Wartburgkreis Friedhof Großburschla mit Unkraut und Gras überwuchert

Es macht schon einen Unterschied, wo das Gras zu hoch steht: Wenn auf einem Friedhof flache Grabplatten nicht mehr zu erkennen sind, dann verletzt das die Hinterbliebenen. Ein ungemähter Straßenrand dagegen verletzt womöglich die Verkehrssicherungspflicht. Und wenn alles so schnell wächst wie in diesem Sommer, dann haben Gemeinden ein Problem. In Treffurt im Wartburgkreis kommt gleich mehreres zusammen.

Treffurt: Unkraut und hohes Gras auf Friedhöfen sorgen für Unmut
Unkraut zwischen Grabsteinen auf dem Friedhof Großburschla verärgert die Bürger - im feinen Basaltsplitt hat sich viel Grün breitgemacht. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Auf dem Friedhof im Treffurter Ortsteil Großburschla sprießt viel Grün durch den feinen Basaltsplitt zwischen den Gräbern. An einer Stelle hat sich eine Kleewiese ausgedehnt, woanders stehen einzelne Pflanzen einen halben Meter hoch, zum Teil direkt hinter den Grabsteinen. Auf einem Grabfeld, wo flache Steinplatten mit Namen und Lebensdaten im Boden eingelassen sind, ist der Rasen dazwischen so hoch, dass die hinteren Platten nur zu erahnen sind. Daneben stehen Wiesen kniehoch. "So darf ein Friedhof nicht aussehen", sagt Sabine Sallmann, "das hat keiner verdient, der unter die Erde kommt." Und Steffi Gertler fragt: "Was sind unsere Lieben wert? Sie haben hier ihre letzte Ruhestätte - und die sollte ordentlich sein."

Gräber auf einem Friedhof. Zwischen den Grabsteinen wuchert das Gras.
Eine Kleewiese hat sich als Grünfläche auf dem Splitt ausgedehnt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kritik an Unkraut auf Friedhof: "Es sieht nicht schön aus"

Die beiden besuchen hier die Gräber ihrer Verstorbenen - und sie sind nicht die einzigen, die sich am Zustand des Friedhofes in Großburschla stören. Unkraut, ungepflegte Hecken, das müsste nicht sein, sagt ein Mann, der im vorderen Teil an einem Grab hantiert. "Es sieht einfach nicht schön aus", meint eine Frau. Alles etwas zugewachsen, stellt ein Mann fest, der an einem Grab ganz am Rande des großen Friedhofes Verblühtes abknipst, "es müsste öfters gemäht werden".

Zwei Frauen stehen auf dem Friedhof in Großburschla.
So schlimm war es noch nie - und darf es auf einem Friedhof nicht sein, meinen Sabine Sallmann (l.) und Steffi Gertler aus Großburschla. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Bauhof kommt mit der Pflege nicht nach

Die Beschwerden kennt der Treffurter Bürgermeister Michael Reinz (parteilos). Er nennt mehrere Gründe für den schlechten Zustand: Zum einen liege es daran, dass in diesem Sommer alles besonders kräftig wächst. Viel Regen, viel Wärme - da müssten die zehn Bauhof-Mitarbeiter im Grunde alles gleichzeitig wöchentlich mähen. "Wir kommen mit der Pflege nicht nach", sagt Reinz. Es gibt allein fünf Friedhöfe in allen Ortsteilen, dazu Spielplätze, Bankette an Straßen und Radwegen. In den trockeneren Vorjahren war der Aufwand deutlich geringer.

Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (parteilos).
Die Stadtverwaltung kommt derzeit nicht hinterher: Der Treffurter Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) sieht eine Ursache für die Misere auf den Friedhöfen bei Wetter und Vegetation. In diesem Jahr müsse deutlich häufiger gemäht werden als in den Vorjahren. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Keine Pflanzengifte - mehr Handarbeit

Ein weiterer Grund: Pflanzengifte sind mittlerweile verboten. Unkraut muss also per Hand beseitigt werden, und das ist aufwändig und kostet viel Zeit. Am vergangenen Wochenende gab es im Ortsteil Falken nach einem Aufruf des Ortsteilbürgermeisters einen Arbeitseinsatz auf dem dortigen Friedhof, berichtet Reinz. 20 Freiwillige kamen und zogen zwei Stunden lang das Grün aus dem Hauptweg. Schnell sei "klar Schiff" gewesen, sagt der Bürgermeister und rechnet vor: Einer seiner Mitarbeiter wäre damit eine Woche lang beschäftigt gewesen. Jetzt sind gerade vier Leute vom Bauhof auf dem Falkener Friedhof im Einsatz mit Rasentraktor, Rasenmäher und Motorsense.

Mitarbeiter des Bauhofs mähen den rasen auf dem Friedhof Falken in Treffurt.
Auf dem Friedhof im Ortsteil Falken sind mehrere Mitarbeiter des Bauhofs im Einsatz. Viel Grün ist schon abgemäht und aufgeladen. Dort muss auch die Blühwiese fallen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Wiesen gegen das Insektensterben

Dass das Gras auf ungenutzten Grabfeldern einfach wachsen darf, ist dagegen Absicht: Die Stadt will etwas gegen das Insektensterben tun, sagt der Bürgermeister. Deshalb lässt sie Wiesen stehen und nur zweimal im Jahr mähen. An anderen Stellen wurden extra Blühstreifen eingesät, beispielsweise in der Kernstadt entlang der Straße. Blühwiesen auf ihrem Friedhof in Großburschla hält Sabine Sallmann für überflüssig. Es gebe dort am Waldrand und in den vielen Gärten ausreichend Nahrung für Insekten, sagt sie. Und Steffi Gertler meint: "Für mich sind das keine Bienenwiesen, das ist Unkraut." Bequemlichkeit sei das von der Stadt, kritisiert sie, damit nicht gemäht werden müsse.

Eine Wiese mit hohem Gras wächst auf einem unbelegten Gräberfeld auf der Friedhof Großburschla.
Auf einem unbelegten Gräberfeld darf die Wiese hoch wachsen und wird nur zweimal im Jahr gemäht - die Stadt will damit Insekten Nahrung bieten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kirchengemeinde hat um Blühwiesen gebeten

Das mit den Insektenwiesen sieht die Kirchengemeinde im jüngsten Treffurter Ortsteil Ifta anders: Sie hatte eigens die Stadtverwaltung darum gebeten, auf den großen unbelegten Grabfeldern Blühwiesen anzulegen, berichtet die zuständige Pastorin Susanne-Maria Breustedt. Auch habe man Hilfe beim Mähen angeboten. Die Wiesen werden sich entwickeln, sagt sie, weil die Friedhöfe immer mehr leere Flächen bekommen werden. Denn Erdbestattungen und auch Urnengräber nehmen ab. "Da finde ich so eine Blühwiese eigentlich eine schöne Alternative."

Plattengräber auf einer Wiese auf dem Friedhof Großburschla.
Weil länger nicht gemäht wurde, sind die flachen Plattengräber im Rasen kaum noch zu erkennen - die hinteren Reihen kann man nur erahnen. Bildrechte: MDR / Ruth Breer

Zusätzliche Kräfte oder Gemeinschaftsaktion

Sabine Sallmann und Steffi Gertler wünschen sich für die Friedhöfe zusätzliche Helfer. Rentner oder Studenten, die sich auf 450-Euro-Basis etwas dazu verdienen wollten, das sei doch machbar, sagen sie. Am besten einen für jeden Ortsteil. Für zusätzliche Arbeitskräfte oder Fremdfirmen sieht Bürgermeister Michael Reinz jedoch keinen finanziellen Spielraum, er setzt auf die Gemeinschaft. "Die Stadt - das sind doch wir alle", sagt er und hofft auf einen Arbeitseinsatz ähnlich wie in Falken. Außerdem würde er gern mittelfristig den pflegeintensiven Basaltsplitt in Großburschla durch Rasen ersetzen. Bei einer Gemeinschaftsaktion würden auch Sabine Sallmann und Steffi Gertler mithelfen. Aber dabei müsse die Stadt vorangehen, sagen sie, und nicht die Einwohner.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juli 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Steffi67 vor 14 Wochen

Bei einem Doppelgrab oder einem Einzelgrab ist es auch was anderes,das steht außer Frage. Klar hält man dann rundherum alles sauber. Bei einer Wiese mit Urnen, welche nur Platten darauf haben,geht das schlecht. Sieht man auf dem Foto. Man kann die Gräber nur erahnen. Wenn so ein Platz angeboten wird muss auch das Mähen gewährleistet sein. Soll jeder Hinterbliebene seine Fläche von 40x40 rundherum selber mähen???

Feli vor 14 Wochen

Wirklich verletzt wird die Natur. Es ist doch toll, dass sich dieses Jahr die Pflanzen endlich wieder etwas erholen und wachsen können. Gerade Klee ist super für die Insekten. Vielleicht sollte mehr an die Zukunft und nicht nur an die Vergangenheit gedacht werden. Eintönig gemähte Flächen sind doch langweilig.

beyer vor 14 Wochen

Was soll denn Unkraut sein? Kenne ich nicht.
Wer wirklich was für die Insekten tun möchte sollte auch nicht die ganze Wiese an einem Tag mähen.
Wenn das Gras nicht in Reih und Glied steht sieht es doch viel besser aus.
Gras scheren hat auch nichts mit Sauberkeit zu tun.

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