Endlich frei Was machen Lehrer in den Sommerferien? Und was vermuten die Schüler?

Isabelle Fleck
Bildrechte: MDR/Flo Hossi

Sechs Wochen am Stück frei. Welcher Angestellter hat das schon? In den Ferien wollen alle gerne Lehrer sein. Doch was machen die die ganze Zeit? Wir haben mit zwei Lehrerinnen und ihren Schülern gesprochen.

Cornelia Herrmann unterrichtet Schüler.
Ein Corona-Schuljahr ist geschafft. Bildrechte: dpa

Die Zeugnisse waren kaum verteilt, da setzte sich Antje Plescher ins Auto und fuhr ins Erzgebirge. Sie unterrichtet am Dr.-Sulzberger-Gymnasium in Bad Salzungen Geschichte, Latein und Sport und hat wie alle Lehrer durch Corona eine anstrengende Zeit hinter sich.

Die Bilder wurden am Strandbad Breitungen beim Wandertag aufgenommen. Schüler und Lehrer des Dr. Sulzberger Gymnasiums Bad Salzungen
Wandertag zum Strandbad Breitungen Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Wir treffen uns beim Wandertag der Oberstufe am Strandbad Breitungen. Ihre "Elfer" sind mit den "Zehnern" und einigen anderen Lehrern von Immelborn aus hierher gelaufen. Plescher liebt es zu laufen, zu wandern, sich zu bewegen. Klar, sie ist ja auch Sport-Lehrerin. Sie sagt, sie wohne in einer wunderbaren Gegend mit Wald, habe sich gesund gehalten, wo es ging.

Aber jetzt möchte ich mal eine andere Luft schnuppern. Jetzt möchte ich mal andere Leute sprechen, eine andere Sprache hören.

Leherin Antje Plescher

Die Bilder wurden am Strandbad Breitungen beim Wandertag aufgenommen. Schüler und Lehrer des Dr. Sulzberger Gymnasiums Bad Salzungen
Lehrerin Antje Plescher will in die Berge. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Dazu zählen offenbar auch Sächsisch und Bayrisch. Denn nach der Reise ins Erzgebirge geht es für Plescher in den Bayerischen Wald. Warum aber nicht zum Beispiel Rom - die Wiege der lateinischen Sprache? Corona ist der Grund.

Ich war schon in Rom, aber im Moment habe ich da so eine Scheu durch Corona. Da sind mir schon wieder zu viele Menschen auf einem Platz, und das möchte ich nicht - das ist für mich grenzwertig. Da fühle ich mich fahrlässig, warte ich noch einen Moment und nächstes Jahr und fahre ich dann wieder nach Rom.

Lehrerin Antje Plescher

Eine weite Wiese öffnet sich entlang eines Baches, man blickt auf Gras, Moorhänge und Bäume in der Ferne. Die Fläche gehört zum Naturschutzgebiet Schwarzwassertal bei Pobershau im Erzgebirge,
Es geht erst ins Erzgebirge (Foto) und dann in den Bayerischen Wald. Bildrechte: Kathrin König

Denn nach den Ferien will sie mit ihren "Elfern" durchstarten zum Abitur und da müssen alle fit und erholt sein. Plescher reicht dafür aber schon eine Woche Auszeit. Dann kommt sie zurück. Sechs Wochen Ferien haben Lehrer nicht. Es sind eher fünf, sagt sie. Die letzte Ferienwoche nutzen die Lehrer als Vorbereitungswoche: Pläne machen, Dienstberatung, neue Kollegen kennenlernen, DRK-Ausbildung auffrischen, Räume einräumen, Bücher vorbereiten. Klingt jetzt schon wieder nach Stress in den Ferien.

Ich verspreche Ihnen, Sie werden keinen Lehrer finden, der sagt, er liegt jetzt fünfeinhalb Wochen auf der 'faulen Haut'. Nein, also ich gebe mir diese eine Woche. Sicher bin ich dann zu Hause. Ich habe auch einen schönen Garten, da gehe ich mal rein. Aber eigentlich habe ich noch eine Menge zu tun.

Lehrerin Antje Plescher

Dr.-Sulzberger-Gymnasium in Bad Salzungen, zu sehen ist auf allen das Haus I, für die Oberstufen.
Dr.-Sulzberger-Gymnasium in Bad Salzungen, zu sehen ist das Haus I, für die Oberstufen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Plescher beobachtet die Corona-Zahlen, hat im Hinterkopf, dass Thüringen die Schulen nicht wieder komplett dicht machen will und weiß, dass ihr Abiturjahrgang ohnehin zur Gruppe "Präsenzunterricht" gehört im neuen Schuljahr. Der Mix aus Home-Schooling und Präsenzunterricht habe "geschlaucht" - es sei "doppelte Arbeit" gewesen, so Plescher. Ich kenne sie nicht aus meiner Schulzeit, wir treffen uns heute das erste Mal. Sie macht einen gewissenhaften Eindruck, eine, die alles ordentlich und genau erledigt und sie sagt:

Als wir wieder voll im Präsenzunterricht waren, hatte ich das Gefühl, ich muss all die Dinge aufholen, die liegen geblieben sind. Und das habe ich auch gemacht, und zwischendrin habe ich mir gedacht, ich schaffe das nicht. Es war sehr viel Arbeit, und darum sind wir jetzt wirklich alle froh, dass wir ein paar Tage Ruhe haben. Auch die Schüler haben sich die Ferien verdient.

Lehrerin Antje Plescher

Lehrer unterrichtet per Videoanruf an Schüler während Quarantäne.
Doppelte Arbeit durch Homeschooling Bildrechte: imago images/Westend61

Die Schüler

Die sehen das selbstverständlich auch so. Auf die Frage, was die Lehrer wohl in ihren Ferien machen, leicht verdutzte Gesichter. Wer will in den Ferien schon an die Lehrer denken? Doch dann kommen die Antworten:

  • "Die Lehrer werden auch Urlaub machen - für sie war das Schuljahr genauso anstrengend wie für uns!"
  • "Die Lehrer haben sich Urlaub verdient. Sie fahren sicher mit ihren Familien weg. Dann kommen sie zur Vorbereitungszeit in die Schule"
  • "Ich würde als Lehrer erstmal Zeit für mich wollen. Danach wird das nächste Schuljahr durchgeplant."


Die Schülersprecherin

Auf einer Decke liegt auch Schülersprecherin Esther Böhm. Sie gibt zu, dass sie sich auch "keine richtigen Gedanken darüber macht, was die Lehrer in den Ferien anstellen", erklärt dann aber, dass einige Lehrer in der ersten Ferienwoche die Ferienkurse übernehmen und in der letzten Woche zur Dienstberatung und Schuljahresvorbereitung in der Schule sind. Aber natürlich fahren sie auch weg.

Die Bilder wurden am Strandbad Breitungen beim Wandertag aufgenommen. Schüler und Lehrer des Dr. Sulzberger Gymnasiums Bad Salzungen
Schülersprecherin Esther Böhm (r.) mit ihrer Schulkameradin Marlene beim Wandertag Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Ich weiß, dass Kreuzfahrten bei den Lehrern ganz beliebt sind. Warum, weiß ich nicht genau. Dieses Jahr werden sicherlich viele im Inland bleiben. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele noch innerhalb Europas verreisen, vielleicht nach Kroatien.

Schülersprecherin Esther Böhm

Die Kreuzfahrtschiffe Costa Classica und Nieuw Amsterdam liegen im Hafen von Dubrovnik.
Kreuzfahrten - beliebt bei Lehrern? Bildrechte: imago/Marc Schüler

Die Englisch- und Russisch-Lehrerin

Ines Süßdorf lacht. Kreuzfahrt? Dafür ist sie nicht der Typ. Sie läuft sehr gerne und liebt Österreich. Mit ihrem Mann geht es eine Woche in die Berge.

Wir mögen die frische Luft, wir wollen uns bewegen. Ich bin generell ein Mensch, der sich gerne bewegt. Frei von allen Zwängen bekommt man dort den Kopf frei.

Lehrerin Ines Süßdorf

Eine Wandergruppe durchquert ein Tal
Es geht nach Österreich zum Wandern. Bildrechte: Colourbox

Ines Süßdorf war vor vielen Jahren meine Englisch-Lehrerin. Ich erinnere mich gerne an sie und ihren Unterricht. Sie war und ist eine Lehrerin, zu der man gerne in den Unterricht kommt. Einfach, weil sie ihren Schülern etwas mit Spaß vermittelt. Erst letztens habe ich Hefter aussortiert und mich beim Durchblättern nochmal an manche Themen erinnert. Legendär unser Poster zu Obesity - Fettleibigkeit in den USA und die ganzen kleinen Biber-Comics, die ein Schulkamerad immer passend zum jeweiligen Thema überall unterbrachte. Auch ihr widmete er einen - mit Locken.

Die Bilder wurden am Strandbad Breitungen beim Wandertag aufgenommen. Schüler und Lehrer des Dr. Sulzberger Gymnasiums Bad Salzungen
Lehrerin Ines Süßdorf will sich viel an der frischen Luft bewegen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Wir sitzen eine Weile auf der Bank und unterhalten uns. Eine Englisch-Lehrerin, so vermute ich, wird doch sicher auch nach England fahren! Ja sagt sie, gerne und oft - zuletzt aber 2019 aus bekannten Gründen.

Ich war schon ein paar Mal in England, auch in Schottland. Ich liebe England. Ich mag ja die Menschen dort und die Lebensweise. Und ich fühle mich irgendwie zu Hause.

Lehrerin Ines Süßdorf

Für diese Ferien hat sich Ines Süßdorf vorgenommen, runterzuschalten. Sie sagt, sie fühlt sich "wirklich sehr nach Urlaub" und wird sich erst wieder in der Vorbereitungswoche mit der Schule beschäftigen. Aber manchmal ist die Grenze zwischen Arbeit und Leben gar nicht so scharf, etwa, wenn sie im Internet unterwegs ist und Videos anschaut, die sich dann doch für die Arbeit am Whiteboard eignen oder dafür, ein Unterrichtsthema lebendig zu gestalten. Doch, sie sagt: Neben der Arbeit muss es auch Zeit für einen selbst geben. Und dafür sind die Ferien ja auch da.

Wir wünschen allen Schülern und Lehrern erholsame Wochen!

Frau auf einer Luftmatratze in einem Swimming Pool
Einach mal treiben lassen. Bildrechte: Colourbox.de

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 26. Juli 2021 | 05:00 Uhr

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