Orientalische Küche Kochkurs in Eisenach: Mit Salam Kitchen Kulturen zusammenbringen

In Thüringen finden die Achava Festspiele statt. Verschiedene Veranstaltungen erinnern an das jüdische Leben und sollen die verschiedenen Kulturen sowie Religionen zusammenbringen. Auch in Eisenach ist einiges los: Der Kunstverein Eisenach hat zum Kochkurs "Salam Kitchen - Humus, Taboule und Co." eingeladen.

Frische Tomaten, Paprika, Knoblauch, Kichererbsen, Salat und Petersilie stehen auf dem Tisch. Die Kichererbsen wurden über Nacht eingeweicht und auch die vielen Gewürze sind zum Einsatz bereit. Doch bevor die Kochlöffel geschwungen werden, gibt es einen Kaffee - aufgebrüht nach syrischer Art.

Der Hobbykoch Mailik Alkhalifa und Alexandra Husemeyer vom Kunstverein Eisenach erzählen beim Einschenken von der Levante - so werden die Länder am östlichen Mittelmeer bezeichnet: Ursprung der Gerichte, die bei dem Kochkurs entstehen sollen, und Malik Alkhalifas Heimat.

Menschen sitzen zusammen
Hobbykoch Mailik Alkhalifa brüht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Kaffee auf - nach syrischer Art. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Genaugenommen stammt er aus Syrien. Als der Islamische Staat (IS) in seiner Region auftauchte und der Krieg ausbrach, hatte er erst noch Hoffnung, dass alles wieder gut wird, aber das tat es nicht. "Ich bin Atheist und lebte jeden Tag in Angst, deshalb habe ich mich irgendwann entschieden zu gehen", sagt er.

Seine Flucht brachte ihn nach Deutschland, wo er zwischen Weimar und Eisenach wählen konnte. Er entschied sich für die Wartburgstadt, und zwar wegen Luther. "Was Luther vor 500 Jahren bewegt hat, ist toll. Er ist wie ein Prophet oder wie ein neuer Jesus. Ich bin nicht mit all seinen Meinungen einverstanden und ich weiß, er hat nicht gut über Juden und Muslime gesprochen, aber er ist inspirierend", sagt Mailik Alkhalifa.

Kochende Männer sind nicht erwünscht

Seit der einstige Grundschullehrer in Deutschland ist, ist er freier. Hier konnte er neue Leidenschaften entdecken und ausleben, die ihm seine syrische Kultur verwehrt. Dazu gehört auch das Kochen. Als kleiner Junge durfte er noch bei seiner Mutter in der Küche sein. Später nicht mehr: Denn laut der Tradition ist Kochen Frauensache. "Syrische Männer könnte man in dem Punkt als Macho bezeichnen: Sie kochen nicht und die Küche ist das heilige Gebiet der Frauen", erklärt der Hobbykoch.

Verschiedene Lebensmittel auf einem Tisch
Mit vielen frischen Lebensmitteln kochen die Kursteilnehmer leckere Gerichte der levantinischen Küche. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

In Eisenach hat ihn eine Sehnsucht gepackt: die nach dem Geruch von Gewürzen und gutem Essen. Mit Kurkuma, Kardamom, Cumin (Kreuzkümmel) und Co. war er bereits gut vertraut, weil sein Vater ein Lebensmittel- und Gewürzgeschäft betrieb. Durch Ausprobieren entwickelte er in den vergangenen sechs Jahren verschiedene Rezepte, die er in dem Kochkurs Salam Kitchen weitergibt.

Humus ist die bekannteste Speise des Abends. Die meisten haben es bereits gegessen, aber noch nie selbst gemacht. So drückt Anja Schellbeck zum ersten Mal mit Mörser und Stößel die Knoblauchzehen matschig. Während ihre heutige Kochpartnerin das Sesammus - Tahin genannt - mit Gewürzen vermengt.

Verschiedene Gewürze auf einem Tisch
Besonders wichtig für die orientalische Küche: Viele verschiedene Gewürze. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

"Wenn man einmal frischen Humus gegessen hat, schmeckt der fertige nicht mehr", sagt Juliane P. Zu wissen, wie das am besten geht ist einer der Gründe, warum die Teilnehmer aus dem Wartburgkreis im Nachbarschaftszentrum sind. "Ich möchte neue Rezepte kennenlernen und die Kniffe lernen, um das Essen richtig und gut zuzubereiten", sagt Matthias Müller.

Eine matschige Angelegenheit

Er, seine Frau und die drei Kinder bereiten draußen Baba Ghanoush zu. Das Feuer des Gaskochers knistert. Langsam färbt sich die Haut der Auberginen schwarz. Vorsichtig fasst Jakob Müller mit zwei Fingern nach den grünen Spitzen, um das Gemüse umzudrehen.

Baba Ghanousch ist ein Püree, das in der Levante als Beilage oder Dip gegessen wird. Die Auberginen werden mit Sesampaste, frischem Zitronensaft, Knoblauch, Salz, Pfeffer und Kümmel vermengt. Zuvor gilt es aber die Auberginen von der verbrannten Haut zu befreien. Also muss sich Familie Müller noch die Hände schmutzig machen. "Das ist gar nicht so einfach und ganz schön klebrig", sind sich Mutter und Tochter einig. Aber der Abend kommt trotzdem an.

Es ist einfach eine schöne Idee, hier gemeinsam zu kochen und sich einfach mal zu unterhalten, das fand ich eine sehr schöne Begegnung. Das hat mir gut gefallen.

Iris Müller, Kursteilnehmerin

Ein Zischen dringt aus der Küche: Die ersten Falafel brutzeln bereits im Fett. Allerdings läuft es dabei nicht ganz nach Plan. "Der Herd wird leider nicht heiß genug, dadurch dauert es sehr lange", sagt Malik Alkhalifa. Geduld ist gefragt, wie bei dem gesamten Abend: Denn das macht die orientalische Küche aus.

Mann schneidet Tomaten
Tobias Eichholz bereitet im Kochkurs "Salam Kitchen" das Gericht Shakshuka zu. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

"Wir Deutschen hacken meistens alles nur ganz grob klein, greifen auf fertige Gewürze zurück und lassen alles lange Kochen. In der orientalischen Küche werden die Lebensmittel ganz fein geschnitten, damit sie sich besser vermischen. Das schmeckt dann ganz anders", so Alexandra Husemeyer vom Kunstverein Eisenach.

Das Klacken der Messer auf den Holzbrettern ist mittlerweile verstummt. Die Millimeterarbeit mit den Tomaten haben Tobias Eichholz und Christin Höppner hinter sich. Nun tauchen sie einen Löffel in die Pfanne und schmecken das Shakshuka ab. Dabei handelt es sich um ein israelisches und nordafrikanisches Gericht, das aus Tomaten und porchierten Eiern besteht. "Es fehlt noch etwas Schärfe", sind sich die beiden einig.

Mann und Frau stehen an einem Tisch
Christin Höppner und Tobias Eichholz sind vom Kurs begeistert. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Also die Chillidose in die Hand und etwas nachwürzen. "Es ist ein toller Abend und ich kann es jeden nur empfehlen: Es ist ein schönes Miteinander. Jeder schaut, was gibt es zu tun und man probiert unbekannte, leckere Gerichte aus", fasst Tobias den Abend zusammen.

Er hatte Christin Höppner den Kochkurs zum Geburtstag geschenkt und auch ihr gefällt es. "Es ist richtig super. Die Atmosphäre und das Miteinander sind toll. Ich würde es auch verschenken." Dann kommen die beiden Pfannen auf den Tisch zu den anderen fertigen Speisen. Es ist angerichtet und alle dürfen ihr Werk sowie das der anderen nun kosten. Ihr Fazit: "Lecker!"

Eine Schüssel mit einem Courcous-Gericht
Das Gericht Taboulé. Bildrechte: MDR/Annika Grunert

Rezept Taboulé 1 Bund glatte Petersilie
3 Tomaten
1 Gurke
1 Bund Frühlingszwiebeln
2 EL Couscous
3 EL Olivenöl
Frisch gepresster Zitronensaft
Salz

1. Petersilie waschen, die dicken Stängel entfernen und fein hacken.
2. Tomaten, Gurke und Zwiebeln klein schneiden und mit Petersilie vermischen.
3. Couscous 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Im Sieb abtropfen lassen und gut mit den übrigen Zutaten vermischen.
4. Öl, Zitronensaft und Salz zu einem Dressing verrührern. Über den Salat geben und alles gut durchmischen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. September 2021 | 19:00 Uhr

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