Jubiläum 150 Jahre: Wie die Feuerwehr in Treffurt beim Nachwuchs erfolgreich ist

Die Treffurter Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr eigentlich gleich zwei Gründe zum Feiern: Das 150-jährige Bestehen der Einsatztruppe und 30 Jahre Kinder- und Jugendfeuerwehr. Doch die Pandemie machte der geplanten Wochenendfeier einen Strich durch die Rechnung. Auch in diesem Jahr kann das Fest nicht stattfinden. Aber wenigstens können nun die Feuerwehrleute wieder gemeinsam trainieren und den Nachwuchs ausbilden.

Kinder spielen neben zwei Feuerwehrautos
Auf dem Gelände der Feuerwehr Treffurt spielten die Kinder viele Spiele, bei denen sie ihre Geschicklichkeit, Fitness und Teamfähigkeit schulten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Normalerweise treffen sich die Sechs- bis Zehnjährigen der Stadtgruppe jeden Donnerstag und die Elf- bis 18-Jährigen jeden Freitag. Bei dem zweiten Training sind aber beide Gruppe gleichzeitig aktiv. Die Jugendlichen üben ihre Genauigkeit und Treffsicherheit. Sie müssen die 15 Meter langen Wasserschläuche so werfen, dass die sich gerade ausrollen.

Als Hilfe dienen ein paar Plastikflaschen, die mit dem Schlauch umgekegelt werden sollen. Klingt leichter, als es ist. Die ersten Schläuche landen kreuz und quer. Also wieder vernünftig zusammenrollen und ein neuer Versuch. Die Mädchen und Jungen geben nicht auf und nacheinander bekommen sie es dann doch noch hin.

Erste Schritte in der Kindergruppe

Ein Teil der Gruppe lässt sich währenddessen vom Berufsfeuerwehrmann Philipp Weber den neuen Einsatzwagen erklären. Wo befinden sich beispielsweise die Atemschutzmasken und mit welchem Werkzeug lassen sich beispielsweise Scheiben einschlagen? Die Fahrzeugkunde macht Lena Weidlich viel Spaß, aber auch die restliche Ausbildung.

Die Elfjährige hat wie einige andere bereits in der Kindergruppe angefangen. So auch die Zwillinge Bill und Leon Schnitter. Den beiden Zwölfjährigen gefällt vor allem, Freunde zu treffen und an Wettkämpfen teilzunehmen. Jonas Noreck sagt: "Es ist eine schöne Abwechslung und man lernt viel. Zum Beispiel Erste Hilfe, die man später für den Führerschein gut gebrauchen kann."

Kinder stehen vor einem Feuerwehrauto
Berufsfeuerwehrmann Philipp Weber erklärt den Kinder den neuen Einsatzwagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kein Feuerwehr-Equipment für die Kleinen

Auf der anderen Seite der Feuerwehrwagen ist die Kindergruppe aktiv - allerdings ohne Feuerwehr-Equipment. "Die Sechs- bis Zehnjährigen dürfen damit nicht üben, denn die Sicherheitsvorschriften lassen das nicht zu und so haben wir nur wenig Spielraum", erklärt die Ausbilderin Veronika Ratajczak. Deshalb gibt es für die Kinder viele Spiele, bei denen sie unter anderem ihre Geschicklichkeit, Fitness und Teamfähigkeit schulen.

In zwei Teams stellen sie sich auf und dann läuft einer nach dem anderen mit einem Wasserbecher in der Hand Slalom durch die Kegel. Am Ende der kurzen Strecke wird das Wasser in einen Eimer geschüttet und dann geht es wieder zurück zum Team wie beim Staffellauf. Am Ende misst die Feuerwehrfrau Anik Weidlich den Wasserstand in den Eimern. Das Team, das am wenigsten verschüttet hat, gewinnt.

Egal, ob gewonnen oder nicht, alle stimmen dem sechsjährigen Linus Scholz zu: "Die Ausbildung und das Spielespielen machen viel Spaß." Die beiden Geschwister Sophia und Henry Schuchhardt sehen das genauso - am liebsten sitzen sie im Feuerwehrauto. Das dürfen sie auch heute.

Leonhard Mangold möchte später gerne zur Einsatzgruppe, denn er findet es gut, anderen Menschen zu helfen. Der Neunjährige kam zur Kinderfeuerwehr, weil sein Vater früher bei der Feuerwehr war. Das ist nicht ungewöhnlich: Einige der Kinder und Jugendlichen kommen über ihre Eltern zur Feuerwehr, entweder weil diese selbst aktiv waren oder es noch sind.

Kinder der Treffurter Feuerwehr beim Spielen
Kinder spielen auf dem Gelände der Feuerwehr Treffurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Genug Feuerwehr-Nachwuchs in Treffurt

Zusätzlich arbeitet der Verein mit Grundschulen sowie Kindergärten zusammen, besucht die Gruppen oder lädt sie auf das Feuerwehrgelände ein. Außerdem gehen die Mitglieder auf Veranstaltungen, Festivals und Messen, um die Werbetrommel zu rühren. Das zahlt sich aus, denn die Ausbildungsgruppen sind immer gut gefüllt.

Zu den vier Ortsgruppen der Treffurter Kinder- und Jugendfeuerwehr gehören derzeit 73 Mitglieder. Doch nicht alle Kinder und Jugendlichen gehen später in die Einsatzgruppe. "Wir wünschen uns natürlich, dass alle bleiben, aber die Realität sieht anders aus. Einige ziehen wegen der Ausbildung oder dem Studium weg, andere möchten nicht weitermachen.

Aber wir können uns nicht beschweren, denn von zehn bleiben uns meist drei bis vier erhalten", sagt David Büchner. Nachwuchsprobleme kennt diese Freiwillige Feuerwehr also nicht. Mit 16 Jahren können die Jugendlichen bei den Erwachsenen reinschnuppern. Nach verschiedenen Weiterbildungen darf man dann ab 18 Jahren aktiv in die Einsatzgruppe, deren Anfänge weit zurückreichen.

Statt Wassereimer: Wie sich die Feuerwehr gründete

Anfang des 17. Jahrhunderts musste jeder Hausbesitzer in Treffurt einen Wassereimer Zuhause haben. Wenn dann am Rathaus die Alarmglocke erklang, liefen alle zum Löschen. "1870 gab es dann eine neue Brandschutzreform und so beschlossen einige Treffurter eine Feuerwehr zu bilden", erzählt der Vereinsvorsitzende.

Damals waren es 60, heute sind es 99 Mitglieder. Die elf Frauen und 88 Männer verteilen sich auf insgesamt sechs Standorte der Gemeinde. In den mehr 150 Jahren haben sich nicht nur die Mitgliederzahlen verändert, sondern auch die Aufgaben.

Die Feuerwehrleute kommen nach wie vor bei Bränden zum Einsatz, aber genauso wenn Ölspuren gekehrt werden müssen und bei technischen Hilfeleistungen. Schwere Verkehrsunfälle gehören ebenfalls dazu, genauso wie Katzen vom Baum zu retten.

Das neue Gerätehaus der Treffurter Feuerwehr
Das neue Gerätehaus der Treffurter Feuerwehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Millionen-Betrag für neues Gerätehaus

Die Jubiläumsfeier musste zwar aufgeschoben werden, aber in diesem Jahr gibt es trotzdem noch Grund zur Freude: Im Herbst kann die Treffurter Feuerwehr nämlich ihr neues Gerätehaus beziehen. Keine fünf Minuten vom alten entfernt hat die Stadt ein Grundstück gekauft und im Februar 2020 den Bau gestartet.

In dem neuen Gerätehaus gibt es nun getrennte Umkleiden und Sanitäranlagen für Männer und Frauen sowie auf der anderen Gebäudeseite für Jungen und Mädchen. Zwei Schulungsräume und fünf große Garagen mit einer Waschstraße sind ebenfalls vorhanden. In der oberen Etage haben die aktiven Feuerwehrleute einen extra Bereich samt Fitnessraum. Draußen soll noch ein Volleyballfeld entstehen und "falls noch etwas benötigt wird, wie mehr Platz, können wir jederzeit anbauen", sagt Bürgermeister Michael Reinz.

Für den Neubau bekommt die Stadt insgesamt 450.000 Euro Fördermittel vom Freistaat Thüringen und vom Wartburgkreis. Doch den Großteil zahlt Treffurt selbst. "Um die insgesamt drei Millionen Euro zu stemmen, mussten wir allerdings einen Kredit aufnehmen", so der Bürgermeister.

Aber es war dringend nötig, denn das alte Gerätehaus ist zu klein, weist immer mehr Mängel auf und erfüllt nicht mehr die Standards. Das Neue wird voraussichtlich im September eingeweiht. Im kommenden Jahr soll dort dann auch endlich der Geburtstag der Treffurter Feuerwehr nachträglich gefeiert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Juni 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen

Eine maskierte Person wird von Polizisten gegen einen Streifenwagen gedrückt. 1 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk