Wartburgkreis Corona-Regeln in Bad Salzungen: Unterwegs mit Polizei und Ordnungsamt

Seit Pandemiebeginn verzeichnet Thüringen tausende Verstöße gegen die Corona-Regeln. Vergangene Woche wurden die Auflagen verschärft - und auch die Kontrollen. Unterwegs mit Ordnungshütern in Bad Salzungen.

Drei Männer laufen durch die Fußgängerzone in Bad Salzungen.
Corona-Kontrollen in der Fußgängerzone in Bad Salzungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Bad Salzungen gehen Ordnungsamt und Polizei seit Beginn dieser Woche gemeinsam auf Streife. "Hier gilt 2G", ist an vielen Scheiben und Eingangstüren zu lesen, teils versehen mit dem Zusatz "Nur Geimpfte und Genesene dürfen den Laden betreten". Auch Hinweise auf Maskenpflicht und Mindestabstand zieren die Schaufenster.

Kontrolliert wird die Einhaltung der Corona-Regeln an diesem Tag von Lucas Kind vom Ordnungsamt und den beiden Hauptkommissaren Torsten Senf und Axel Bräunling. Es ist die erste 2G-Kontrolle in den Geschäften. Vergangene Woche wurden die neuen Verordnungen erlassen, das Landratsamt Wartburgkreis bat am vergangenen Donnerstag um Mithilfe.

Auf dem Markt gab es bereits Kontrollen dahingehend, ob Maskenpflicht und Abstandsregeln eingehalten werden. Das sei laut Bad Salzunger Ordnungsamt ganz gut gelaufen. Hauptkommissar Axel Bräunling war für eine erste 2G-Kontrolle in der Gastronomie bereits am Wochenende unterwegs. Auch da gab es keine Probleme: "Die Leute haben sich gefreut und alle bereitwillig ihre Impfausweise gezeigt." Das ist bei der Streife durch die Bad Salzunger Geschäfte ähnlich. Kein Gezeter oder Gemurre.

Ein Schild mit Corona-Regeln an einer Wand.
Vielerorts weisen Schilder auf die Corona-Regeln hin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Polizei unterstützt Ordnungsamt bei Kontrollen

Mit den steigenden Infektionszahlen und den Verlegungen aus den Krankenhäusern steige zum Teil die Besorgnis der Bewohner. Aber nicht nur das erlebt die Stadtverwaltung in Bad Salzungen. "Es gibt auch Bürgerinnen und Bürger, die angesichts der vierten Welle und dem Wechsel der Freiheitsrechte und den Einschränkungen während der Pandemie mehr und mehr frustriert sind: Sie akzeptieren das weniger und reagieren dementsprechend gereizter", sagt der hauptamtliche Beigeordnete der Stadt Bad Salzungen, Hannes Knott. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts bekommen das auch in anderen Bereichen mit, etwa, wenn es um das Verteilen von Strafzetteln geht.

Eiscafé-Besitzer Loris Casagrande mit Maske.
Für Eiscafé-Besitzer Loris Casagrande bedeuten die Regeln auch mehr Aufwand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deshalb war für alle von Anfang klar, dass die Kontrollen nur als Zusammenarbeit zwischen Ordnungsamt und Polizei funktionieren. "Um auch in zugespitzteren Situationen gleich reagieren zu können", sagt Hannes Knott. Aber auch, um vorzubeugen. Das erleben auch einige Ladenbetreiber und Gastronome. "Ich wurde schon beschimpft", erzählt Loris Casagrande.

Bei ihm gestalten sich die Kontrollen etwas problematisch: Sein Eiscafé befindet sich mitten im Einkaufszentrum, ohne Eingangstüren oder Wände. So können die Kunden gleich von mehreren Seiten problemlos ins Café gelangen und Platz nehmen. Wenn sie dann kontrolliert werden und 2G nicht einhalten können, regen sich manche auf und sagen, sie kämen nicht wieder.

Manche Kunden bleiben weg, andere sind genervt

Das einige Kunden seit den verschärften Regeln wegbleiben, erlebt auch Bianca Malsch: "Einige sind verunsichert oder steigen noch nicht bei den Regeln durch. Sie bestellen dann lieber im Internet. Das ist für uns Einzelhändler fatal." Sie hatte sich ebenfalls gründlich auf die neuen Regeln vorbereitet. Ihr und ihren Mitarbeitern sei zunächst nicht klar gewesen, ob die Confiserie nun 3G- oder 2G-Regeln unterliegt.

Bei den Kunden sitzen die Masken und sie werden fleißig überprüft. "Darauf reagieren die einen so und die anderen so. Manche sind einfach genervt", sagt Bianca Malsch. Die Kontrollen von der Polizei und dem Ordnungsamt begrüßt sie, die 3G- und 2G-Regel nicht. "Ich bin eigentlich dafür, dass jeder einen Test machen muss."

Hauptkommissar Axel Bräunling unterhält sich in einem Café mit einem Kunden.
Wer im Café Kuchen oder Kaffee genießen möchte, muss vorher seinen Impf- oder Genesenenstatus vorzeigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So richtig begeistert scheint von den Regeln kaum jemand in Bad Salzungen zu sein. Aber die Einzelhändler, Gastronomen und Kunden nehmen sie als gegeben hin und versuchen, sie einzuhalten. "Wer keinen Personalausweis oder Führerschein zum Impfausweis oder Attest vorlegen kann, muss gehen", heißt es in einem Café. "Eine Versichertenkarte mit Lichtbild geht auch", sagt Lucas Kind vom Ordnungsamt. Aber lieber so als zu nachlässig. Bei der Streife gibt es zwar keine direkten Strafen, aber Ordnungswidrigkeiten können mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Und die müssen dann die Inhaber zahlen: Denn ihnen obliege die Kontrolle. Die Kunden hätten keine Vorzeigepflicht ohne Aufforderung, erklärt Lucas Kind.

Bei Kontrollen mit Augenmaß vorgehen

Bei der Streife durch die unterschiedlichen Bekleidungs- und Schuhgeschäften, zum Juwelier und Sportladen fragen er und die beiden Polizisten auch nach Problemen. "Gibt es eigentlich ein einheitliches Attest für Genesene? Ich habe nämlich keine Ahnung, ob die vorhin echt waren", erzählt eine Laden-Mitarbeiterin. Die Antwort erleichtert ihre weiteren Kontrollen nicht. Sie lautet "nein".

Einmal ist zu hören, dass nicht jeder Kunde überprüft werden kann. Warum? Die Antwort bleibt aus. Die Ordnungshüter decken einen Verstoß auf. Ein Gast kann 2G nicht nachweisen. Also muss er das Café verlassen. Lucas Kind muss das beim Gesundheitsamt anzeigen. Das entscheidet über Konsequenzen.

Beim ersten Verstoß soll es eigentlich bei einer Verwarnung bleiben, beim wiederholten Male sollen Bußgelder folgen. Vielmehr bleibt für die Ordnungshüter bei der ersten Streife nicht zu tun. Einmal erklären sie noch, dass die Ladenbesitzer auch auf die Maskenpflicht hinweisen müssen. Ansonsten haben sie nichts zu bemängeln. Alle drei sind zufrieden. "Die Zusammenarbeit lief hervorragend, die Ladenbesitzer sowie die Kunden haben alle gut auf die 2G-Kontrolle reagiert." Das wünschen sie sich auch für die weiteren Kontrollen. Wie oft und wie viele es geben wird, ist offen. Fest steht aber, dass weitere Streifen folgen werden.

Quelle: MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 30. November 2021 | 19:00 Uhr

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