Kali-Entsorgung in Springen Umweltministerin Siegesmund dringt auf Änderung von Kali-Staatsvertrag

Ab 2022 darf das Bergbauunternehmen K+S seine Lauge nicht mehr im Boden verpressen. Stattdessen sollen die Abwässer in der Thüringer Grube Springen entsorgt werden. Eine Änderung des Kali-Staatsvertrags ist nötig. Doch die Zeit drängt.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hofft auf eine zügige Verabschiedung des geänderten Kali-Staatsvertrages mit Hessen durch den Thüringer Landtag. Für das mit K+S vereinbarte Ende der Verpressung von Kali-Lauge und eine spürbare Entlastung der Werra sei es nötig, das entsprechende Gesetz noch vor den für Frühjahr 2021 anvisierten Neuwahlen zu verabschieden, sagte Siegesmund bei einer Pressekonferenz in Erfurt. Andernfalls, so Siegesmund, befürchte sie Verzögerungen von mindestens einem Jahr für die Entsorgung der Abwässer unter Tage.

Entsorgung im stillgelegten Bergwerk Springen

Für die geplante Einleitung der salzhaltigen Produktionsabwässer des Bergbau-Unternehmens in das stillgelegte Bergwerk Springen in Thüringen muss der sogenannte Markscheide-Sicherheitspfeiler unter Tage durchbohrt werden. Dabei handelt es sich um eine 200 Meter starke und zwischen 20 und 30 Kilometer lange Wand aus Salzgestein, die die Kaligruben in Hessen und Thüringen voneinander trennt.

K+S hat bei der Oberen Bergbehörde in Kassel beantragt, in diese Wand zwei 50 Zentimeter starke Löchern bohren zu dürfen. Durch diese Löcher sollen Rohre verlegt werden, mit denen Kalilauge von West nach Ost gepumpt wird. Weil der Staatsvertrag zwischen beiden Bundesländern regelt, dass dieser Markscheide-Sicherheitspfeiler nicht angetastet werden darf, haben die Landesregierungen beider Länder eine Änderung vereinbart, die die Landtage in Erfurt und Wiesbaden bestätigen müssen.

Anja Siegesmund
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Ab 2022 keine Lauge in die Werra

Ministerin Siegesmund betonte am Montag in Erfurt, die Zeit dränge vor allem deshalb, weil K+S ab Januar 2022 keine Lauge mehr in den Boden versenken dürfe. Die dafür erteilte Genehmigung läuft am 31. Dezember 2021 aus. Die Einleitung der Lauge in das Süd-West-Feld der Grube Springen müsse bis dahin stehen. Mit den Vorarbeiten dafür sollte eigentlich im Oktober begonnen werden. Dabei gehe es, so Siegesmund, nicht nur um eine Produktionsperspektive für K+S und damit die Sicherung von gut 4.500 Arbeitsplätzen.

Die alternative Entsorgung - die sogenannte Einstapelung - der zuvor bearbeiteten Lauge diene auch der Entlastung der Werra. Die sei auch im Jahr 2020 der salzhaltigste Fluss Europas. Je früher die Lauge unter Tage entsorgt werden könne, je weniger davon fließe in Werra und in Weser. Bis 2027, so Siegesmund, müsse am Fluss die Wasserrahmenrichtlinie der EU eingehalten werden, die einen guten ökologischen Zustand zum Ziel habe.

Altlast aus der DDR

Die ehemalige Kali-Grube Springen gilt als DDR-Umweltaltlast. Nach bestehenden Verträgen muss Thüringen für ihre Sicherung jährlich Millionenbeträge an K+S zahlen, um die nötigen Arbeiten auszuführen. Dazu läuft derzeit ein Gerichtsverfahren zwischen Thüringen und K+S beim Oberverwaltungsgericht in Weimar. In Springen fließt seit vielen Jahren aus tiefen Erdschichten Wasser, das abgepumpt werden muss.

Quelle: MDR THÜRINGEN, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. November 2020 | 20:00 Uhr

9 Kommentare

Rumsdibums vor 46 Wochen

Es war schon ziemlich clever einen aussichtsreichen Kalibetrieb zu schließen und eine "ewige Altlast" daraus zu machen. Alles was jetzt passiert ist die logische Weiterführung dieses "Konzepts".

Jan vor 46 Wochen

Ich kann nur hoffen, dass die Umweltsünder zur Rechenschaft gezogen werden.
Es ist für mich unbegreiflich, dass das vermüllen und vergiften unserer Umwelt so locker von der Hand gehen kann.

Harka2 vor 46 Wochen

Seit 30 Jahren (!!!) pumpen die Hessen ihre Abwässer in den Osten oder die Werra und niemand interessiert das. Ich muss für die Entsorgung meines Hausmülls selber zahlen, K&S pumpt ihn in den Osten oder lässt ihn in die Werra ab. In dem Fluss fangen wir demnächste Salzheringe, fertig eingelegt! Schon witzig, dass die kleine und notorisch klamme DDR mit ihren Abwässern umgehen konnte, K&S das aber nicht braucht. Ist halt wie beim billigen Atomstrom, die Konzerne kassieren die Gewinne und der Steuerzahler bezahlt die Entsorgung des Restmülls.

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen

Kinderaudioguide 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gymnasiasten der 12. Klasse haben eine Führung durch das Schillermuseum Rudolstadt extra für Kinder entwickelt. Das Projekt gibt es schon in 27 Museen im Freistaat.

27.09.2021 | 21:04 Uhr

MDR THÜRINGEN Mo 27.09.2021 19:00Uhr 00:27 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/saalfeld-rudolstadt/video-audioguide-kinder-museum-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Ein Buga-Liegestuhl auf den Petersberg unter grauen Wolken 1 min
Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Auf der Bundesgartenschau in Erfurt lassen Langfinger manches mitgehen. Einige Besucher finden die Liegestühle so toll, dass sie sie kurzerhand durch die Drehkreuze am Ausgang tragen - sehr zum Ärger der Organisatoren.

27.09.2021 | 18:51 Uhr

Mo 27.09.2021 17:20Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/video-buga-liegestuhl-diebstahl-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video