Gebietsreform in Westthüringen Größerer Wartburgkreis - Eisenach gibt Kreisfreiheit auf

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Einen gemeinsamen Kreistag gibt es bereits, auch einen ersten gemeinsamen Haushalt. Ab 2022 übernimmt der Wartburgkreis die Aufgaben der vormals kreisfreien Stadt Eisenach. Das soll die Stadt finanziell entlasten und die Region insgesamt stärken. Das Land unterstützt die einzige Kreisgebietsreform der jüngsten Zeit mit 42 Millionen Euro. Das Landratsamt betreibt künftig zwei Außenstellen in Eisenach.

Die Wartburg steht oberhalb der Stadt Eisenach im Wartburgkreis.
Die Kreisgebietsreform im Wartburgkreis könnte zum Modell für andere werden. Bildrechte: dpa

Auf den Weg zur Aufgabe der Kreisfreiheit hat sich die Stadt Eisenach nicht ganz freiwillig begeben: seit Jahrzehnten steht die Stadt unter starkem finanziellen Druck, wächst der Sanierungsstau von Straßen bis Sporthallen. Eisenach habe die verhältnismäßig höchsten Sozialkosten in Thüringen, sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke), sie hätten die Stadt erdrückt.

Diesen Posten übernimmt jetzt der Landkreis. Sozialamt und Jugendamt sind die größten Aufgaben, die auf den Wartburgkreis übergegangen sind. Dazu kommen Jobcenter, Umweltabteilung, Ausländerbehörde, Volkshochschule und Berufsschule. Schon bisher hat der Landkreis einige Aufgaben für die Stadt erledigt, geregelt über Zweckvereinbarungen - die Kfz-Zulassung und die Führerscheinstelle beispielsweise, das Gesundheitsamt und das Veterinärwesen.

Eine Frau steht auf einem Platz und schaut in die Kamera.
Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf hofft auf eine Stärkung der Region. Bildrechte: Stadtverwaltung Eisenach/Felix Schmitt

Ein Riesenakt, aber geräuschlos

Nach außen liefen die Veränderungen in der Verwaltung nach und nach und ziemlich geräuschlos. Es sei aber ein "Riesenakt" gewesen, sagt Landrat Reinhard Krebs.

Er ist sehr zufrieden, alles habe "so gut geklappt wie anfangs gar nicht vermutet". Für die Eisenacher soll sich möglichst wenig ändern, sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf, das sei das Ziel gewesen. Sie behalten - gerade in der Sozialverwaltung - ihre gewohnten Ansprechpartner. Nur sitzen die nicht mehr am Markt, sondern an der Rennbahn und haben mit dem Landkreis einen neuen Arbeitgeber. Rund 130 Beschäftigte sind gewechselt. Insgesamt sind es sogar 150 Stellen, die zum Landkreis übergingen. Nicht alle sind derzeit besetzt.

Mehr Service für den Nordkreis

Das Landratsamt ist nun an zwei Orten in der Stadt präsent. In die bisherige Außenstelle in der Thälmannstraße investiert der Wartburgkreis rund 2,5 Millionen Euro. Die Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen, sagt Landrat Reinhard Krebs (CDU).

Im Frühjahr wird noch ein Zwischenbau mit Fahrstuhl errichtet, auch weitere Parkplätze sollen entstehen. Durch einen Ringtausch mit Stadt und Wartburgsparkasse hat der Landkreis außerdem ein Gebäude an der Rennbahn angemietet und renoviert. Dorthin sind im Lauf des Jahres nach und nach vor allem die Beschäftigten der städtischen Sozialverwaltung umgezogen. So konnte ein teurer Neubau in Eisenach vermieden werden, freut sich Krebs.

Knapp 200 Arbeitsplätze bietet das Landratsamt künftig in Eisenach. Die Außenstellen sind auch für die Menschen im nördlichen Landkreis gedacht, sagt der Landrat. Die Treffurter, Behringer und Mihlaer können dort ihre Angelegenheiten klären lassen, müssen nicht extra in die Kreisstadt Bad Salzungen reisen.

Beide Partner gewinnen

Das Land belohnt die Mühen der Fusion mit viel Geld: Insgesamt 42 Millionen Euro wurden im Zukunftsvertrag zugesagt, den der Landtag 2019 beschlossen hatte. Davon entfallen 18,5 Millionen auf die Stadt, 23,5 Millionen auf den Landkreis, gezahlt über mehrere Jahre.

Ein Mann im Anzug steht vor einem hölzernen Wappen.
Landrat Reinhard Krebs ist jetzt für den größten Landkreis in Thüringen verantwortlich. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Beide gewinnen, ist sich Landrat Reinhard Krebs sicher: die Stadt könne jetzt finanziell freier atmen. Der Landkreis übernehme die staatlichen Aufgaben, könne sie bündeln und damit effizienter für die gesamte Region erfüllen. Mehr Energie könne man künftig gemeinsam in Infrastrukturprojekte stecken, beispielsweise in den Straßenausbau oder in Bildung und Ausbildung, hofft Krebs.

Botschaften für das Land

Bei Oberbürgermeisterin Katja Wolf schwingt noch etwas Wehmut mit, denn so ganz freiwillig hat Eisenach die Kreisfreiheit nicht aufgegeben. Aber auch sie setzt auf mehr Gemeinsamkeiten, die die Region stärken: bei der Wirtschaftsförderung beispielsweise und beim Tourismus. Sie hofft, dass die gewachsene Sozialstruktur in der Stadt erhalten bleibt und vom Landkreis anerkannt wird. "Zusammenwachsen geht nicht über Nacht", sagt Wolf. Das Hauptziel aber sei, wieder finanziell handlungsfähig zu werden. Dabei, setzt die Oberbürgermeisterin noch hinzu, werde sie das Land aber nicht aus der Pflicht entlassen.

Zusammenwachsen geht nicht über Nacht.

Katja Wolf Oberbürgermeisterin Eisenach

Auch Landrat Reinhard Krebs hat eine Botschaft für das Land. Der Wartburgkreis sei jetzt mit Abstand der größte Landkreis in Thüringen - und auch der wirtschaftlich stärkste. "Man möge bitte in Erfurt immer wieder gerne in diese Richtung schauen und uns unterstützen." Auf Westthüringen werden vermutlich auch andere Kommunalpolitiker in Thüringen in den kommenden Jahren genauer schauen: Seit vielen Jahren vollzieht sich dort die einzige Kreisgebietsreform im Land. Sie könnte zum Modell für andere werden.

Quelle: MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Januar 2022 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Thueringer Original vor 32 Wochen

Die Rückkreisung von Eisenach war richtig, da die Kreisfreiheit für Eisenach ein Fehler war. Vielen lieben Dank an die damalige Regierung, das hat den Steuerzahler so einige Millionen gekostet. Bei Suhl könnte ich mir die Aufgabe der Kreisfreiheit vorstellen, jedoch war Suhl nicht wie Eisenach vorher einen Landkreis zugehörig. Außerdem liegt Suhl nicht wie Eisenach als Enklave in einem Kreis, sondern wäre immer der Rand vom Ilm-Kreis, Landkreis Sonneberg, LK Schmalkalden-Meiningen oder LK Hildburghausen. Hildburghausen halte ich aber für wirtschaftlich schwach und würde aufgrund seiner geringen Fläche sich am besten für eine Fusion mit Suhl eigenen. Hierzu müsste jedoch das Land entsprechend für finanzielle Entlastung sorgen, da dies sonst keine gesunden Früchte trägt.

Thueringer Original vor 32 Wochen

Weshalb findet man diesen Beitrag nicht auf eurer Unterseite zur Gebietsreform?

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