bleiben wird".

Ich würde mir wünschen, wenn man den Mut hat, klar zu sagen, Militär kann ein Mittel der Politik sein, um Stabilität und Ordnung herzustellen, das hat die Bundeswehr bewiesen im Einsatz, aber auch zu erkennen, dass das Militär allein die Lösung nicht wird bringen können.

Peter Tauber, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium

Tauber sprach auf einer Gedenkveranstaltung in der Werratal-Kaserne in Bad Salzungen, wo das Panzergrenadierbataillon 391 der Bundeswehr an drei Soldaten der Einheit erinnerte, die am 23. Juni 2009 bei einem Gefecht mit Taliban ums Leben gekommen waren. Die drei Soldaten hätten den höchsten Preis im Dienst für ihr Vaterland bezahlt, sagte Tauber. "Ihr Tod führt uns vor Augen, dass Frieden und Freiheit nicht bestehen können, wenn es keine Männer und Frauen gibt, die das Äußerste wagen."

Gedenkstein für Gefallene in Werratal-Kaserne in Bad Salzungen
Mit diesem Gedenkstein erinnert das Panzergrenadierbataillon 391 an alle Angehörigen der Einheit, die im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland ihr Leben verloren. Bildrechte: MDR/Andreas Höfer

Der stellvertretende Bataillonskommandeur Oberstleutnant Frank Schedel sagte, die Einheit werde die drei Soldaten niemals vergessen - ebenso wie die anderen 35 Soldatinnen, Soldaten und Zivilangestellten des Standortes Bad Salzungen, die im Dienst für ihre Vaterland gestorben seien.

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MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. Juni 2022 | 19:00 Uhr

26 Kommentare

knarf2 vor 1 Wochen

Kleingartenzwerg:Soldaten die von der Bevölkerung meist als Besatzer wahrgenommen werden können niemals alle Probleme in einem fremden Land lösen auch wezsie sich es wünschen

Tacitus vor 1 Wochen

@martin, natürlich war in den 70ern Afghanistan ein offenes Land, Miniröcke bei Mädchen, Frauen als Ärzte (ich habe sogar eine im entfernten Bekanntenkreis). Aber nach dem Sturz von Nadschibullah in den 90ern geriet das Land fest in die Hand des Steinzeitislam. Dort sind 99% für Todestrafe bei Verlassen des Islam, ebenso Blasphemie etc.
Diese Kulturen sind nicht mit uns kompatibel. Deshalb: Raus dort, keine Unterstützung. Die Menschen dort sollen ihr Land gestalten wie sie wollen.

martin vor 1 Wochen

@tacitus: Haben Sie mal die Bilder und Berichte aus Afghanistan der Jahre 1960/1970 gesehen? Falls nicht: Bei Youtube kann man so etwas finden. Nach Steinzeitislam sieht das meiner Meinung nach nicht aus.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die afghanische Welt war natürlich nicht "so heil" wie diese Bilder suggerieren.

Wenn ich jetzt etwas davon schreiben würde, dass das Ende von "die Menschen dort leben lassen, wie sie wollen" durch den sowjetischen Einmarsch beendet wurde, würde "knarf2" vermutlich wieder "Haß auf Russland" bei mir vermuten.

@knarf2: Nein, ich habe keinen entsprechenden Hass auf Russland. Wenn Sie bei meinen Beiträgen genauer hinschauen, werden Sie finden, dass ich Putin und seine Kumpanen für ihr Verhalten sehr kritisiere. Ich will aber nicht ausschließen, dass ich aus Ungenauigkeit auch mal Russland geschrieben habe.

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