Bergbau Kali-Abwässer sollen ab 2022 Thüringer Grube Springen fluten

Der Bergbaukonzern K+S hat Probleme, seine Abwässer aus der Kalisalzaufbereitung loszuwerden. Ein Teil soll ab 2022 in eine stillgelegte Grube in Thüringen eingeleitet werden. 400 Meter müssen durchbohrt werden, um insgesamt 20 Kilometer Rohre von Hessen nach Thüringen in die Grube Springen zu verlegen. Doch noch gibt es offene Fragen - und fehlende Genehmigungen.

Der Bergbau-Konzern K+S mit Sitz in Kassel peilt für das erste Halbjahr 2022 die Flutung der Grube Springen im Wartburgkreis an. In das 1990 stillgelegte Bergwerk sollen Abwässer aus der Kalisalzproduktion im hessisch-thüringischen K+S-Werk Werra eingeleitet werden. Ein Unternehmenssprecher sagte am Montag, noch sei die Genehmigung nicht erteilt. "Das Genehmigungsverfahren läuft noch." Die Federführung habe das Thüringer Landesbergamt, aber auch das hessische Bergamt sei einbezogen. Alle Unterlagen seien eingereicht, auch geforderte Gutachten.

Ein Mann deutet auf einem Plan
Projektleiter Stephan Deppe erklärt am Montag den Plan für Bohrungen in der Grube. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

500 Millionen Euro Entsorgungskosten

In die unterirdischen Hohlräume, die beim jahrzehntelangen Kali-Abbau entstanden, könnten innerhalb von 10 bis 15 Jahren bis zu 21 Millionen Kubikmeter gesättigte Salzlauge eingeleitet werden, sagte der Unternehmenssprecher. Veranschlagt würden in diesem Zeitraum Kosten von rund 500 Millionen Euro für das Projekt. Bis zum Start will K+S 62 Millionen Euro investiert, von denen 45 Millionen bereits ausgegeben wurden.

Bohrung überbrückt Landesgrenze Hessen-Thüringen

Für die Einleitung salzhaltiger Abwässer aus dem Werk Werra in die Grube im Wartburgkreis war ein Staatsvertrag zwischen Thüringen und Hessen abgeschlossen worden. Der Grund: Unter der Landesgrenze muss ein etwa 400 Meter dicker sogenannter Markscheidensicherungspfeiler durchbohrt werden, um die Lauge über Rohre von Hessen nach Thüringen zu bringen.

Rohrleitung in einem Kalistollen
Die bereits verlegten hochdrucksicheren Stahlrohre haben einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

K+S fordert Thüringer Kostenbeteiligung

K+S verhandelt mit Thüringen über eine Kostenbeteiligung. Der Unternehmenssprecher sagte, mit der kontrollierten Flutung würden auch die unterirdischen Hohlräume gesichert, in die bisher natürliches Salzwasser fließe. Dieses müsse seit Jahren abgepumpt werden .

Stollen
Hier tritt seit 1969 unkontrolliert Salzlauge aus, die abgepumpt werden muss. K+S will durch die Flutung die Problemstelle in der Grube beseitigen. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Thüringen für DDR-Altlasten verantwortlich

Thüringen hatte sich vertraglich verpflichtet, die Sicherungskosten für stillgelegte DDR-Bergwerke in Süd- und Westthüringen zu tragen - inzwischen beschäftigen die aus den 1990er Jahren stammenden Verträge mehrere Gerichte.

Bei dem laufenden Genehmigungsverfahren geht es nach Angaben von Thüringer Bergbauexperten nur um einen Teil der Grube Springen - das Südwestfeld mit einer Kapazität im Zeitraum von 2022 bis 2025 von maximal fünf Millionen Kubikmetern Lauge.

K+S hat seit Jahren große Probleme mit der Entsorgung seiner salzhaltigen Produktionsabwässer, die mit behördlicher Genehmigung zum Teil auch in die Werra verkippt werden. Eine Genehmigung, sie auch in den Boden zu verpressen, läuft nach Unternehmensangaben Ende 2021 aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 13. September 2021 | 19:30 Uhr

1 Kommentar

Basil Disco vor 3 Tagen

Irgendwann wird K+S einsehen müssen, dass ihr Geschäftsmodell, die Abfälle irgendwo in der Landschaft zu verklappen nicht mehr funktioniert. Die Halde bei Zielitz wächst unaufhörlich, für die letzte Erweiterung wurde hektarweise Wald gerodet, weil sich natürlich die Landesregierung leicht mit dem Arbeitsplatzargument erpressen lässt. Eins verstehe ich nicht: Warum ist natürlich eindringendes Salzwasser ein Problem und muss abgepumpt werden, während der Produktionsabfall, also die Lauge aus einem anderen Bergwerk die Hohlräume stabilisiert?

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